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DAMON & NAOMI
 
Hoffnungsvoll und dankbar, nicht düster
Damon & Naomi
"More Sad Hits" war ursprünglich nur der Titel des ersten Albums, das Damon & Naomi 1992 nach dem Aus ihrer alten Band Galaxie 500 veröffentlicht haben, doch in gewisser Weise beschreibt er aber bis heute das Tun der beiden Amerikaner ganz ausgezeichnet. Auch auf "A Sky Record", ihrem ersten neuen Album seit sechs Jahren, finden Damon Krukowksi und Naomi Yang wieder die perfekte Balance zwischen verhangener Melancholie und vorsichtigem Optimismus, wenn sie - mit Unterstützung ihres alten Weggefährten Michio Kurihana von der Band Ghost an der Stromgitarre - das Leben in der Pandemie nachzeichnen, in elegischen, bisweilen verträumten Folk-Songs, die spürbar volltönender sind als ihre letzten Werke.
Länger sind sie geworden, die Veröffentlichungspausen, aber eines ist dennoch sicher: Immer, wenn Damon & Naomi eine neue Platte veröffentlichen, ist es eine Herzensangelegenheit. An die Erfolge ihrer alten Band konnten die zwei in Cambridge, Massachusetts, heimischen Musiker nie vollends anknüpfen, alles hinzuwerfen und sich komplett neu zu orientieren stand aber dennoch nie wirklich zur Debatte. "1991 haben wir mal daran gedacht, weil uns damals das Aus von Galaxie 500 so enttäuscht und ernüchtert hat", erinnert sich Yang im Gaesteliste.de-Interview. "Dann aber stellte sich schnell heraus, dass Musik zu kreieren und sie live zu spielen etwas war, dass wir in unserem Leben nicht missen wollten."

Dennoch hat sich der Fokus auch für das Duo in den letzten drei Jahrzehnten etwas verschoben. Yang widmet inzwischen ihrer Arbeit als Fotografin, Grafikerin und Filmemacherin mehr Aufmerksamkeit, Krukowski seinen journalistischen Ambitionen, doch die Bedeutung der Musik ist für sie trotzdem nahezu unverändert. "Als ich jünger war, habe ich mich oft gefragt, warum ältere Künstler so unregelmäßig neue Platten veröffentlichen, aber jetzt, da ich selbst eine ältere Künstlerin bin, merke ich, dass es Sinn ergibt", gesteht Yang. "Als wir jünger waren, diente gewissermaßen jeder neue Song dem Zweck, zu definieren und herauszufinden, wer wir wirklich sind. Je älter wir geworden sind, desto mehr Lieder hatten wir geschrieben. Das bedeutet auch, dass du dich selbst besser kennst und die 'Neuentdeckungen' immer seltener werden. Letztlich schreibst du deshalb weniger Songs, die allerdings sind dann komplexer und klüger." Krukowski ergänzt: "Früher, als wir mit unserer alten Band auf Tournee waren, hatten wir ein Label, das daran interessiert war, jedes Jahr ein neues Album zu veröffentlichen, und es gab einen gewissen Druck, sich an diesen Zeitplan zu halten. Das änderte sich, als wir unsere Karriere als Duo starteten. Wir machen neue Platten nur, wenn wir die Songs dafür haben. So ist das schon immer gewesen. Wir sammeln mit der Zeit neue Ideen für Lieder und wenn uns danach ist, aufzunehmen oder wenn die Umstände es diktieren, dann schauen wir uns diese Ideen an und schauen, wo sie uns hinführen."

Dieses Mal war die Initialzündung eine Japan-Tournee im Jahre 2019, die Krukowski und Yang die Gelegenheit gab, ihre fruchtbare Zusammenarbeit mit Michio Kurihara wieder aufzunehmen, mit dem sie im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends im Anschluss an das 2000er-Album "Damon & Naomi With Ghost" regelmäßig gemeinsame Sache gemacht hatten. Mit seinem kunstvollen Improvisationsstil gelingt es dem japanischen Gitarristen, die Songs dezent, aber doch spürbar in neue Richtungen zu lenken und so die später von Krukowski und Yang in der häuslichen Abgeschiedenheit des Lockdowns ausgearbeiteten und mit Anspielungen auf das Wetter, die Jahreszeiten und Wasser gespickten Texte - Metaphern für das Leben in und nach der Pandemie - klanglich perfekt zu komplementieren. "Die lebensverändernde Erfahrung der Pandemie ist tief in dieses Album eingebettet", gesteht Yang. "Trotzdem handelt das Album nicht von Dunkelheit, sondern von Hoffnung und Dankbarkeit."

