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SKULLCRUSHER
 
"Ich lasse den Dingen ihren natürlichen Lauf"
Skullcrusher
Helen Ballentine mag das Spiel mit den Gegensätzen. Auf den ersten Blick scheint ihr martialisch klingender Bühnenname Skullcrusher so gar nicht zum zarten Äußeren der schüchtern wirkenden amerikanischen Singer/Songwriterin zu passen, ihr stiller Folk-meets-Bedroom-Indie-Sound im Gegensatz zu stehen zur brutalen Ehrlichkeit ihrer Texte, mit denen sie ihr eigenes Gefühlschaos offenlegt, doch am Ende ergänzen sich auch auf ihrer neuen, dieser Tage erscheinenden EP "Storm In Summer" Subtilität und Intensität, Licht und Schatten genauso selbstverständlich, wie sich Ballentine mit oft akademischer Präzision über ihr Selbstverständnis als Künstlerin Gedanken macht, obwohl oder gerade weil ihre eigenen Songs bisher eher ungezwungen, ja, geradezu beiläufig entstanden sind.
Aufgewachsen in einer Kleinstadt vor den Toren von New York City, ist Musik für Ballentine ob ihrer kunstbegeisterten Eltern nicht nur wegen erster Klavierstunden noch im Kindergartenalter schon früh wegweisend. Ihr Vater bringt ihr Klassiker wie Joni Mitchell, Bob Dylan oder The Beatles näher, während es ihre Mutter eher mit Beck oder Madonna hält. Obwohl in 13 Jahren Privatschule vor allem auf Erfolg getrimmt, entscheidet sie sich anschließend für ein Kunststudium am anderen Ende von Amerika. In ihrer Zeit an der University of Southern California bringt sie sich selbst das Gitarrespielen bei. Die angestrebte Karriere in der bildenden Kunst stellt sich schon bald nach dem Studienabschluss als Sackgasse heraus, doch als sie ihren Frust und ihre Verwirrung in Songs fließen lässt, die anfangs eigentlich nicht mehr als ein Bewältigungsmechanismus sind, eröffnen sich ihr ganz neue Perspektiven. Mit Unterstützung aus ihrem engsten Umfeld - ihr Partner Noah Weinman (alias Runnner) steht ihr als Co-Produzent und Musiker zur Seite, ihre gute Freundin Silken Weinberg hilft ihr bei der Visualisierung des Projekts durch Fotos und Videos - entstehen herzergreifende Songs, für die Ballentine längst nicht nur das eigene Tagebuch vertont, sondern sich von literarischen Quellen ebenso beeinflussen lässt wie von Fanastyfilmen und Visual Arts. Gleich mit ihrer Debütsingle "Places/Plans" rennt Ballentine allenthalben offene Türen ein, mit der EP "Skullcrusher" setzt sie letzten Sommer ihren kometenhaften Aufstieg fort, obwohl in Zeiten der COVID-19-Pandemie viele der üblichen Promotionmechanismen nicht greifen. Mit den fünf neuen Songs auf "Storm In Summer" macht sie nun den nächsten großen Satz nach vorn. Folkige Natürlichkeit im Stil von Nick Drake und Elliott Smith und experimentierfreudige Shoegaze-Sounds im Geiste von Radiohead und My Bloody Valentine und ihr Faible für Ambient-Electronica fließen beeindruckend organisch in Liedern zusammen, die gleichermaßen vertraut und vollkommen einzigartig klingen und weit über das hinausgehen, was man dieser Tage von der Generation Indie-Folk erwarten darf.

Kurz vor der Veröffentlichung ihrer neuen EP hatten wir das große Vergnügen, mit dieser un-, nein außergewöhnlichen Künstlerin ein ausführliches Video-Interview zu führen, bei dem sie in ihrem überlebensgroß erscheinenden Schreibtischstuhl zwar fast zu versinken droht, allein ihre wachen, riesengroßen blauen Augen aber dafür sorgen, dass sie selbst auf dem Laptop-Bildschirm unglaublich präsent wirkt.

