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THALA
 
"Ich mache das, was sich gut anfühlt"
Thala
"Der Begriff Serendipität bezeichnet eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist", heißt es bei Wikipedia, und es gibt wohl kaum einen Begriff, der den bisherigen Weg der Berliner Dream-Pop-Senkrechtstarterin Thala besser beschreibt als dieses hübsche kleine Wort. Gleich eine ganze Reihe glücklicher Fügungen - und natürlich viel Talent und eine große Portion Willenskraft - haben dafür gesorgt, dass die junge Singer/Songwriterin kaum mehr als zwei Jahre nach ihren ersten Gehversuchen bei Open-Mic-Abenden in ihrer Heimatstadt nun mit "Adolescence" ein fantastisches Debütalbum vorlegt, auf dem mit sie juvenil anmutender Lässigkeit, aber doch auch beeindruckend konsequent mit Versatzstücken aller erdenklichen Facetten des Indie-Pop-Universums jongliert. Seltsam vertraut, aber nie übertrieben nostalgisch klingen die dabei entstandenen zehn Songs, mit denen die Mittzwanzigerin auf den Spuren von Mazzy Star, Beach House, Cigarettes After Sex oder Brian Jonestown Massacre auf ihre nicht immer sorgenfreie Jugend zurückblickt.
Thalas Leidenschaft für die Musik wurde schon früh geweckt, und trotzdem ist sie gewissermaßen eine Spätberufene, denn tatsächlich hat sie erst vor wenigen Jahren angefangen, das Gitarrespielen zu erlenen. "Ich habe schon immer gesungen und wollte schon immer Musik machen", erinnert sie sich im Video-Chat mit Gaesteliste.de. "Das fing schon an, als ich noch ganz, ganz klein war. Ich hatte dann aber leider nicht die Gelegenheit dazu, weil ein Elternteil der Meinung war, es sei nicht wert, das weiterzuverfolgen und mir Unterricht zu ermöglichen." Erst als sie Jahre später für eine Ausbildung zur Tauchlehrerin auf den kanarischen Inseln lebte, führte eine Wette dazu, dass sie sich selbst - per App! - das Gitarrespielen beibrachte und bald auch anfing erste Songs zu schreiben, die den Anfang für eine Verkettung glücklicher Zufälle bildeten. "Nach meinen drei Jahren Ausland kam ich zurück nach Berlin, und da hat mich über Instagram ein Typ angeschrieben, der wollte, dass ich auf seinem Open Mic spiele, obwohl ich bis dato nur ein paar Videos mit einer schlechten Akustikgitarre, die sicher auch noch verstimmt war, hochgeladen hatte", erinnert sie sich. "Ich habe dann gesagt: 'Ich weiß nicht, ich habe keine Songs, ich spiele nicht gut Gitarre, bist du sicher, dass du mich da haben willst?' Dann habe ich es aber doch gemacht und die Reaktion war ziemlich toll. Das hat bei mir total viel ausgelöst. Ich dachte: Boah, Bühne, vor mir Menschen, Musik spielen und singen! Ich hab mich noch nie so Zen gefühlt! Trotzdem war ich natürlich total nervös, meine Hände haben gezittert und ich war schweißnass." Sie lacht. "Aber da habe ich anfangen, in dieser Szene gut anzukommen. Ich habe dann immer mehr Gigs in Bars bekommen und habe mich auch selbst immer mehr in diese Open-Mic-Szene reinmanövriert und begonnen, selbst zwei Open-Mics zu hosten, um anderen Künstlern die Möglichkeit zum Spielen zu geben. Dadurch ist dann auch mein Netzwerk noch größer geworden. Ich habe dann den Job, den ich damals hatte, gekündigt und habe Straßenmusik gemacht. Da hat mich ein Freund von mir reingebracht. Er meinte einfach: 'Komm mal mit!', und dann haben wir uns hier ans Tempelhofer Feld gestellt und gespielt. Das kam auch supergut an, und seitdem wurde es immer mehr."

