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KARANOON
 
Soundlandschaften zum Reinsetzen
Karanoon
"Lesson Learned", das vor Kurzem veröffentlichte, neue Album der nun in Essen residierenden Songwriterin, Gitarristin, Bassistin und Musiklehrerin Sophie Chassée ist sozusagen noch warm - da steht bereits das nächste Projekt in den Startlöchern: Zusammen mit ihren Freundinnen - Sängerin und Keyboarderin Marlene, Bassistin Hanna und Drummerin Monti - veröffentlicht Sophie (zunächst digital) nun die Debüt-EP "Nourish My Mood" ihres gemeinsamen Bandprojektes Karanoon. Während Sophie bei ihren Solo-Arbeiten sich aber vorwiegend in einem virtuos ausgelebten akustischen Umfeld bewegt und dabei Blues, Folk und Jazz-Elemente in eleganten Storyteller-Songs mit Westcoast-Flair zusammenführt, geht es bei Karanoon um einen soulig groovenden, poppig-jazzigen - aber vor allen Dingen elektrisch geprägten - fülligen Band-Sound.
Als erstes interessiert natürlich, was der Bandname Karanoon denn wohl zu bedeuten haben könnte. "Das ist eine lustige Geschichte", erklärt Sophie, die sich bereiterklärt hat, auch in Vertretung ihrer Kolleginnen als Sprachrohr der Band Auskunft zu geben, "2018 haben wir im Sommer im Garten der Hundemama, auf die unsere Drummerin Monti im Rahmen eines Mini-Jobs als Hundesitterin aufgepasst hat, beim Grillen und Weinchen gesessen. In dieser Phase fing das erst richtig an mit der Band und haben uns überlegt, wie wir uns nennen wollten. Wir waren uns einig, dass wir einen Phantasienamen haben wollten und haben uns überlegt, was da schön klingen könnte. Der Hund, um den es ging, hieß Kara - und irgendwann sagte unsere Bassistin Kara: 'Was wäre denn mit Karanoon?'. Da haben wir zunächst geschmunzelt - uns dann aber überlegt, dass das mit den zwei 'a' und den zwei 'o' recht schlüssig sei und sich cool anhörte - und der Hund war ja auch süß." Warum braucht Sophie eigentlich noch ein Standbein? Denn die Liste von Tätigkeiten, die die umtriebige Musikerin ausübt oder ausübte - von der Musiklehrerin bis hin zur gewesenen Zupfinstrumenten-Bauerin -, birgt doch eigentlich schon genug Standbeine. "Es gibt für mich keinen Plan B in Bezug auf die Musik", gesteht Sophie, "ich habe die Ausbildung als Zupfinstrumenten-Bauerin bis 2016 gemacht und auch nicht ganz zu Ende geführt - kann aber alles noch selber reparieren und das mache ich während der Corona-Zeit sehr intensiv, um so ein bisschen Geld zu generieren. Aber seit 2018 lebe ich halt von der Musik und mache das jetzt auch hauptberuflich." Und da muss man sich dann eben breit aufstellen, wenn man von der Musik leben will - und das ja nicht nur in Corona-Zeiten.