Doch auch wenn die zwei ihre Zuversicht nicht verlieren wollen: Die Umwälzungen im Musikbusiness in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten haben es natürlich auch für Damon & Naomi nicht leichter gemacht. "Als Musiker finanziell über die Runden zu kommen ist eine echte Herausforderung”, sagt Krukowski. "Das war schon immer schwierig, aber mit dem Einzug der digitalen Medien ist es noch einmal viel schwerer geworden." Seit Jahren beschäftigt sich Krukowski deshalb in Essays und Zeitungsartikeln mit und dem Kampf für mehr finanzielle Gerechtigkeit im Streamingzeitalter, außerdem arbeitet er mit der UMAW (unionofmusicians.org) zusammen, die sich bei ihrer Arbeit dem gleichen und vielen weiteren verwandten Themen widmet.

Auf den ersten Blick klingt es deshalb paradox, dass "A Sky Record" das erste Album in der annährend 35-jährigen Karriere von Krukowski und Yang ist, das (vorläufig) nur digital erscheint. "Digital hat eine Menge Stärken, allerdings gilt das für die physischen Formate", sagt Krukowski. "Es wird auch noch eine LP-Ausgabe dieses Albums geben, aber die Krise bei der Vinyl-Herstellung bedeutet, dass sie erst irgendwann 2022 fertig sein wird. So lange wollten wir mit der digitalen Veröffentlichung aber nicht warten, deshalb entsteht jetzt diese Lücke. Ich hoffe, die derzeitigen Probleme bei der LP-Herstellung sind nur temporär, aber das ist schwer vorherzusagen. Besser, man bleibt flexibel." Yang ergänzt: "Natürlich waren wir enttäuscht, dass es so lange Zeit keine physische Veröffentlichung geben wird, deshalb sind wir auf die Idee mit dem 'A Sky Record Companion' gekommen. Wir dachten uns, dass sei eine prima Sache für alle."

Mit dem besagten Companion, einem liebevoll gestalteten 48-seitigen Booklet, geben Damon & Naomi ihren Hörern Fotos, Songtexten und Liner Notes mit an die Hand, damit das Album schon jetzt mehr ist als nur Nullen und Einsen. All die Menschen, die Damon & Naomi bei der Entstehung des Albums begleitet haben, haben dazu beigetragen. Richard Young war dabei, als die Idee erstmals Gestalt annahm, Kurihara, Soichiro Nakamura und Susanne Sasic leisteten vor Ort in Japan als Gitarrist, Tontechniker und Tourbegleiterin ihren Beitrag, Journalistin Lindsay Zoladz spinnt die Geschichte des Albums in Cambridge weiter und Jarvis Cocker erklärt das Phänomen der "Shipping Forecast", einer BBC-Radiosendung mit Wettervorhersagen für die Küsten der Britischen Inseln, die für Damon & Naomi in Lockdown-Zeiten Teil eines beruhigenden, Trost spendenden täglichen Rituals waren.
In gewisser Weise ist "A Sky Record" nun Damon & Naomis "Shipping Forecast" für ihre Fans und Anhänger, denn die sofort seltsam vertraut klingenden Songs wirken mit ihrem meditativen Tempo und ihrem leichten Touch wie ein sicherer Hafen in stürmischen Zeiten, während uns der Albumtitel daran zu erinnern scheint, dass alles möglich ist und nur der Himmel die Grenze ist, wenn man - wie Damon & Naomi - an seinen Träumen, Grundsätzen und an seinen Idealen festhält. Schön, dass es so etwas noch gibt.
Weitere Infos:
damonandnaomi.com
www.facebook.com/damonandnaomi
twitter.com/damonandnaomi
damonandnaomi.bandcamp.com
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-
Damon & Naomi
Aktueller Tonträger:
A Sky Record
(20-20-20)
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