Mit den Anfangserfolgen wuchsen langsam, aber sicher auch Thalas Ambitionen, und schon bald wollte sie nicht mehr nur solo auf der Bühne stehen. "Ich habe dann auf Facebook einen Aufruf gestartet, dass ich eine Band suche, und wie soll ich sagen, ich bin nun mal 'ne Frau und hab 30 Nachrichten von Männern bekommen, in denen es nicht nur ums Musikmachen ging - Facebook halt! -, aber Constantin [Kilian] war auch dabei, und er ist nun schon seit zwei Jahren mein Gitarrist. Durch ihn habe ich dann auch meinen Produzenten [Michael Kümper] - der jetzt auch in meiner Band Bass spielt - kennengelernt. Dem habe ich dann ganz schlecht mit meinem Handy aufgenommene Demos gezeigt, die er aber offenbar gut genug fand, um mit mir zusammenarbeiten zu wollen. Dann haben wir uns drangesetzt und bis heute nicht mehr aufgehört." Inzwischen gehören auch Keyboarder Hannes Volz und Schlagzeuger Aidan Keith Lowe zu ihrer Band, die sie im Studio und seit einigen Wochen auch live unterstützt, um den Sound von "Adolescence" auf der Bühne beeindruckend adäquat und in echter Handarbeit mit traditionellem Instrumentarium abzubilden.
Ohne das Ziel, das Rad neu erfinden zu wollen, setzt Thala eher auf die Schönheit des Vertrauten und verlässt sich bei ihrer Musik am liebsten auf ihre Instinkte. "Als ich damals ins Ausland gegangen bin, habe ich das auch einfach gemacht, ohne viel nachzudenken. Ich handele viel nach Bauchgefühl und mache einfach das, was sich gut anfühlt. Das hier fühlt sich gerade so gut an wie noch nie etwas in meinem Leben und deshalb mache ich das! Eigentlich eine ganz simple Erklärung!" Zwischen atmosphärischem Dream-Pop, melancholischem Shoegaze und dezenten New-Wave-Anleihen, die bisweilen eher in Richtung der 80er und 90er deuten als in die Jetztzeit, findet sie so auf ihrem Erstling zu einem hinreißenden Sound, zeigt aber mit dem Titelsong des Albums bereits auf, dass sie sich auf ihrer nächsten LP, die bereits in Arbeit ist, stilistisch verändern will. Aus der Tatsache, dass sie sich von der Musik ihrer Lieblingskünstler beim Songwriting genauso inspirieren lässt wie bei der Produktion ihrer Lieder im Studio, macht Thala derweil kein Geheimnis. Bisweilen speichert sie ihre Lieblingssongs auch in ihrer Playlist ab und nutzt kleine Details und Studiokniffe, die es ihr besonders angetan haben, als Referenz für ihre eigenen Lieder. "Ich bin jetzt schon öfter gefragt worden: 'Warum machst du die Musik, die du machst?' Darauf gibt es eine ganz einfache Antwort: Ich mache die Musik, die ich selbst gerne höre", sagt sie bestimmt. "Das ist die Art von Musik, das sind die Sounds, die ich in meinen Playlisten habe. Das sind die Dinge, die mich inspirieren, weil ich sie jeden Tag höre. Das ist der Drumauftakt, den ich gern in meinem Song haben will, weil ich ihn gut finde. Natürlich werde ich ihn verändern, aber im Endeffekt ziehe ich mir aus den Songs von manchmal sehr bekannten und manchmal völlig unbekannten Künstlern verschiedene Dinge, die ich cool finde und so oder so ähnlich gerne in die Songs einbauen möchte, die ich schreibe und produziere."

Textlich hält sich Thala aber lieber an ihre eigenen Erfahrungen und singt mit sehnsuchtsvoller Stimme im Stile Hope Sandovals von den Menschen und Ereignissen, die sie zu dem gemacht haben, was sie heute ist. "Die Songs handeln von meinem Leben und den Menschen, die mich umgeben haben oder mit denen ich viel Zeit verbracht habe. Das ist alles schon sehr, sehr persönlich", gesteht sie. "Ich werde mich auch davor hüten, die Menschen zu nennen, mal abgesehen von dem Track über meine Oma, denn das ist ja mehr als offensichtlich, weil er 'Nan' heißt. Auch bei den anderen Songs geht es oft um spezifische Personen, aber das ist wie ein kleines Tagebuch für mich. Da sind all diese Erlebnisse drin, die mit Musik unterlegt sind. Das sind sozusagen kleine Filmchen oder Podcasts aus meinem Leben." Obwohl viele der Texte eher traurig sind, setzt Thala den schwermütigen Inhalten bisweilen betont schnelle, geradezu fröhliche Upbeat-Melodien entgegen. "Ich finde das cool, weil das vielleicht dazu führt, dass man noch mal nach dem Text sucht, weil man wissen will: 'Was singt die da eigentlich? Ich hab mich beim ersten Hören nur aufs Springen konzentriert!' Dann erhält der Song einen doppelten Wert, weil tanzbar ist, aber trotzdem nicht nur irgendeinen Dulli-Text hat, sondern etwas dahintersteckt. Das ist der Anspruch, den ich an mich selbst stelle."