GL.de: Helen, wo erwischen wir dich gerade? Du bist ja gewissermaßen an beiden Enden der USA heimisch?

Helen: Ja, das stimmt. Ein bisschen habe ich das Gefühl, dass ich sowohl in New York als auch in L.A. zu Hause bin. Von September bis Ende Dezember war ich an der Ostküste, um dort an den Songs zu arbeiten, die jetzt auf meiner neuen EP erscheinen. Zurück nach L.A. bin ich zusammen mit meinem Partner Noah gefahren, anstatt zu fliegen, das war noch einmal ein Abenteuer für sich. Inzwischen haben wir ein Haus in L.A. gefunden und werden wohl das nächste Jahr hier verbringen. Was danach passiert? Wir werden sehen!

GL.de: Du hast dich vor etwas mehr als zwei Jahren entschieden, den Fokus in deinem Leben auf die Musik zu richten. Was hat sich seitdem verändert?

Helen: Die größte Veränderung ist, dass ich inzwischen mehr darüber nachdenke, warum ich Songs schreibe und viele andere Entscheidungen treffe. Ich denke, es gehört zur Entwicklung eines jeden Künstlers, viel Zeit darauf zu verwenden, Antworten auf diese Fragen zu finden. Es geht darum, sich bewusst zu machen, worum es bei deinem Projekt geht. Zu Beginn folgt man ausschließlich seinen eigenen Instinkten. Als ich angefangen habe, Songs zu schreiben, war mir nicht bewusst, dass ich sie später auch erklären müsste, denn zunächst war mir gar nicht klar, was mit ihnen passieren würde. Ich war nicht sicher, ob jemand sie würde hören wollen, ich war noch nicht einmal sicher, ob ich sie überhaupt mit anderen teilen wollte. Zunächst lebten die Songs ausschließlich in meinem Kopf. Ich selbst wusste, warum sie existierten und wovon sie handelten, aber ich hätte das damals noch nicht artikulieren können. Inzwischen fühle ich mich viel sicherer, nicht zuletzt, weil ich inzwischen das richtige Vokabular besitze, über Skullcrusher zu sprechen. Gleichzeitig habe ich auch das Gefühl, dass jetzt mehr Menschen begreifen, warum es Skullcrusher gibt, warum ich hier bin und diese Art von Musik mache.

GL.de: Anfangs magst du noch nicht gewusst haben, ob du deine Songs tatsächlich mit der Öffentlichkeit teilen würdest, inzwischen ist die Musik allerdings deine Hauptbeschäftigung, und damit sind die Chancen natürlich deutlich größer, dass deine Lieder veröffentlicht werden. Ändert das etwas?

Helen: Manchmal vielleicht. Allerdings entstehen viele meiner Songs immer noch aus kleinen Fragmenten, bei denen ich nie gedacht hätte, dass daraus etwas werden kann. In gewisser Weise ist das etwas, das ich mir erhalten will, weil dieser Arbeitsprozess für mich einfach gut funktioniert. Es gibt da einen Song, den ich gerade erst geschrieben habe. Im Februar ging es mir ziemlich mies, weil ich eine Menge persönlicher Sachen zu verarbeiten hatte, und mich ans Klavier zu setzen war das Einzige, was ich tun konnte, als es mir so schlecht ging. Das war eigentlich nicht mehr als Freewriting, aber vor einigen Tagen stieß ich dann auf einige iPhone-Textnotizen und spielte einfach mal den Klavierpart dazu. Mein Partner schlug dann noch einen Gitarrenpart vor und plötzlich war da… etwas. Der Kern des Liedes war aber nicht der Wunsch, einen Song zu schreiben, sondern nur das Bedürfnis, meine Beklemmungen zu lösen. Das war eines der Lieder, bei dem es sich eher wie Tagebuchschreiben angefühlt hat, es ging in erster Linie darum, dass ich mich besser fühlte. Gedanken wie "Dieser Song wird veröffentlicht werden, die Leute werden ihn hören" kommen zumeist erst später im Prozess hinzu. Der Kern des Liedes ist und bleibt sehr persönlich, aber wenn ich es dann aufnehme, denke ich stärker an das Publikum, und das kann Einfluss auf die Produktion haben. Wie man ein Lied produziert, ist allerdings zweitranging, solange der emotionale Kern intakt ist und es um echte Emotionen geht.

