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RIKI
 
Die Alchemistin
Riki
Es gibt sie also noch: Diese Künstler(innen), die sich wenigstens mit einem Hauch von Mystik umgeben und sich eigene, alternative Traumwelten aufbauen, in denen sie dann ihre Personas und Avatare ihre Phantasien ausleben lassen. Riki aus Los Angeles gehört zweifelsohne zu dieser Spezies. Die junge Dame, die mit "Gold" nun ihr zweites Album vorlegt, kommt ursprünglich aus der Deathrock/Anarcho-Punk-Szene der kalifornischen Bay Area und begann ihre musikalische Laufbahn - damals noch unter ihrem Pseudonym Niff Nawor - als Bassistin/Keyboarderin der Darkwave-Band Crimson Scarlet. Immer nur düster dreinzuschauen und im Schatten stehen, reichte ihr dann allerdings irgendwann nicht mehr, und sie erschuf ihr neues musikalisches Alter Ego Riki, um unter diesem Moniker dann eigene Musik zu machen.
Zuerst veröffentlichte sie 2017 als Testballon die EP "Hot City Mini-Pack", auf der sie nach einem möglichen Setting für ihre eigenen Songs suchte und schließlich 2020 ihre selbst betitelte Solo-LP, auf der sie sich mehr oder minder hingebungsvoll einem poppigen, elektronischen Club-Sound im Stile der 80er Jahre widmete. Auf dem neuen Album geht es zwar prinzipiell weiter in diese Richtung - jedoch ergänzt um organische Elemente und deutlich songorientierter. Vom Deathrock und Anarcho-Punk hat sich Riki inzwischen emanzipiert - bis auf die Tatsache, dass in ihren Songs stets eine düstere, melancholische Note mitschwingt (was aber für die Art von Retro-E-Pop, die sie bevorzugt nur von Vorteil sein kann). Wer Riki ist, wird durch ihre Musik indes nicht besonders deutlich, denn selbstredend sind weder Riki noch Niff Nawor ihre richtigen Namen. "Nawor" ist etwa der Name eines babylonischen Zauberers - und Riki ist auch nicht sie selbst, sondern eher so eine Art Platzhalter für die verschiedenen Charaktere, die ihre Songs bevölkern. Auf dem ersten Album gab es mit den Titeln "Strohmann" und "Böse Lügen" ja noch zwei Tracks auf Deutsch bzw. mit deutschem Bezug. Auf "Gold" hingegen eine Coverversion des spanischen 70s Hits "Porque te vas". Was geht denn da ab? "Ach, ich habe gar nicht so richtig realisiert, dass ich damals zwei Songs mit deutschen Referenzen gemacht habe, obwohl ich Deutsch gar nicht so gut kann", lacht Riki, "es war dann die Wahrnehmung von deutschen Fans, die mich dann dazu brachte, das zu überdenken. Und 'Porque te vas' habe ich gar nicht ausgesucht, weil es auf Spanisch ist, sondern weil ich eine Coverversion aufnehmen wollte und dachte, dass ich den Song - den ich immer schon geliebt habe - auf eine authentische Weise interpretieren könnte. Ich habe zwei, drei Sachen ausprobiert und 'Porque te vas' ist mir dann am Besten gelungen."
