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24/7 DIVA HEAVEN
 
"Der Fuzz darf auch nicht fehlen."
24/7 Diva Heaven
Natürlich muss man den Begriff Riot Grrrls nennen, wenn es um 24/7 Diva Heaven geht. Genau wie man ihre Musik als Grunge wie damals bezeichnen kann. Doch vor allem muss und kann man sie einfach nur unfassbar gut nennen. Sehr roh, sehr energetisch und sehr mitreißend, dreckig, fuzzy, melodisch und ungeheuer aufregend und tatsächlich mit der Klasse von frühen Hole. Mit "Stress" haben Karo Paschedag (Bass), Mary Westphal (Schlagzeug) und Katharina Ott-Alavi (Gitarre & Gesang) jetzt ein erstes Album auf Noisolution am Start. Wir haben beim Berliner Trio einmal nachgefragt.
Gaesteliste.de: Endlich das erste Album in den Händen - fühlt sich das wie erwartet an oder doch ganz anders?

Katharina: Oh ja... das ist schon eine verrückte Sache. Man arbeitet so lange auf diesen Moment hin und malt sich aus, wie das wohl sein wird, wenn man das Ding zum ersten Mal in den Händen hält. Für mich war es ein ziemlich überwältigendes Gefühl. Das muss man erst mal klarkriegen, dass das, was sich da auf dem Plattenteller dreht, von einem selbst geschaffen wurde. Das ist schon krass. So eine Albumproduktion bringt ja auch oft gemischte Gefühle mit sich: Stress und Unsicherheiten, Zeitdruck, vor allem, wenn man nicht so routiniert ist. Aber am Ende war, zumindest bei mir, alles vergessen als ich die Platte zum ersten Mal gesehen und gehört habe. Da überwiegt lediglich ein Gefühl: großer, großer Stolz!

Karo: Mir geht es da wie Kat. Natürlich wusste ich, dass es ein gigantisches Gefühl sein wird, aber am Ende war es dann eher galaktisch. Ich war und bin vollkommen hin und weg und bin vollends zufrieden mit dem Endprodukt, auf allen Ebenen. Und das sollte ja auch anders nicht sein, nach der ganzen Arbeit, den Mühen und den vielen Gedanken, die wir uns gemacht haben. Ich bin wunschlos glücklich mit unserem Debüt.

Gaesteliste.de: Wir feiern das Album ja mächtig ab und viele andere ganz sicher auch. Aber was gab es denn schon für negative Reaktionen drauf?

Karo: Das ist sehr schön zu hören, danke dafür! Tatsächlich hat uns bisher durchweg nur gutes Feedback erreicht. Wir haben neulich im Proberaum darüber geredet, wann sich das wohl mal ändern wird. Natürlich ist es ein gutes Gefühl, wenn man gelobt wird und so viel positive Resonanz bekommt, aber vermutlich halten die Leute mit negativer Kritik auch eher zurück und knallen die einem eher weniger vor den Latz. Die Frage könnte ihr uns ja später im Jahresverlauf noch einmal stellen, vielleicht hat sich dann diesbezüglich etwas geändert.
Gaesteliste.de: Mit welchem Anspruch und welchen Zielen seid ihr an das Album gegangen, was musste es unbedingt haben, wie sollte es unbedingt klingen oder wirken?

Karo: Um ehrlich zu sein, gab es zunächst kein besonders klares Konzept. Wir hatten schon eine Handvoll Songs, die ungefähr ein halbes Album ausgemacht hätten, und als es darum ging, die andere Hälfte zu schreiben, haben wir versucht, ein paar klarere Gedanken zu formulieren, was manchmal gar nicht so einfach ist, wenn man mitten im Prozess steckt. Dennoch gab es ein paar grundlegende Überlegungen: Das Album sollte homogen wirken, wir mögen es, wenn Dinge irgendwie rund sind. Die Songs sollten sich nicht zu sehr ähneln, aber auch nicht bunt zusammengewürfelt wirken. Das war eine Schwierigkeit, denn wir haben wirklich vielfältige musikalische Interessen. Aber "alles was geht" unterzubringen, können und wollen wir nicht, somit mussten wir es schaffen, unsere verschiedenen musikalischen Vorlieben zu berücksichtigen, dabei aber trotzdem den roten Faden nicht zu verlieren. Dieser Prozess hat uns sehr geholfen, sich über den eigenen Stil als Band bewusster zu werden. Was uns darüber hinaus wichtig ist und was wir lieben: ein fetter Sound, coole Riffs und gerne mal die eine oder andere catchy Melodie. Der Fuzz darf auch nicht fehlen. Wir versuchen einfach die Songs zu schreiben bzw. die Band zu sein, die wir uns selbst gerne anhören würden.