"Serenade", Thalas erste, komplett in Eigenregie veröffentlichte Single, erblickte ausgerechnet am 13. März 2020 - Freitag, der 13.! - das Licht der Welt, an dem Tag, an dem die COVID-19-Pandemie den Kulturbetrieb in Deutschland jäh zum Stillstand brachte. So bitter das anfangs war: Schon wenige Monate später hatte Thala nicht nur ein, sondern gleich zwei Plattenverträge in der Tasche. Nachdem sie Jaguar Suns "Make It Out" - per Handyaufnahme - gecovert hatte, landete die prompt bei deren Label Born Loser Records in Philadelphia, und aus Berlin klopfte Grant Box von Duchess Box Records an, der Labelheimat von Gurr und Sofia Portanet. "Duchess Box hat mich mit einer riesigen Nachricht auf Facebook angeschrieben", verrät sie. "Natürlich war ich erst mal misstrauisch, weil ich dachte: Komisch, über Facebook? Hmm, ich weiß nicht! Dann habe ich mich aber doch mit Grant getroffen und war dann ziemlich schnell überzeugt von ihm, denn er ist einfach ein toller Kerl, der sich auch richtig für mich eingesetzt hat und ziemlich viel für mich geholt hat, wenn man bedenkt, dass während der ganzen Zeit Corona war. Er hat dann auch die Connection zu Andreas [Oberschelp] hergestellt, sodass ich dann auch ziemlich schnell ein Teil der [Konzertagentur] Puschen wurde."
Seitdem hat Thala beständig daran gearbeitet, ihren Namen mit Sessions und ähnlichen Formaten bekannt zu machen und die Aufbauarbeit zu leisten, die für eine Newcomerin wie sie unumgänglich ist. Gleich acht Singles hat sie veröffentlicht, bevor nun ihr Debütalbum erscheint, und damit bereits Airplay bei BBC Radio 1 oder einen Auftritt bei der Pariser Blogotheque eingeheimst und auf beiden Seiten des Atlantiks ein positives Medienecho ausgelöst. Ihren Song "Contradictions" allerdings beschreibt sie als Botschaft an sich selbst und an alle, die das Gefühl haben, versagt zu haben. "Ich möchte, dass jeder mal für eine Sekunde innehält, sich umsieht und sieht, was er/sie schon alles erreicht hat und nicht nur das, was vielleicht nicht so funktionierte, wie man es sich vorstellte", sagt sie, und ein bisschen kann man das Gefühl haben, dass es ihr manchmal etwas schwerfällt, sich darüber zu freuen, dass sie schon zur Veröffentlichung ihrer ersten LP mehr erreicht hat als die meisten deutschen Bands in Laufe langer Karrieren. "Ich freue mich total über das, was ich schon erreicht habe, aber trotzdem gibt es halt Tage, an denen ich aufstehe, mir meine eigenen Demos anhöre und mir denke: Oh Gott, wie kann ich das den Leuten zumuten?", gesteht sie. "Das ist immer auch Tagesform-abhängig. Ich denke aber, das ist ganz natürlich. Du wachst morgens auf und überlegst mal kurz: Warum mache ich das alles eigentlich? Aber dann hast du ein Interview oder triffst eine sympathische Person, die hinter dem steht, was du tust, oder spielst ein Konzert - und dann ist es das alles wieder wert!"
Weitere Infos:
www.facebook.com/whatisthala
www.instagram.com/whatisthala
thalaofficial.bandcamp.com
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Celeste Call-
Thala
Aktueller Tonträger:
Adolescnece
(Duchess Box/Bertus)
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