Riki
Das neue Album ist nicht alleine entstanden, sondern in Zusammenarbeit mit dem Songwriter, Musiker und Produzenten Joshua Eustis (Telefon Tel Aviv, Nine Inch Nails, The Black Queen), den Riki über ihr Label Dais kennengelernt hatte. "Also das Meiste mache ich schon alleine - das Schreiben und die Demos", beschreibt Riki den Prozess, "ich habe ein kleines Studio in meinem Haus, wo ich einen Computer habe, auf dem ich dann meine Drum-Sequenzen programmiere und von da aus weiter arbeite. Was dann allerdings den Aufnahmeprozess betrifft, so war das für dieses Album ein sehr kollaborativer Prozess im Studio. Auf der Scheibe hörst du hauptsächlich eigentlich nur Joshua und mich. Wir haben dann aber noch den Saxophonisten Curtis Crump Jr. engagiert, mit dem Josh auch schon bei anderen Projekten gearbeitet hatte. Getroffen habe ich den aber nicht - wir waren wirklich nur zu zweit im Studio. Wir haben das gemacht, weil ich wollte, dass das Album organischer klingen sollte. Auf meinem letzten Album gab es nur ein bisschen Bass. Ich liebe aber Rockmusik und ich wollte, dass das neue Album eine gewisse, lebendige Portion Realität bekommen sollte, die das letzte nicht hatte. Und deswegen hat Josh dann auch noch alle Gitarren- und Bass-Partien eingespielt. Wir haben uns dann überlegt, wer die männlichen Stimmen auf dem Album singen sollte und dann stellte sich heraus, dass Josh auch noch eine sehr gute Stimme hat, und deswegen gibt es auch einige Gesangsparts für ihn. Als Tontechniker ist er ja sowieso der beste." Es gibt ja auch ein echtes Duett namens "Marigold" auf der LP. Dieser Song ist dann als Konversation zwischen zwei Liebenden angelegt, oder? "Ja, es ist eine Konversation", bestätigt Riki, "die Charaktere sind Liebhaber und sie lieben sich und müssen ständig an sich denken. Sie helfen einander auch, zu wachsen und aufzublühen. Das ist alles ganz simpel. Ein einfacher, süßer Song."

Kommen wir mal zu den musikalischen Referenzen. Dem ersten Album wurde ja nachgesagt, dass sich Riki von dem, was man in den 80ern als "Italo-Disco" bezeichnet hat, inspirieren ließ - und auch die neuen Tracks klingen nicht eben so, wie man sich eine amerikanische oder britische E-Pop-Produktion vorstellt. Ist Riki denn wirklich ein Fan von Retro- und Euro-Trash-Sounds? "Euro-Trash?", fragt die lachend, "Du sprichst aber wie ein wahrer Europäer. Jedermann hier denkt, dass das so cool ist. Ich bin von vielerlei Musik inspiriert. Es ist halt zufällig so, dass vieles, was ich gerne höre, aus Europa kommt. Und was 'Euro-Trash' betrifft: Das schöne daran ist ja, dass das alles nicht so ernst rüberkommt. Es geht da immer um das Party-Machen und Spaß-Haben. In dieser Hinsicht ist das alles sehr echt - und das ist es, was ich daran mag, denn es geht dabei nicht um Fassaden." Und dann gibt es ja auch echt schöne Melodien - sowohl beim klassischen "Euro-Trash" wie auch bei Riki. "Darauf kommt es ja an", meint sie, "Melodie und Rhythmus. Und dann geht es mir noch darum, wie verschiedene Teile eines Songs sich gegenseitig befruchten. Das Wichtigste für mich - und der Grund, warum ich überhaupt einen Song mache - ist, weil ich eine Melodie habe. Die meisten meiner Melodien klingen irgendwie folky, mittelalterlich oder märchenhaft - irgendwas in der Richtung. Und es macht dann Spaß, so etwas mit einem schweren Beat oder etwas anderem, das nicht dazu passt zu kombinieren."

Worüber singt Riki eigentlich? Ihre Songs werden ja von einer Vielzahl interessanter Charaktere und Namen bevölkert. "Um ehrlich zu sein, sind die meisten nicht ganz real", gesteht Riki, "es geht aber natürlich um Ideen, die ich von richtigen Leuten bekomme. Es gibt aber auch Songs wie 'Viktor'. Der ist ein Song über Viktor Zoi, den 1990 bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Sänger der russischen Rockband 'Kino'. Er hatte einen erstaunlich umfangreichen kreativen Output und verstarb dann sehr jung. Ich liebte seine Musik und deswegen berührt mich das besonders. Eine richtige Tragödie wie diese berührt mich stärker." Auf der letzten Scheibe war es ja noch der historische Napoleon Bonaparte, der Riki auf solche Weise inspiriert hatte, richtig? "Oh ja - das ist ja das Ding", begeistert sich Riki, "mir geht es ja immer um diese Art von Fantasy-Crush. Ich mag diese romantischen und düsteren Aspekte." Gutes Stichwort: Die hochverehrte Thalia Zedek sagte ein Mal auf die Frage, welches die wichtigsten Zutaten für eine Songwriterin sind, dass dies "Romantik" und "Düsternis" sei. "Oh - die ist ziemlich gut", freut sich Riki, "mir geht es immer um etwas, was in die Tiefe geht - und auch an die Oberfläche kommt. Irgendwas, auf das man sich beziehen kann. Romantik ist ja etwas, was man an der Oberfläche sieht. Jeder weiß, was es ist und gleichzeitig berührt es die Menschen auch tief. Romantik und Düsternis sind schon sehr gute Zutaten. Und dann vielleicht noch eine Sonnenbrille, wenn es dunkel wird..."