GL.de: In einem früheren Interview hast du gesagt, dass du rückblickend lieber Musik als Kunst studiert hättest, dich die Ausrichtung der Privatschule, die du 13 Jahre lang besucht hast, aber davon abgebracht hat. Doch wäre ein Musikstudium und das damit verbundene theoretische Wissen bei der freien Herangehensweise an die Musik, die du gerade beschrieben hast, nicht eher hinderlich?

Helen: Ich gebe dir recht - sobald du die Theorien und Formalitäten kennst, die sich hinter etwas verbergen, wird es viel schwer, per Zufall auf etwas zu stoßen, dabei ist das einer der schönsten Aspekte des Kreativseins. Ein bisschen Chaos, ein bisschen Verwirrung, weil du nicht wirklich weißt, was du da eigentlich tust, gehören einfach dazu. Ich höre eine Menge Musiker, die genau davon sprechen, zum Beispiel Skee Mask, der deutsche Techno-Produzent. In einem Interview hat er erklärt, dass er gerne mit Equipment arbeitet, mit dem er nicht sonderlich vertraut ist, weil er so auf etwas stoßen kann, was einzigartig ist. Die Schule, auf die ich gegangen bin, hatte genau die entgegengesetzte Geisteshaltung, und ich denke, das ist ziemlich weit verbreitet. Musik kam bei uns kaum vor, aber wenn es dort Musikunterricht gegeben hätte, dann wäre es bestimmt um Musiktheorie gegangen. Was dagegen vielmehr im Mittelpunkt stehen sollte, ist die Frage, was man tun muss, um kreativ zu sein, was man braucht, um Künstler zu sein, und dass das ein Lebensweg ist, den man einschlagen kann. Das hat man mir damals nicht beigebracht. Es war das Gegenteil. Es hieß immer: Wenn du was Kreatives machen willst, wirst du es immer schwer haben. Natürlich stimmt das bis zu einem gewissen Punkt, aber es kommt darauf an, was man aus seiner Situation macht.

GL.de: Nach deinem Kunststudium hast du zunächst in einer Galerie gearbeitet, bevor du dich der Musik zugewendet hast. Dass jemand einen stupiden Bürojob gegen eine künstlerische Tätigkeit in der Kreativwelt eintauschen möchte, leuchtet ein, du dagegen hast dir innerhalb der Kreativwelt einen neuen Job gesucht.

Helen: Meine Tätigkeit in der Galerie war nicht wirklich kreativ. Sie war Teil einer kreativen Welt, und genau das hatte mich ursprünglich angezogen. Ich wollte gerne etwas Kreatives machen, war aber zu ängstlich, das tatsächlich anzugehen. Deshalb bin ich zunächst in Jobs in der Kunst-Peripherie gelandet, aber so sehr ich es genossen habe, von Kunst umgeben zu sein und mit den Künstlern zu sprechen, aber mein Tagesgeschäft war eher, E-Mails zu versenden oder mit Klienten zu sprechen. Es waren vor allem Verwaltungstätigkeiten bis hin zum Verkauf, und das hat mich einfach überhaupt nicht interessiert.

GL.de: In einem Feature zu deiner Debüt-EP im vergangenen Jahr stand zu lesen, mit deiner Hinwendung zur Musik hättest du dich neu erfunden. Fühlte es sich damals wirklich so an, oder ist dir die Tragweite deiner Entscheidung erst in der Rückschau bewusst geworden?

