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INDIGO SPARKE
 
Das Echo der Welt
Indigo Sparke
In Zeiten wie diesen können ein wenig Hippie-Flair, ein wenig Mystik und Magie und ein wenig melancholische Gelassenheit - etwa als Gegenmittel für den alltäglichen Hektik-Overkill - ja nun wirklich nicht schaden. Und da wären wir bei Indigo Sparke nun wirklich an der richtigen Adresse. Die junge Dame aus Sydney wurde sozusagen bereits von ihren Eltern diesbezüglich geprägt - zum Beispiel indem diese sie nach dem Duke Ellington-Song "Mood Indigo" benannten. In ihrer Jugend fühlte sich Indigo zwar von Joni Mitchell und Neil Young inspiriert, entschied sich aber zunächst, sich als Schauspielerin zu versuchen, bevor sie dann 2016 eine erste Songsammlung mit ätherischen Indie-Folkpop-Songs unter dem Titel "Nightbloom" veröffentlichte. So richtig in Fahrt kam ihre Laufbahn als Songwriterin aber erst, als sie 2017/2018 auf dem australischen Tourabschnitt als Support für Big Thief (der Band ihrer Partnerin Adrienne Lenker, die sie seither auch musikalisch unterstützte) einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde. Im Anschluss daran empfahl sie sich mit einem Showcase beim SXSW-Festival 2019 auch dem amerikanischen Publikum und verbringt seither einen Großteil ihrer Zeit auch in den USA - wo letztlich die Songs zu ihrem nun vorliegenden Debüt-Album "Echo" entstanden.
Eine Pandemie-Scheibe ist "Echo" dann aber nicht geworden, oder? "Nein - ich habe die Songs alle bereits 2019 aufgenommen", berichtet Indigo, "2020 habe ich auch noch ein Tiny Desk-Konzert mit Adrienne Lenker gespielt und wir wollten uns gerade auf die anstehende Big Thief-Tour in Australien und Neuseeland vorbereiten, als die Pandemie dann gerade begann." Was hat Indigo gemacht, bevor sie die Songs für "Echo" aufnahm - zum Beispiel vor der "Nightbloom-EP" oder in der Zeit danach? "Ehrlich gesagt, habe ich mit der Schauspielerei schon drei Jahre bevor ich mich an 'Nightbloom' machte, angefangen", erzählt sie, "nachdem ich meine Ausbildung an der Schauspielschule abgeschlossen hatte und kurz als Schauspielerin tätig war, konnte ich mich mehr um meine Musik kümmern. Ich bin in einen kleinen Ort im Norden Australiens gezogen und dort dann angefangen, die Songs zu schreiben, die ich auf 'Nightbloom' zusammengefasst habe. Dann gab es eine Phase von etwa vier oder fünf Jahren, in der ich viel zwischen den USA, Australien und Bali herumgereist bin - wo ich dann auch lebte. Ich bin also viel herumgereist und hatte schon ein paar Songs für 'Echo', als ich dann die Aufnahmeprozedur begann." Woher kommen dann die düsteren Untertöne in Indigos Songs? Hing das mit der generellen Stimmung zusammen, in der sich Indigo befand, als sie die betreffenden Songs über Tod und Verlust schrieb? "Ich denke, ich bin immer in dieser generellen Stimmung", schmunzelt sie, "über so etwas denke ich ständig nach. Speziell in diesen Zeiten ist es ja fast schon unmöglich, nicht mit solchen Themen konfrontiert zu werden und darüber nachzudenken. Wir leben ja in einer Gesellschaft, die immer mehr zerfällt und sich auflöst. Aber ganz konkret habe ich vermutlich über Beziehungen und deren sterbende und endende und sich verändernde Formen nachgedacht. Ich glaube auch, dass ich über all die verschiedenen Teile oder Versionen meiner selbst - sterbende oder neu geborene und ins Leben tretende - resümierte. Ich glaube nämlich, dass wir alle Kreise unserer selbst in uns tragen. Kurz gesagt glaube ich nicht, dass das etwas Besonderes für mich darstellte, weil ich mich ständig mit solchen Gedankengängen beschäftige." Was war der Grund das Album "Echo" zu nennen? "Sich durch eine Wüstenlandschaft der USA zu bewegen war ein großes Ding für mich", überlegt Indigo, "und da befindet man sich ständig im Echo des Windes. Man hört auch das Echo von heulenden Kojoten quer durch das Tal - weil es da auch viele Canyons gibt. Das ist dann die buchstabengetreue Bedeutung - dann gab es aber auch noch die übertragene Bedeutung; nämlich mich im Widerhall des Echos meines Wachsens bzw. der verschiedenen Frauen, die ich in mir verspüre zu befinden. Es ging um die Echos der verschiedenen Welten meiner selbst, die da nachhallten. Ein weiterer Aspekt war die Mythologie. Ich las die Geschichte von Echo und Narziss, aus der der Begriff Echo ja entspringt. Echo war eine Nymphe, die mit dem Fluch belegt war, alles zu wiederholen, das zu ihr gesagt wurde. Sie verliebte sich in Narziss - musste aber alles wiederholen, was er zu ihr sagte und sie starb - so weit ich weiß - indem sie seinen Namen wiederholte." Der Vollständigkeit halber sollte an dieser Stelle vielleicht noch erwähnt werden, dass Narziss derjenige war, der sich in sein eigenes Spiegelbild verliebte und aus diesem Grunde anderen Liebesbeweisen gegenüber nicht eben offen gegenüberstand. "Ich glaube, das ist eine interessante Interpretation dessen, wie wir als Menschen sind", ergänzt Indigo, "und darauf wie wir auf Beziehungsdynamiken antworten."
Indigo Sparke
Kommen wir aber mal zur musikalischen Seite. Neben Adrienne Lenker war ja auch Andrew Sarlo als Produzent involviert - der ja auch die letzten Big Thief-Alben und Buck Meeks Solo-LP produzierte. Das Album ist aber musikalisch bewusst sehr einfach und akustisch ausgerichtet. Warum brauchte man für ein solches Projekt überhaupt mehrere Produzenten? "Andrew hat die Tontechnik für die erste Session in L.A. gemacht und mitproduziert. Adrienne hat aber eigentlich die Scheibe produziert. Sie und Andrew haben ja eine gute Verbindung. Eigentlich hätten wir tatsächlich keinen Extra-Produzenten gebraucht. Das war aber ein bisschen wie zusammen zu kochen - da schnibbeln dann ja auch alle mit und fügen ihre Zutaten hinzu bis am Ende die gemeinsame Alchemie entsteht." Ein musikalischer Aspekt, den Indigo recht gut im Griff zu haben scheint, ist ihre Art, aus vergleichsweise geradlinigen, simplen Folksongs Melodien und Harmonien herauszukitzeln, die offensichtlich gar nicht da sind. "Das ist aber keine Sache, die ich bewusst mache", schränkt sie gleich schon wieder ein, "mir ist das erst vor kurzem klar geworden. Und zwar indem Leute wie du sich mit meiner Musik beschäftigt und mir Feedback gegeben haben und mir so die Möglichkeit eröffnen, mir meine Sachen auch mal aus einer anderen Perspektive als der der Person, die mitten in dem Prozess steckt zu betrachten. Dass zum Beispiel meine Songstrukturen simpel sind und sich darauf dann komplexere Sachen abspielen, war mir nicht bewusst und ich finde es interessant, sich das dann zu vergegenwärtigen."