Ist das der Grund, warum Rikis Texte auch immer ein bisschen ambivalent (im Sinne von "nicht ausbuchstabiert") sind? "Das ist so, weil ich in meinen Texten mehr über Gefühle als tatsächliche Ereignisse singe", erklärt Riki. Das mal eingedenk: Was hat es dann mit dem "Gold"-Motiv des neuen Albums auf sich? Ist das eine neue "Riki"-Phase, die damit eingeläutet wird? "Ja, ich denke schon", räumt sie ein, "es ist ein wenig unterschwellig und weil es nicht so offensichtlich ist, auch offen zur Interpretation. Es geht um eine Art Wachstumsprozess, weil ich mich ja auch in meinem richtigen Leben verändere - speziell unter dem Eindruck der Transition, die jedermann im letzten Jahr durchlaufen hat. Ich mache heute Dinge, die ich zuvor nicht gemacht habe. Es ist alles mehr introspektiv." Gold ist aber doch nichts, was man mit Introvertiertheit in Verbindung bringen würde - eher im Gegenteil. "Gold ist für mich eine wertvolle Substanz, die aber wandelbar ist", versucht Riki das zu konkretisieren, "für mich ist das ein chemisches Konzept. Wie zum Beispiel Dinge wie Blei in Gold zu verwandeln. Für mich ist das etwas, was wir alle mit unserem Leben machen." Blei in Gold verwandeln? "Na ja, manche machen das ja schon", zögert Riki, "in dem Sinne, dass sie eine Metamorphose ihrer selbst durchmachen und dann als etwas anderes daraus hervorgehen." Okay - es geht also nicht um das wertvolle Metall, sondern der mythische Aspekt der Veränderung. "Ja - aber der Umstand, dass es wertvoll ist, ist mir auch schon wichtig", ergänzt Riki.

Wenn man sich Rikis Laufbahn als Künstlerin anschaut, dann könnte man ja den Eindruck gewinnen, dass sie selbst als Ziel den Zustand der Metamorphose anstrebt. "Hm", zögert Riki, "mein Ziel ist einfach mehr Musik zu machen. Die Art von Musik, die ich mache, hat aber nur Wert, wenn sie aufrichtig ist. Sie wird sich verändern, wenn ich mich verändere - aber das ist dann eine ganz natürliche Sache. Wohin das führt, weiß ich im Moment auch nicht." Was ist denn dabei die größte Herausforderung? "Also, der Aufnahmeprozess ist das, was ich am liebsten mache - weil ich dadurch eine große Kontrolle über das Produkt habe. Was ich gar nicht mag sind die logistischen Aspekte - das Planen und Probleme lösen. Ansonsten ist es eine sehr ergötzliche Sache, Musik zu machen. Wenn zum Beispiel Live-Shows gut funktionieren, gibt es eigentlich kein besseres Gefühl. Kreative Herausforderungen sehe ich jedenfalls keine, denn der kreative Teil ist der Grund, warum ich das alles so sehr liebe. Das ist einfach das Beste!"
Weitere Infos:
riki.bandcamp.com
www.daisrecords.com/collections/riki
www.instagram.com/riki.band
www.facebook.com/riki.la.band
www.youtube.com/watch?v=wLIfUJcq0ns
www.youtube.com/watch?v=07SH4lSVsVI
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Dustin Edward Arnold-
Riki
Aktueller Tonträger:
Gold
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