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FOX AND BONES
 
Der neue amerikanische Traum
Fox and Bones
Fox And Bones haben sich ihren Erfolg auf die altmodische Art erspielt. Mehr als 500 Konzerte hat das charmante Duo aus Portland, Oregon, mit seinen betont persönlich gefärbten Modern-Vintage-Songs im Dunstkreis von Folk und Pop in den letzten fünf Jahren auf beiden Seiten des Atlantiks bestritten und sich dabei in mühseliger, aber letztlich lohnender Kleinstarbeit eine beständig wachsende Fangemeinde aufgebaut - bis es im vergangenen Frühjahr von der COVID-19-Pandemie ausgebremst wurde. Trotzdem bewerten Sarah Vitort und Scott Gilmore, die an anderer Stelle bereits als "ansteckend optimistisch" beschrieben worden sind, ihre derzeitige Situation durchaus positiv. Schließlich hat sich die harte Arbeit für sie inzwischen ausgezahlt, der Traum von einer Vollzeit-Karriere als Musiker ist für sie in Erfüllung gegangen. Jetzt erscheint ihr drittes Album, "American Alchemy".
Mit ihrer neuen LP betreten Fox And Bones gewissermaßen Neuland. Hatten die zwei, die auch abseits der Bühne ein Paar sind, auf ihrem Debüt "The Remarkable Adventures Of Fox And Bones" vor allem ihre eigene Liebesgeschichte und auf dem Nachfolger "Better Land" ihre gemeinsamen Tourneeerlebnisse vertont, machen sie nun textlich einen Satz nach vorn und schauen über den berühmten Tellerrand, wenn sie ihre Themen im gesellschaftlichen Umbruch in ihrem Heimatland ("A Changing Of The Guard") oder in persönlichen Tragödien in ihrem Umfeld ("Brandon's Song") finden. Auch musikalisch richten sich Fox And Bones neu aus: An die Stelle eines ganz auf die Protagonisten zugeschnittenen Sounds mit Folk-Flair tritt nun wieder ein oft spürbar wuchtigerer, merklich dynamischerer Bandsound, bei dem Rock kein böses Wort ist. Kurz vor der Veröffentlichung nahm sich Sarah Zeit für unsere Fragen, versicherte uns aber, dass auch Scott ihre Antworten gutgeheißen hat...
Fox and Bones
GL.de: Sarah, wo erwischen wir dich gerade?

Sarah: Ich sitze in Wohlfühlklamotten im Bett, beantworte E-Mails und relaxe. Das war für den Großteil des vergangenen Jahres unser Vibe!
GL.de: In deiner Antwort klingt es schon an. Die Pandemie hat eure Pläne in den letzten Monaten komplett torpediert. Auch wenn wir euch in der Vergangenheit als Menschen kennengelernt haben, die stets das Beste selbst aus widrigen Umständen machen - wie hat sich die Situation für euch dargestellt?

Sarah: Als die Pandemie zuschlug, waren gerade drei Wochen einer viermonatigen Tournee um, die uns durch die gesamte USA hätte führen sollen. Wir hatten auch zwei Europatourneen bereits gebucht und eine große Albumveröffentlichung geplant. Natürlich ist all das ins Wasser gefallen, und weil die Konzerteinahmen unser Haupteinkommen sind, mussten wir kreativ werden, um unsere Karriere als Musiker durch die Pandemie zu retten. Wir haben angefangen, Streaming-Konzerte zu geben und dann auch "Driveway Concerts" angeboten, bei denen Menschen uns buchen konnten, in ihrer Auffahrt oder auf der Straße in ihrer Nachbarschaft aufzutreten, bei denen die Zuschauer aus sicherer Entfernung in ihrem eigenen Vorgarten zuhören konnten, anstatt dichtgedrängt in einer Veranstaltungslocation zusammenkommen zu müssen. Das war ein voller Erfolg, funktionierte ob des Wetters aber natürlich nur im Sommer, deshalb haben wir anschließend noch "Our Custom Song" eingeführt, bei dem uns Leute beauftragen, für sie oder jemand anders einen maßgeschneiderten neuen Song zu schreiben und aufzunehmen. Das war ungemein bereichernd, dass das für viele ein Geschenk wie kein anderes ist. Das Schöne an den Driveway Concerts und den Custom Songs ist, dass wir das auch nach Ende der Pandemie fortsetzen können, weil es so neuartig ist und Spaß macht!

GL.de: Wie seid ihr eigentlich auf die Idee mit den Driveway Concerts gekommen?