Helen: Das ist schwer zu sagen. Allerdings ist es schon so, dass ich mir im Nachhinein zu allen Veränderungen in meinem Leben Gedanken mache und weiß, wie wichtig sie waren, aber in den Momenten, in denen sie geschehen, bin ich mir ihrer Bedeutung oft nicht bewusst. Je nachdem, aus welcher Perspektive man das betrachtet, würde ich allerdings schon sagen: Rückblickend fühlt es sich schon wie eine Neuerfindung an oder zumindest wie ein Moment, in dem mir meine Prioritäten schlagartig klar wurden und ich wusste, wie ich meine Zeit verbringen will. Das war selbstverständlich eine große Wendung. Im Moment selbst fühlte es sich dagegen vollkommen natürlich an.

GL.de: Gerade vor dem Hintergrund, dass es dir wichtig ist, natürlich und echt zu sein - wieviel Distanz liegt zwischen Helen, dem Menschen, und Skullcrusher, der Musikerin?
Skullcrusher
Helen (lacht): Nicht viel! Anfangs war es mir sehr wichtig, dass es eine Trennung gibt, ganz einfach, weil es furchteinflößend ist, dein inneres Ich zu Schau zu stellen. Wenn jemand sagte, dass er die Musik nicht mag, fühlte sich das mitunter an, als würde er sagen: "Ich mag DICH nicht", als würde jemand mein Tagebuch lesen und Einträge durchstreichen: "Das ist doch alles Blödsinn!" Doch so schwer es mir auch fällt, mein Innerstes in den Vordergrund zur rücken - inzwischen habe ich das Gefühl, dass es keinen anderen Weg gibt. In gewisser Weise habe ich durch den Namen Skullcrusher so etwas wie eine Rüstung. So persönlich meine Songs auch sind, zumindest erscheinen sie nicht unter meinem eigenen Namen. Das erzeugt ein klein wenig Distanz, aber im Großen und Ganzen gibt es… keine (lacht)!

GL.de: Auch auf "Storm In Summer" spannst du musikalisch wie auch textlich erneut einen beeindruckend weiten Bogen. Fällt es dir schwer, diese auf den ersten Blick oft unvereinbar scheinenden Inspirationen einzudampfen und in echte Skullcrusher-Momente zu übersetzen?

Helen: Manchmal fällt es mir schwer, in den Liedern all das zu vereinen, was ich liebe, aber am Ende des Tages lasse ich den Dingen einfach ihren natürlichen Lauf. Manchmal habe ich eine Phase, in der ich ausschließlich Bluegrass und Folk höre, und natürlich möchte ich dann, dass meine Songs auch so klingen. Aber wenn ich beginne, einen Song zu produzieren, und er entwickelt sich in eine andere Richtung, dann muss ich dem einfach folgen. Wenn ich versuche, einem Lied etwas aufzuzwängen, was ihm nicht entspricht, kann nichts Gutes dabei herauskommen. Das ist ein spannender Prozess. Meine erste EP hatte einen sehr spezifischen Sound, sie war sanfter, intimer, doch inzwischen passiert in meinen Songs produktionstechnisch einfach mehr. Ich möchte es mir erlauben, Songs zu haben, die unterschiedlich klingen, und hoffentlich kann sich das Publikum damit arrangieren. Ich möchte, dass es in den Songs durchscheint, dass ich all diese verschiedenen Einflüsse habe. Wenn das zur Folge hat, dass meine Lieder jetzt anders klingen als meine ersten, dann ist das in Ordnung. Letztlich ist es das Songwriting, was alles zusammenhält.

GL.de: In der Tat sind die klanglichen Vorbilder auf der neuen EP deutlich weniger eindeutig als noch auf deinem Debüt im vergangenen Jahr.