Mal anders gefragt: Wann gefällt ein Song denn Indigo selbst? "Hm - interessante Frage", zögert sie, "ehrlich gesagt glaube ich, dass es darauf hinausläuft, dass die Leute ehrlich mit sich selbst sind. Auf einer intuitiven Ebene kann ich es als Essenz verspüren, wenn jemand aufrichtig Trauer, Freude oder Wut ausdrückt. Es hängt aber auch vom Geschmack ab, denn es gibt eine ganze Menge Musik mit der ich nichts anfangen kann weil ich sie einfach nicht verstehe. Nicht, weil es schlechte Musik wäre, sondern mehr, weil meine und die Vibes dieser Musik zu diesem Zeitpunkt einfach nicht zueinanderpassen. Vielleicht ändert sich das mit der Zeit. Somit ändert sich auch ständig, was ich mir selbst anhöre. Das hängt immer von der gefühlten Jahreszeit ab, in der ich mich gerade befinde. Momentan stecke ich gerade zum Beispiel in der Ambient-Musik fest, zu der ich mich hingezogen fühle, wenn ich alleine zu Hause bin oder Auto fahre. Ich mag aber auch Pop-Musik ganz gerne - wie Solange zum Beispiel." Nicht dass Indigo diese Inspirationsquellen in direkter Weise aufgriffe. Musikalisch bleibt sie bei ihrem intimen, eigentümlichen Stil. "Ja, genau", bestätigt Indigo, "du musst dir ja auch vergegenwärtigen, dass deine Songs nicht für jedermann gedacht sind. Und wenn dann jemand kommt und damit dennoch etwas anfangen kann und es mag, dann ich das sehr schön und wichtig - man darf aber nicht versuchen, einen Song oder eine Scheibe zu schreiben, mit der Idee, dass diese populär sein soll und alle sie mögen werden. Das ist dann der totale Kopf-Fick."
Als Australierin hatte es Indigo ja ganz gut getroffen mit der Pandemie und konnte bereits erste Shows spielen. Auch in den USA, wo sie gerade ist, ist es jetzt ja wieder möglich aufzutreten. Was hat Indigo denn sonst noch im Köcher? "Ich bin ja gerade in die USA umgezogen, nachdem ich zuvor ein ganzes Jahr in Australien war - wo ich in den letzten drei Monaten auch wieder Shows spielen konnte. Ich arbeite gerade auch schon wieder an neuen Songs", berichtet sie, "nach dem letzten Jahr mit dieser ganzen Covid-Zeit freue ich mich jetzt darauf, langsam die nächste Scheibe aufnehmen zu können. Hoffentlich klappt das später im Jahr. Ich habe dieses Mal auch eine klarere Vision von der Welt, die ich dieses Mal erschaffen und in der ich herumwandern will. Ich befinde mich diesbezüglich aber noch in einem sehr frühen Stadium."
Weitere Infos:
indigosparke.bandcamp.com
indigosparke.com
www.facebook.com/IndigoSparke
www.instagram.com/indigosparke
www.youtube.com/watch?v=0fm7VqGjUYo
www.youtube.com/watch?v=3ZT3Uxwgc9k
www.youtube.com/watch?v=3ZT3Uxwgc9k
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Magnolia Minton Sparke-
Indigo Sparke
Aktueller Tonträger:
Echo
(Sacred Bones/Cargo)

 
 

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