Sarah: Wir haben die Pandemie bei meinen Eltern verbracht. Ihre Nachbarn sind alle Fans von uns, weil sie zu den Hauskonzerten gekommen sind, die meine Eltern über die Jahre veranstaltet haben. Meine Mutter schlug uns dann irgendwann vor, unser Zeug doch in der Auffahrt aufzubauen und auf diesem Wege für die Nachbarn zu spielen, sodass sie Livemusik hören könnten, ohne dabei die Abstandsregeln verletzen zu müssen. Die Premiere war so erfolgreich, dass wir das Angebot auf Fans in der Region ausgeweitet haben, und letztlich sind wir damit sogar auf der Titelseite der Lokalzeitung gelandet!

GL.de: Trotz all der negativen Effekte - hatte die Pandemie auch etwas Positives für euch?

Sarah: Das Positivste war sicherlich die Gelegenheit, mal Pause zu machen und uns bewusst zu werden, wie nötig wir eine Auszeit hatten. Zuvor sind wir ohne Rücksicht auf Verluste ständig unterwegs gewesen. Das hat uns ganz schön zugesetzt, aber wir wussten keinen anderen Weg, unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Pandemie hat uns die Chance gegeben, es langsamer angehen zu lassen, uns neu zu ordnen und uns auf unsere Kreativität zu fokussieren. Das ist uns inzwischen so wichtig, dass wir versuchen werden, in Zukunft unsere Tourneen smarter zu gestalten und mehr Zeit für Erholung einzuplanen.

GL.de: Mit der neuen Platte macht ihr einen ordentlichen Satz nach vorn. Auch wenn eure Arrangements über die Jahre stetig gewachsen sind, setzt ihr euch gerade in der ersten Hälfte des Albums mit einem volleren Bandsound spürbar von euren Duo-Anfängen ab. War das von Beginn an geplant oder sind eure Ambitionen mit der Zeit größer geworden?

Sarah: Ich denke, es ist ein bisschen von beidem! Als wir 2016 zusammengekommen sind, spielten wir beide in Rockbands und Fox And Bones startete als kleines Folk-Sideproject, bei dem wir mal etwas andere Songs schreiben konnten. Mit der Zeit sind Fox And Bones aber unseren anderen Bands entwachsen, und schon früh hatte ich das Gefühl, dass wir uns unseren Rockwurzeln nicht lange würden verschließen können. Ich bin unglaublich stolz auf das neue Album, denn es hat den Sound, den ich mir insgeheim schon immer für Fox And Bones gewünscht habe. Jetzt haben wir sowohl Folk- als auch Rock-Elemente und ich denke, das wird zur Langlebigkeit des Projekts beitragen, da wir nun beim Songwriting viel mehr mit Dynamik arbeiten können.

GL.de: Was genau hat sich denn beim Songschreiben verändert, wissend, dass ihr die Lieder mit kompletter Band aufnehmen könnt?

Sarah: Ich denke, für mich war der größte Unterschied, dass ich mehr energiegeladene Songs geschrieben habe. In der Vergangenheit habe ich das vermieden, denn Lieder mit ordentlich Energie zu schreiben und sie dann nur auf der Akustikgitarre zu spielen, fühlte sich nicht richtig an. Jetzt bin ich viel offener dafür, denn ich weiß, wenn ich mit einem energiegeladenen Song zur Band komme, wird sie ihn so klingen lassen, wie ich mir das vorstelle.

GL.de: Schon bei eurem letzten Album seid ihr sehr glücklich über den Input von außen gewesen. Haben eure Mitstreiter auch dieses Mal im Kleinen wie im Großen den Unterschied gemacht?

Sarah: Absolut. Dieses Mal hatten wir ein Produktionsteam, das zusammen an den Songs gearbeitet hat, einen Produzenten, einen Bassisten, einen Schlagzeuger und einen Gitarristen. Für jeden Song waren wir alle sechs zusammen im Studio, um Ideen auszutauschen und zu entscheiden, was für den Song am besten funktioniert. Dass wir umgeben von kreativen, talentierten Leuten waren, hat die neuen Songs definitiv in Richtungen gedrängt, in die wir uns allein nicht bewegt hätten. Ein Beispiel ist "A Changing Of The Guard" - Scotts Gitarrenriff hat sich im Studio sehr verändert. Anfangs waren wir davon nicht begeistert, weil es leichter ist, sich an die eigenen Ideen zu klammern, aber nach einer Weile stellten wir fest, dass die neue Richtung für den Track viel besser war. Ohne den kreativen Mut unseres Teams wären wir nicht dorthin gekommen!

GL.de: Entstanden ist dabei ein Album, das trotz der ausgiebigen Gastspielreisen durch Europa, die der Produktion vorausgingen, stärker typisch amerikanisch klingt als die Vorgänger. Gibt es dafür einen Grund?