Helen: Ja! Ich denke, das ist etwas, das viele Künstler im Rückblick feststellen. Nimm nur mal die Beatles. Ihre ersten Platten sind toll, aber mit der Zeit haben sie ein besseres Gespür dafür entwickelt, was die Songs allein zu ihren macht. Das Songwriting wurde einfach viel eigenständiger. Ich denke, das ist vollkommen normal. Wenn man anfängt, orientiert man sich stärker an den Dingen, die man mag. In letzter Zeit aber habe ich in der Tat festgestellt, dass ich mich stärker selbst entfalte, und ich bin gespannt, wo mich das auf meinem Weg als Songwriterin noch hinführen wird, während ich weiter dazulerne.

GL.de: Mit "Song For Nick Drake" widmest du auf der neuen EP dann aber doch einer besonders wichtigen Inspiration ein Lied.

Helen: Der Song handelt davon, was es bedeutet, Musiker zu sein, aber auch, was es heißt, Zuhörer zu sein, jemand, dem Musik wirklich viel bedeutet. Jetzt, da ich gewissermaßen die Seite gewechselt habe und sich Menschen, die ich vielleicht nie persönlich kennenlernen werde, mit meinen Liedern auf eine Art und Weise auseinandersetzen, die mir verborgen bleibt, aber vielleicht sehr bedeutsam für sie ist, interessiert mich diese Dynamik ganz besonders. Denn genau so ist es mir mit Nick Drake gegangen - und natürlich auch mit ganz vielen anderen Künstlern. Als ich den Song schrieb, dachte ich zurück an eine Zeit, in der ich wirklich in Nicks Musik und in sein Leben eingetaucht bin und mich ihm dabei sehr verbunden gefühlt habe. Die Erfahrung, sich jemandem nah zu fühlen, ohne irgendeine physische Beziehung zu dieser Person zu haben - ich war ja noch nicht einmal zur gleichen Zeit auf der Welt wie Nick, denn er ist ja bereits in den 70ern gestorben -, dieses Gefühl, dass du allein durch die Musik mit jemandem verbunden bist, finde ich sehr spannend.

GL.de: Bislang hast du zwei EPs und eine Single veröffentlicht, und das bisweilen ausschließlich digital. Auch wenn das bis zu einem gewissen Punkt den Umständen der Pandemie geschuldet ist: Gehörst du zu der Generation von Künstlern, die nicht mehr in Album-Dimensionen denken?
Skullcrusher
Helen: Nein. Letzten Sommer dachte ich eigentlich, dass ich ein Album in Angriff nehme, und erst später haben sich die Pläne geändert. Die meisten Songs der neuen EP sind deshalb Lieder, die ich mir als Teil eines Albums ausgemalt hatte. In gewisser Weise wurde daraus eine kleine Version eines Albums, das immer noch voll ausgeformt ist und einen roten Faden besitzt und deshalb mehr ist als nur eine Sammlung von Singles. Ich freue mich aber dennoch wirklich darauf, ein ganzes Album machen zu können, denn ich denke, das Format wird mir die Chance geben, mir selbst alles abzuverlangen und mehr zu experimentieren. Meine Lieblingsmomente auf Alben sind in der Regel die kleinen Brückensongs, die kurzen Instrumentals, die auf einer EP einfach keinen Platz finden würden. Ich denke, eine LP wird mir einfach viel mehr Möglichkeiten geben.

GL.de: Wenn du künstlerisch tätig bist, greifst du dabei stets auf Unterstützung aus deinem engsten Umfeld zurück. War das von Beginn an eine bewusste Entscheidung?

Helen: Das war etwas, das zunächst einfach passierte, später habe ich das dann aber bewusst weiterverfolgt, weil ich schnell begriff, wie gut das für mich funktionierte. Musik mit Noah zu machen oder mich von Silken fotografieren zu lassen - das fühlte sich genauso an, wie es sein sollte. Ich mag es, mit Menschen zu arbeiten, die mich wirklich gut kennen, in deren Gegenwart ich mich wohlfühle und mit denen ich meine Erfahrungen teilen möchte. Ich bin davon überzeugt, dass das letztlich zu besseren Ergebnissen führt. Das heißt nicht, dass ich nicht für die Zusammenarbeit mit anderen offen bin. "Song For Nick Drake" entstand zusammen mit Sam Davies, und mit ihm zusammenzuarbeiten war großartig! Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich mich auf meine Freunde in einer Art und Weise verlassen kann, die wirklich wichtig für das Projekt ist. Ich kann Silken anrufen und sagen: "Ich muss morgen ein Video fertig haben und ich komme einfach nicht weiter." Wenn wir dann zusammen über die Ideen sprechen, weiß sie stets sofort, worum es mir geht, und plötzlich ergibt sich alles von selbst. Ich habe nie das Gefühl, dass jemand für mich arbeitet, es ist überhaupt kein Tauschgeschäft. Alle sind gerne dabei, und das zu wissen, ist sehr hilfreich.

