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CHARITY CHILDREN
 
Alt ist das neue Jung
Charity Children
Als Chloë Lewer und Elliott McKee 2011 beschlossen, mit nicht viel mehr als einer Ukulele im Gepäck vom heimatlichen Auckland in Neuseeland nach Berlin zu ziehen, um dort ihr Glück zu finden, gab es für sie eigentlich gar keinen großen Masterplan. Das damals glücklich liierte Pärchen begann, auf den Straßen der Hauptstadt mit ihrer Straßenmusik auf sich aufmerksam zu machen und - inspiriert von Elliotts Ukulelenspiel (das er sich erst kurz vor dem Umzug selbst beigebracht hatte) - an gemeinsamen Folkpop-Songs zu arbeiten. Schließlich gründeten sie das Ensemble Charity Children, entwickelten sich zu einem gern gesehenen, lebhaften Live-Act, veröffentlichten 2013 und 2016 zwei LPs und merkten dabei allmählich, dass sie sich auf der persönlichen Ebene auseinandergelebt hatten. Als dann 2017 eigentlich das nächste Album anstand, gab es stattdessen die Meldung, dass man "sich eine Auszeit" nehmen wolle. Dass nun - fünf Jahre nach der letzten Veröffentlichung - ein neues Album namens "Almost Young" erscheint, bedeutet aber leider nicht, dass es sich dabei um ein Reunion-Projekt handelt, sondern nur, dass das Unternehmen Charity Children zu einem versöhnlichen Abschluss geführt werden soll, denn obwohl sich Chloë und Elliott für die gemeinsame Arbeit an "Almost Young" wieder zusammengerauft haben, führen sie doch ihr eigenes Leben - wenngleich sie sich das Sorgerecht ihres gemeinsamen Hundes Amy auch weiterhin teilen wollen.
Was hat denn eigentlich zu dieser Entwicklung geführt? "Nun für mich war es die Tatsache, dass ich mich in unserer Beziehung verloren hatte", berichtet Chloë, "wenn ich nicht bei Elliott war, fühlte sich das an, als fehle mir eine Gliedmaße. Ich wusste nicht mehr, wer ich ohne Elliott war. Das war eine furchteinflößende Situation. Deswegen ist die Situation, in der wir uns heute befinden, auch so schön. Denn wir sind seitdem sehr stark gewachsen, hatten andere Beziehungen, haben einige Standards etabliert und verstehen uns heute wieder sehr gut. Wir machen nämlich nicht mehr dieselben Fehler wie früher. Wir haben uns selbst gefunden." "Wir machen schon noch ein paar Fehler", wirft Elliott schmunzelnd ein. "Natürlich - aber diese Erfahrung ist für mich die größte Liebes-Lektion meines Lebens geworden", stimmt Chloë zu, "ich denke, dass wir uns über die Jahre entfremdet hatten, bevor wir uns dann endlich trennten." "Es war schon eine sehr schmerzhafte Zeit", erinnert sich Elliott, "wenn etwas schmerzt, dann geht das ja irgendwann wieder weg - aber die Erkenntnisse aus dieser Zeit bleiben. Wieder zusammenzukommen, um gemeinsam Musik zu machen, war für uns wie das fehlende Puzzle-Stück zu finden, das noch eingefügt werden musste." Nun feiern Charity Children auf diesem Wege ja sozusagen ihr zehnjähriges Jubiläum. Will meinen: Chloë und Elliott sind auch zehn Jahre älter als damals. Als Musiker aber alt zu werden ist ja nicht so ganz einfach; zumal das ja nun wirklich niemand von jemand erwartet. "Genau - dann muss man Blues oder Jazz oder Konzertpiano spielen", bestätigt Chloë, "das sage ich mir auch manchmal: 'Du wirst doch bestimmt nicht weiter Pop-Scheiben machen'. Aber dann stelle ich das auch gleich wieder in Frage, weil das doch bloß eine beschissene patriarchalische Erzählung ist." "Ich hoffe ja, dass es nicht so ist", wirft Elliott ein, "aber vielleicht habe ich diese Überlegung auch im Hinterkopf, denn wir leben ja in einer Kultur, die geradezu besessen von der Jugend ist. Ich kann mir zwar vorstellen, mit 60 einen Spielfilm zu machen - aber nicht in einer Band zu spielen. Einfach weil man sowas selten sieht. Was echt schade ist, denn nimm zum Beispiel Leonard Cohens letzte Scheibe - die ja wirklich unglaublich ist. Von Leonard Cohen stammt auch der Titel unseres Albums 'Almost Young'." "Ja das haben wir von seinem Stück 'So Long Marianne'", bestätigt Chloë, "da heißt es: 'We met when we were almost young in a green lilac park. You held me like a crucifix as we went kneeling in the dark."

Okay. Kommen wir aber mal zu der neuen Scheibe: Sind darauf alles neue Songs? "Nun, den Prozess haben wir schon vor drei Jahren begonnen", überlegt Elliott, "es sind darin also auch ältere Elemente enthalten." "Na ja - wir haben uns ja sozusagen an dem Tag getrennt, an dem wir unser zweites Album veröffentlicht haben", gesteht Chloë, "was ziemlich dramatisch war. Wir haben dann quasi zehn Monate nicht miteinander gesprochen und unseren Hund Amy durch eine Babysitterin hin und her transportieren lassen. Amy teilen wir und übrigens heute noch - sie ist unser pelziges kleines Kind. Nun geht es uns wieder gut." Was ist für Elliott denn die Botschaft des neuen Albums? "Wichtig ist, dass das Konzept des Albums vermittelt, dass wir die Songs zu einer bestimmten Person geschrieben haben und oft auch Ratschläge dadurch erteilen", meint Elliott, "wobei mir schon klar ist, dass es einfacher ist, Ratschläge zu erteilen, als welche anzunehmen. Gerade ich bin so eine Person, die wundervolle Ratschläge zur Hand hat - aber keine annehmen kann. Letztlich sind die Ratschläge, von denen wir hier singen, also solche, die wir besser selbst angenommen hätten. Das ist das Konzept hinter dem Album." Das heißt aber nicht, dass das Album geradlinig in eine Richtung zielte, oder? "Nein - das Album ist schon sehr eklektisch", gesteht Elliott, "es ist ein bisschen durcheinander - weil wir Menschen sind, die ein wenig durcheinander sind. Das Leben ist nicht nur ein Sound oder ein Genre für mich."