Sarah: Das ist nicht mit Absicht passiert, abgesehen davon, dass wir mit diesem Album unseren größten Inspirationen nacheifern, die allesamt Amerikaner sind, wie etwa Nathaniel Rateliff, Lake Street Dive, Delta Rae oder Dawes. All diese Künstler haben dieses Roots-Revival-Feeling, das nun mal typisch amerikanisch ist. Abgesehen davon berühren wir in unseren Texten viele Themen, die zwar global, aber in unserer eigenen Kultur gerade sehr aktuell sind.

GL.de: Amerika kommt ja sogar im Albumtitel vor. Warum habt ihr euch für "American Alchemy" entschieden?
Fox and Bones
Sarah: Es ist uns unglaublich schwergefallen, einen Titel für die Platte zu finden. Wir hatten eine lange List mit Vorschlägen, die über Monate zusammengekommen waren, aber wir konnten uns auf keinen einigen, den wir beide mochten. Als wir dann der Liste den Titel "American Alchemy" hinzufügten, fühlte sich das einfach richtig an. Ausgewählt haben wir den Titel aus verschiedenen Gründen: Auf gewisse Weise hat unsere Geschichte alchemistische Züge im Sinne Paulo Coelhos - unsere gemeinsame Reise hatte viele Drehungen und Wendungen, sie ist das Resultat all der Zeit, Arbeit und Träumerei, die wir jahrelang investiert haben. Wir haben Musik stets als Form der Manifestation benutzt - wir schreiben uns das Leben, das wir anstreben, herbei - und für diese Platte ist das besonders wahr. Gleichzeitig ist der Titel auch eine Anspielung auf den amerikanischen Traum, denn die ursprüngliche Idee dahinter existiert nicht mehr. Stattdessen erschaffen wir uns unsere Realitäten auf neue, spirituellere Weise, die greifbarer ist als nur ein Traum - es ist Alchemie!

GL.de: Es scheint mir, dass sich auf der neuen Platte zusammen mit dem Sound auch die Perspektive der Texte geändert hat. Das Erzählen eurer eigenen Geschichte rückt in den Hintergrund, die Themen sind jetzt deutlich breiter gestreut. Ist das vor allem eine Reaktion auf das soziale und politische Klima in den USA (und anderswo)?

Sarah: Auf jeden Fall! Außerdem haben wir uns als Künstler entwickelt. Wenn man lange Zeit Songs schreibt, erkennt man irgendwann, dass man nicht ewig über die Liebe und sein Leben schreiben kann. Es war uns wichtig, auf diesem Album nicht nur Geschichten zu erzählen, sondern Botschaften zu senden, die wir für wichtig halten, um so durch die Musik Veränderungen anzustoßen. Das heißt nicht, dass wir in Zukunft nie mehr auf das Geschichtenerzählen und unsere persönlichen Erfahrungen zurückkommen werden, aber angesichts der turbulenten Zeit, in der wir leben, schein klar zu sein, welches derzeit die richtige Richtung für unsere Musik ist!

GL.de: Wir trauen uns ob der derzeitigen Umstände ja kaum zu fragen, aber: Habt ihr Hoffnungen, Träume und Erwartungen für die nähere Zukunft?

Sarah: Wir haben definitiv viele Pläne für unsere Karriere, die wir hoffentlich im nächsten Jahr umsetzen werden! Das Wichtigste ist, einen guten US-Booking-Agent zu finden und hoffentlich bald als Support für einen großen Act in unserem Genre unterwegs sein zu können! Wir träumen auch davon, ein Grundstück zu kaufen und einen gemeinsamen Lebensraum für unsere Freunde zu schaffen, damit wir uns zurückziehen können, wenn wir nicht auf Tour sind.

GL.de: Zum Schluss: Was macht euch momentan als Musiker besonders glücklich?

Sarah: Ich habe angefangen, Klavierspielen zu lernen, und meine Liebe zur Musik ist nun größer denn je. Ich habe die meiste Zeit meines Lebens Gitarre gespielt, mich aber mit dem Instrument nie wirklich verbunden gefühlt. Beim Klavier ist das nun anders. Ich habe auch einen Tanzstil namens Shuffling gelernt, der mir ein ganz neues Musikgenre eröffnet hat und mir die Möglichkeit gegeben hat, meinen Körper zu Musik zu bewegen, was meine Seele dringend braucht. Scott hat seine Zeit damit verbracht, sich in Sachen Kryptowährung schlau zu machen und Gitarre zu spielen, außerdem hat er vor Kurzem mit dem Boxen angefangen!
Weitere Infos:
foxandbones.com
www.facebook.com/FoxandBones
twitter.com/foxandbones
www.instagram.com/foxandbones
foxandbones.bandcamp.com
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Amandala Photography-
Fox and Bones
Aktueller Tonträger:
American Alchemy
(Dutch Records)
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