GL.de: Bedeutet das auch, dass es dir leichtfällt, Verantwortung abzugeben? Das ist ja etwas, mit dem sich gerade junge Künstler zu Beginn ihrer Karriere oft etwas schwertun.

Helen: Nun ja, mit dem Gefühl, anfangs mit niemandem zusammenarbeiten zu wollen, kann ich mich schon gut identifizieren. Du möchtest dich erst einmal etablieren und sicher sein, dass die Leute wissen, was du tust, bevor du andere hinzuziehst und ihnen Entscheidungen überlässt, die dich vielleicht in eine Richtung schubsen, die dir selbst gar nicht recht ist. Ich würde schon sagen, dass es mir wichtig ist, die Kontrolle über das Projekt zu haben. Zumindest möchte ich die Chance haben, in puncto Ideen Regie führen zu können und mir dann Unterstützung für die Umsetzung ins Boot holen zu können. Im Moment fällt mir die Arbeit mit meinen Freunden am leichtesten. Wie das später aussieht, wird sich zeigen.

GL.de: Am Ende noch kurz ein Wort zur Pandemie. Natürlich hatte das Ganze gerade für dich als Newcomerin gravierende Folgen, trotzdem sei die Frage erlaubt: War es nur ein Fluch oder in mancher Hinsicht auch ein versteckter Segen?

Helen: Ich denke, es war in jedem Fall ein versteckter Segen, obwohl ich mit Skullcrusher gerade so richtig loslegen wollte, als uns die Pandemie traf. In den ersten Monaten, als alles runtergefahren wurde, fühlte ich mich ziemlich überwältigt, zumal ich trotzdem noch eine Menge Arbeit vor mir hatte, die ich plötzlich von zu Hause erledigen musste. Gleichzeitig hatte ich so auch eine Menge unerwarteten Freiraum, was mir die Gelegenheit gegeben hat, mir tiefergreifende Gedanken über das Projekt zu machen. Das hat mir eine Menge Sicherheit und Selbstvertrauen gegeben und außerdem dazu geführt, dass ich jetzt ein viel besseres Verständnis für bestimmte Aspekte des Projekts habe. Das hätte mir sicherlich gefehlt, wenn ich letztes Jahr begonnen hätte, auf Tournee zu gehen, und so viel Neues auf mich eingestürzt wäre und mich überwältigt hätte.

GL.de: Letzte Frage: Was macht dich derzeit besonders glücklich?

Helen: Ich denke, es ist immer noch das Songwriting, die Momente, die ich ganz für mich habe, wenn ich allein bin, nur mit der Gitarre oder dem Klavier, und mir keine Gedanken darum mache, was aus dem Lied werden wird oder ob andere Menschen es je hören werden: Das vertraute Gefühl des Alleinseins, wenn ich die Dinge einfach geschehen lasse. Das sind die Momente, in denen ich mich am wohlsten fühle. Außerdem liebe ich es, meine Songs mit Noah zu spielen!
Weitere Infos:
www.skullcrusher.online
www.facebook.com/SkullcrusherLA
www.instagram.com/skullcrusher.online
imskullcrusher.bandcamp.com
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Silken Weinberg-
Skullcrusher
Aktueller Tonträger:
Storm In Summer EP
(Secretly Canadian/Cargo)
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