Charity Children
Das gilt sicherlich auch musikalisch. Das neue Material unterscheidet sich von den älteren Charity Children-Songs dadurch, dass die früher maßgebliche Ukulele keine große Rolle mehr spielt und viele Songs stattdessen auf dem Piano geschrieben und gespielt wurden. Das Ergebnis ist eine klassische, organische Old-School-Pop-Scheibe - die vom Sound und vom Feeling sogleich an Abbey Road, George Martin und die Beatles erinnern lässt. "Die Beatles sind definitiv eine Inspirationsquelle", räumt Chloë ein, "ich würde sie für jedermann ficken. Wow - das hat auch noch niemand gesagt. Wir sind ja so einzigartig."
"Ich würde sagen, dass wir sehr unterschiedliche Songwriting-Stile haben", formuliert es Elliott etwas diplomatischer, "und wenn man diese zusammen bringt, ergibt das diesen interessanten Mix, weißt du." Wie bei den Beatles eben? "Nun, wenn du dir Chloës Solo-Sachen anhörst, klingen diese ja total unterschiedlich. Die Songs, die ich schreibe, sind ja ganz anders - man kann sich aber als Songwriter schlecht beschreiben." "Das ist einfacher, wenn man das gegenseitig macht", ergänzt Chloë, "Elliott hat ein Händchen dafür, etwas was ziemlich düster und ernst ist, in etwas Fröhliches und Witziges zu verwandeln. Das macht er, indem er ernsthafte Themen auf eine humorvolle Art beschreibt." "Und Chloë kann dein Herz brechen, ohne das überhaupt zu versuchen", sinniert Elliott, "sie kriegt mich auf diese Weise jedes Mal. Das ist ihre Kunst des Song Schreibens. Ich persönlich mag es zwar Musik aufzunehmen und zu spielen - aber am Wichtigsten ist mir immer das Songwriting. Das ist für mich das Wichtigste an der Musik." "Um noch mal auf deine Referenzen auf die Beatles zurückzukommen", ergänzt Chloë, "nachdem ich von meinem Solo-Projekt kam, was ja Electro-Pop ist, war ich wirklich daran interessiert, mit Elliott zusammen wieder herauszufinden, was wir gemeinsam haben - und das ist, Geschichten zu erzählen und Texte zu schreiben. Wir sind sehr von Texten geprägt und ich habe immer schon Elliotts Art gemocht, Songs auf diese lyrische Art zu schreiben. Ich bin da schon einfacher gestrickt, was meine Texte betrifft." Was haben denn die Beatles genau mit Charity Children zu tun? "Ich möchte jetzt ja gar keine großartigen Vergleiche mit den Beatles anstellen", zögert Chloë, "aber für uns ist 'Almost Young' schon so etwas wie unsere Version des weißen Albums. Ich will es musikalisch um Gottes Willen nicht mit dem weißen Album der Beatles vergleichen - aber für uns ist das unser 'weißes Album'." Deswegen ist das Ganze wohl auch so organisch und - nun ja - unmodern geraten, oder? "Wir wollten es alles so organisch wie möglich halten", bestätigt Chloë, "es gibt nur einen Synth auf der Scheibe. Ich wollte aber etwas raues, ehrliches machen. Es sollte einfach klassisch sein. Ich habe mir heute unsere Vinyl-Edition angehört und dies erfüllte mich auf emotionale Art mit einer gewissen Wärme. Es fühlt sich schön an, stolz auf das, was wir erschaffen haben, sein zu können." "Ja genau, die Songs sollten die ganze Arbeit machen", erklärt Elliott, "wir waren ja immer schon Idealisten. Wir waren am Anfang hoffnungslos hoffnungsvoll, haben viele Höhen und Tiefen durchschritten und für uns ist dieses Album das Ende einer Geschichte. Ich bin froh, dass wir es nicht bei dem zweiten Album belassen haben. Wir sind heute gute Freunde und es fühlt sich an, als habe sich ein Kreis mit diesem Album geschlossen."
Ein Kapitel, das leider nicht mit dem Album "Almost Young" angeschlossen werden wird, ist die Live-Historie des Charity Children-Projektes - denn Chloë und Elliott haben beschlossen, nicht mit dem neuen Material auf Tour zu gehen. Dafür haben sie aber versprochen, zumindest Live-Sessions mit den neuen Songs zu produzieren, die dann nach und nach online gestellt werden sollen.
Weitere Infos:
www.charitychildrenband.com
www.facebook.com/CharityChildren
www.instagram.com/charity.children
www.youtube.com/watch?v=ObCQY25aNRw
www.youtube.com/watch?v=iIISB5a-3Nk
www.youtube.com/watch?v=o5RSyL2jtLI
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Charity Children
Aktueller Tonträger:
Almost Young
(Charing Cross/Membran)
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