Musik, wie sie Karanoon machen - mit all diesen Referenzen zu R'n'B, Soul und Jazz und einem dezidiert internationalem Flair und Anspruch - wird ja in Deutschland eigentlich weniger gemacht. Woran haben sich die Mädels denn dann musikalisch orientiert? Vermutlich ja an amerikanischen Vorbildern, oder? "Ja - schon auf jeden Fall auch amerikanisch", zögert Sophie, "hauptsächlich haben wir uns aber an neuen Soul- und R'n'B-Strömungen aus der Londoner Szene orientiert. Da gibt es eine alternative Jazz-Szene, in der Acts wie Tom Misch oder Mahalia tätig sind, die uns sehr gut gefällt." Ein Punkt, der den Musikerinnen von Karanoon wichtig ist, ist der Wunsch, sie bitte nicht als Girl- oder Frauenband zu titulieren. Was ist daran so verwerflich? "Das entstammt aus für uns komischen Situationen heraus", meint Sophie, "unseren allerersten Gig hatten wir zum Beispiel 2019 in Mönchengladbach und da gab es eine Konzertankündigung in der Zeitung, in der wir als 'neue Girlband' angekündigt wurden. Das fanden wir ganz furchtbar, weil wir mit diesem Begriff so etwas wie die Spice Girls verbinden - und das ist natürlich nicht das Image, was wir vermitteln wollen. Und zusätzlich war es oft so, dass wir irgendwo gespielt haben und das Feedback eigentlich ganz positiv war - aber in den Pausen auffällig viele Männer zu uns kamen und sagten, dass wir für eine Frauenband ja eigentlich gar nicht so schlecht seien. Das war dann eigentlich immer ein Thema für uns. Und irgendwann haben wir uns gesagt, dass uns das so auf den Keks geht, dass man sich als Frau immer wieder dafür rechtfertigen muss, dass man sein Instrument richtig spielen kann, dass wir die Schnauze voll davon haben." Das ist ja verständlich. Andererseits ist der Umstand, dass in Karanoon nur Frauen tätig sind, aber dennoch von Bedeutung, da sich das auch musikalisch auszuwirken scheint. Im Vergleich etwa mit "Boybands", die auf dem von Karanoon ausgesuchten Sektor tätig sind, ist die Musik von Karanoon weniger stachelig, weniger auf technische Virtuosität und weniger auf Druck ausgerichtet. Da muss nichts krachen, scheppern, funky knallen oder im Ego-Trip versacken. Stattdessen gibt es einen schlüssigen Flow und vor allen Dingen konkret ausformulierte Songs. "Ja - da kann ich auch deinen Punkt verstehen", meint Sophie, "auch weil wir uns das zu Nutze machen und das ja auch ein Alleinstellungsmerkmal ist. Sei es auch für Bewerbungen für Bandcamps oder so. Wir sind diesbezüglich auch - glaube ich - zeitgemäß in der richtigen Strömung gelandet. Aber es geht darum, diese Imagewirkung vermeiden."
Karanoon
Mal anders gefragt: Was ist denn das gemeinsame Ziel, auf das sich die Karanoon-Musikerinnen konzeptionell beziehen? "Gute Frage", überlegt Sophie, "in erster Linie wollen wir als Bandkonstellation wirken und nicht dieses Frontfrau mit Band-Gefüge haben. Vom Sound her soll das so sein in der Art, wie du es beschrieben hast. Also nicht dieses Gefrickel und dieses Show-Off oder dieses Knallen, sondern dass alles einen schönen, warmen Sound hat, der ein bisschen schwebt und in den man sich wie in einer Soundlandschaft reinsetzen können soll." Dafür gibt es ja auch ein konkretes Beispiel - nämlich den Song "Underwater". Irgendwie haben es Karanoon (und Produzent Tomo Xanke) nämlich hinbekommen, dass sich der Song tatsächlich so anhört, als sei er unter Wasser aufgenommen worden. Was ist denn die Herausforderung dabei, in diesem Genre zu arbeiten? "Ich glaube die größte Herausforderung für uns war immer, nicht zu Deutsch klingen zu wollen - auch wenn sich das jetzt ein bisschen platt anhört", führt Sophie aus, "es ging eben nicht darum zu klingen wie eine Garagenband, die sich vorgenommen hat, Soul mit englischen Texten zu machen, sondern wir wollten dieses internationale Flair und dass man auch die Einflüsse aus der Londoner Strömung heraushören kann. Das ist auch insofern eine Herausforderung, als dass wir vier weiße Frauen sind und vielleicht nicht denselben kulturellen Background wie jemand mit afrikanischem Hintergrund haben können, der da vielleicht noch mal ein ganz anderes Feeling hat. Das ist einfach ein Fakt. Und da sind wir diesbezüglich auch schon mal angeeckt. Wir sind dahingehend kritisiert worden, dass es ja schon irgendwie komisch sei, dass wir uns als vier weiße Frauen da hinstellen und uns dann dieser uns fremden Kultur bedienen." Na ja: Ray Charles hat ja schon gesagt, dass Weiße keinen Blues singen könnten - woraufhin Elvis Costello dann meinte, dass Charles wohl zu blind sei, das sehen zu können (worüber Mitch Ryder dann einen Song machte). Das führ vielleicht zu weit - zeigt aber, dass das natürlich schon ein Punkt ist, der beachtet werden muss.

Der lebhafte Sound der EP rührt unter anderem daher, dass Karanoon die Songs als One-Track-Mitschnitte live im Studio eingespielt haben. Produziert hat das Album dabei Timo Xanke aus Osnabrück. Hilft das denn, jemanden von außen dabei zu haben, der dann noch mal alles aus einem anderen Blickwinkel betrachtet (bzw. mit einem anderen Ohr hinhört)? "Auf jeden Fall", bestätigt Sophie, "der hatte dann auch coole Idee, wie zum Beispiel für 'Underwater'. Das Coole war, dass wir ihm einfach sagen konnten, dass wir dieses und jenes haben möchten und er hat dann die technische Umsetzung übernommen. Er hat aber auch Vorschläge gemacht. Zum Beispiel hat er vorgeschlagen, einen Song mal atmen zu lassen, ohne dann noch zusätzliche Effekte daraufzupacken. Das war eine gute Mischung für uns." Das Album wurde ja dann auch extern abgemischt. Das ist notwendig, weil man ansonsten leicht "betriebstaub" werden kann, oder? "Ja, auf jeden Fall", meint Sophie, "wenn die Drummerin zum Beispiel sagt, dass ihr die Snare-Drum zu leise ist und sie lauter haben will und dir dann alles reinknallt, dass man die Backing-Vocals nicht mehr hören kann, dann ist es ganz gut, jemand von außerhalb mit an Bord zu haben."
Obwohl die EP im Zeitraum des Pandemie-Lockdowns entstand, ist es natürlich kein klassisches Quarantine-Projekt. Stattdessen nutzen Marlene, Sophie, Hanna und Monti die erzwungene Auszeit sogar dazu, über Zoom und andere digitale Hilfsmittel weiter an neuen Songs zu arbeiten. Eine zweite EP ist schon fest im Blick (auch weil eine Ergänzung der ersten EP auf LP-Länge aufgrund der Aufnahmesituation vielleicht nicht so sinnvoll wäre) und bis es wieder möglich sein wird, echte Live-Konzerte zu veranstalten, halten sich auch Karanoon mit Streaming-Sessions über Wasser - wie z.B. die über dringeblieben.de verbreitete Session aus dem Hamburger Häkken-Club von Ende März. Und an neuen Videos arbeiten Karanoon auch gerade, um - wie Sophie sagt - die "digitale Sichtbarkeit" erhöhen zu können. Langweilig wird es Karanoon also so schnell nicht werden...
Weitere Infos:
www.karanoon.com
www.facebook.com/karanoonmusic
www.instagram.com/karanoonmusic
www.youtube.com/watch?v=i67BJiwU8VI
dringeblieben.de/videos/what-the-hakk-mit-karanoon
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Karanoon
Aktueller Tonträger:
Nourish My Mood


 
 

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