Gaesteliste.de: Was hat sich in den vergangenen zwei Jahren musikalisch bei euch seit "Superslide" geändert oder entwickelt?

Katharina: Oh, es hat sich so viel getan! Wir sind musikalisch gewachsen, haben uns neue Skills erarbeitet und sind ganz oft sehr ins Detail gegangen. Wir haben uns bewusst mit Songwriting Effekten auseinandergesetzt und viel darüber diskutiert. Fragen wie "Wie kann ich eine bestimmte Stimmung erzeugen oder den Part XY noch ein bisschen besser machen?" werden natürlich oft durch Intuition und einfaches "Losspielen" beantwortet, oft braucht es dann aber auch noch die eine oder andere weiterführende Überlegung, um einem Musikstück dann wirklich den letzten Schliff zu geben. Solche Effekte entdecken wir gerade und es war zwar ein hartes Stück Arbeit, die Songs dann letztendlich so fertig zu stellen, wie sie jetzt sind, es hat sich, unserer Meinung nach aber sehr gelohnt. Am Ende wollen wir keine halben Sachen machen. Ich weiß, das klingt wenig Punkrock, aber letztendlich haben wir ein Debüt-Album geschaffen, dass uns allen Dreien eine krasse Freude beim Hören macht, immer und immer wieder. Dafür lohnen sich alle Mühen!

Gaesteliste.de: Wie schreibt ihr die Songs denn und wie wird dann entschieden, was gemacht wird und was nicht?

Katharina: In der Regel entwickele ich eine Grundidee zuhause auf der Gitarre, eventuell auch schon mit groben Vocal-Ideen. Das wird dann mit in den Proberaum gebracht und zusammen ausgearbeitet. Jede bringt dann ihren eigenen Flavour rein. Ob wir eine Idee weiterverfolgen oder nicht, handhaben wir ganz unterschiedlich: Manche Sachen kicken uns alle von Anfang an, die sind dann quasi gesetzt. Manche Ideen brauchen ein bisschen Zeit, um sich zu entwickeln. Meistens bin ich dann die treibende Kraft: Wenn ich merke, dass die anderen beiden das jetzt gerade nicht ganz so geil finden und ich aber überzeugt davon bin, dass das Potential hat, dann lasse ich nicht locker und leiste - sicherlich ziemlich - nervtötende Überzeugungsarbeit. Oft entwickelt sich dann auch was Cooles draus - und falls nicht: Pech gehabt, weg damit! Ging uns übrigens z.B. bei "Everything Sucks" so. Der entfaltete eigentlich sogar erst im Studio sein volles Potential.

Gaesteliste.de: Und wie muss man sich euch im Studio vorstellen?

Katharina: Konzentriert! Vielleicht wirken wie nicht immer so, aber wir nehmen die Sache ja doch auch schon ziemlich ernst. Wir haben unsere Ansprüche und denen wollen wir auch gerecht werden. Wir sind, muss man sagen, auch echt ein gutes Team, das aufeinander achtet und sich gegenseitig Freiraum oder Pausen verschafft, wenn man merkt, dass das jemand gerade nötig hat. Wenn ich dann mal wieder den halben Tag ins Mikro gebrüllt habe und heiser bin, machen die Ladies mir dann 'nen Ingwer Tee. Das ist wie in einer guten Beziehung. So muss das laufen. Spaß haben wir aber natürlich auch, wir machen da schon viele Faxen. Gerne auch zusammen mit unserem Aufnahmeguru René Hofmann, der unser Album und auch schon unsere erste EP im Wasted Life Studio Darmstadt aufgenommen hat, der ist auch nicht um Jokes verlegen. Ein Klassiker mittlerweile auf Tour oder Studio: Irgendeine schneidet der anderen immer die Haare. Hat sich irgendwie so eingebürgert, haha.

Gaesteliste.de: Bei neueren Bands werden ja gerne Vergleiche zu anderen gezogen, mit welchen Bands werdet ihr gerne verglichen, mit welchen würdet ihr gerne verglichen werden und mit welchen so gar nicht?

Karo: Das vergleichen mit Bands dient ja auch dazu, potenzielle Hörer zu erlangen. Geht mir auch so, wenn eine Band mit Nirvana verglichen wird, hör ich eher rein, als wenn Parallelen zu Oasis gezogen werden. Wir werden häufig mit Bands aus der Riot Grrrl-Ära verglichen, sprich L7, Bikini Kill, Hole oder Babes In Toyland. Das ehrt uns, da wir all diese Bands sehr schätzen und die musikalische Inspiration durch diese Bands auch eindeutig zu hören ist, denke ich. Ich persönlich freue mich da immer, manchmal frage ich mich aber auch, ob es nicht auch einfach einfach ist, härtere Frauenbands mit härteren Frauenbands zu vergleichen. Aber eigentlich werde ich sehr gerne mit diesen grandiosen Bands in einem Atemzug genannt. Vielleicht kommen ja irgendwann auch mal männlich besetze Bands wie Nirvana, Alice In Chains oder Dead Kennedys dazu. Aber ich denke im Großen und Ganzen passen die bisherigen Vergleiche ziemlich gut. Ich erinnere mich, dass bei der EP auch mal die Ramones, Joy Division und Motörhead als Korrespondenz genannt wurden. Das hat mich persönlich zwar gefreut, aber besonders bei den beiden letzteren kann ich das - leider - nicht wirklich bestätigen. Alle drei Bands vergöttere ich, aber ich finde nicht, dass sich diese Verehrung in unserer Musik wiederspiegelt. Noch nicht vielleicht... (schmunzelt). Beim besten Willen fällt mir keine Band ein, mit der ich nicht verglichen werden wollen würde, was das musikalische Spektrum betrifft, in dem wir uns bewegen. Vielleicht bin ich da aber auch gerade einfach gedankenleer. Eine Parallele zu Linkin Park, Coldplay oder den Backstreet Boys wird ja hoffentlich niemand ziehen.

Katharina: Nix gegen Oasis! (lacht)
Gaesteliste.de: Könnt ihr das Cover erklären? Was hat das mit Stress zu tun?

Karo: Wir hatten uns irgendwie an Buchstabennudeln einen Narren gefressen und wollten die unbedingt einbringen. Beim Brainstormen zum Cover, der Titel "Stress" stand schon, sind wir irgendwann darauf gekommen, dass es ja wohl ultimativ stressig sein muss, Buchstabennudeln mit Stäbchen zu essen. Ich zumindest schaudere bei dem Gedanken daran. Und so entwickelte sich die Idee mit der ansehnlichen asiatischen Suppe, den Stäbchen und den geliebten Buchstabennudeln, die den Albumtitel in der Brühe formen. Delikat stressig sozusagen. Guten Appetit!

Gaesteliste.de: Stress: Wieso heißt euer Album "Stress"?

Katharina: "Stress" ist für uns ein übergeordneter Begriff, der wie eine dunkle Wolke über unserer Generation wabert. Wir sind ständig getrieben, stehen nicht still. Entweder kommt der Stress von außen - oder man macht ihn sich selbst. Das Rad dreht sich immer weiter - und wir sind die Hamster darin. Auf dem Album geht es um politische Missverhältnisse, das Lebensgefühl unserer Generation, eigene Dämonen. Der Begriff "Stress" fasst das alles für uns gut zusammen. Etwas, das dich schwitzen lässt und lauernd von hinten überfällt, wenn man nicht aufpasst.

Gaesteliste.de: Wieso Noisolution und wie kam es dazu und wie es so auf dem Label?

Katharina: Noisolution ist der Hammer! Wir sind Arne und seinem Team unendlich dankbar dafür, dass sie uns das Vertrauen geschenkt haben, "Stress" in der Form rauszubringen. Ich kannte Arne schon vom einen oder andere Bier am Tresen - und als es darum ging, mögliche Labels anzufragen, kam uns Arne und Noisolution als erstes in den Sinn, da es musikalisch einfach passt und wir durch verschiedene Freund*innen und deren persönliche Erfahrung wissen, dass es bei Arne um die Musik- und vor allem fair zugeht! Außerdem ist Noisolution ein Berliner Label und es ist schön, in der eigenen "Homebase" vertreten zu werden. Wir sind stolz, Teil der Familie zu sein und der Austausch zwischen den einzelnen Bands auf dem Label ist wirklich inspirierend. Da ist auch schon die eine oder andere Freundschaft entstanden, zum Beispiel zwischen uns und der fabelhaften Schweizer Noisolution-Band Hathors. So kann es weitergehen.
Weitere Infos:
247divaheaven.bandcamp.com
www.facebook.com/247DIVAHEAVEN
www.instagram.com/grrrlnoisy
Interview: -Mathias Frank-
Foto: -Pressefreigabe-
24/7 Diva Heaven
Aktueller Tonträger:
Stress
(Nois-O-Lution/Soulfood)

 
 

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