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JANA HORN
 
Songs, die vom Himmel fallen
Jana Horn
"Jana Horn macht sanft-intensive Folkmusik mit der Präzision einer Romanautorin" - besser als mit diesen Worten des amerikanischen NPR-Journalisten Art Levy kann man kaum beschreiben, was sich dem Publikum auf "Optimism", der just erschienenen ersten LP der 28-jährigen Texanerin, in kunstvoll aufs Nötigste reduzierten Song-Skeletten offenbart. Es sind oft wie hingetupft wirkende Lieder, die trotz eines gewissen Gefühls leichter Beiläufigkeit nie gedankenlos oder gar dahingeworfen sind und der bisweilen ebenso rätselhaft wie ihre Lieder erscheinenden Singer/Songwriterin mit der betörend klaren Stimme viel Raum geben, um tiefsinnig mit mehrdeutigen Emotionen und unbewussten Bildern zu jonglieren.
Jana Horn hat sich viel Zeit gelassen für ihr Debüt als Solistin. Einen ersten Anlauf hatte die Musikerin aus dem Lone-Star-State schon vor einigen Jahren gewagt, die Ergebnisse dann aber kurzerhand verworfen. Auch "Optimism" entstand bereits vor rund drei Jahren. Eine DIY-Kleinstauflage erschien bereits im September 2020, mitten in der Umklammerung des Lockdowns, bevor das Werk nun mit Unterstützung des renommierten Labels No Quarter, das ist der Vergangenheit schon kleine, große Meisterwerke von Zachary Cale, Nathan Salsburg oder Joan Shelley veröffentlicht hat, nun endlich auch einer breiteren Hörerschaft zugänglich gemacht wird. Doch auch wenn Janas Karriere nun erst vergleichsweise spät aufblüht - die Liebe zur Musik begleitet sie schon ihr ganzes Leben lang.

"Schon von Kindesbeinen an wollte ich mich immer der Musik widmen. Gewissermaßen habe ich schon gesungen, bevor ich sprechen konnte", verrät sie im Gaesteliste.de-Interview. An die Art von Musik, die sie heute macht, dachte sie damals natürlich noch nicht, nicht zuletzt, weil es in ihrer Heimatstadt, der 2700-Seelen-Gemeinde Glen Rose in Texas, nicht viel gibt außer einem Kernkraftwerk, dem Creation Evidence Museum und ein paar Dinosaurierfußstapfen. "Dort gibt es keine Trennung von Kirche und Staat", erzählte sie unlängst in einem Interview mit einer britischen Tageszeitung, trotzdem ist sie rückblickend alles andere als unglücklich darüber, ihre Kindheit in diesem stark religiös geprägten Umfeld verbracht zu haben. "Ich habe es geliebt, dort aufzuwachsen, und ich liebe es jetzt noch mehr, auf der anderen Seite der Medaille zu sehen, wie völlig seltsam meine Herkunft ist."

Nach der Schule ging sie nach Austin, Texas, um das College zu besuchen, und tauchte dort in die schillernde Szene der selbsternannten "Musikhauptstadt der Welt" ein. Ein erstes prägendes Erlebnis in Sachen eigene Musik hatte sie allerdings schon früher. "Als ich dann 16 war, habe ich den ersten Song geschrieben, den ich auch mit anderen teilen wollte, und ich zeigte ihn einem Freund, der ihn mochte, aber trotzdem langweilig fand", erzählt sie. "Also habe ich irgendeinen beschissenen Garage-Band-Filter drübergelegt, und das gefiel ihm dann. Das hat mir gezeigt, dass ich auf diese Weise Songs kreieren kann, die nicht so direkt sind. Das war der Moment, an dem mir bewusst wurde, dass ich Musik nicht nur für mich selbst, sondern auch für andere mache."

Trotzdem bedeutet das nicht, dass Jana ihr Tun an Trends oder den Wünschen anderer ausrichtet. "Ich bin eine ziemliche Perfektionistin und nehme die Dinge sehr genau", gesteht sie. "Ich habe glasklare Vorstellungen davon, wie etwas zu klingen hat, und es macht mir nichts aus, wenn es manchmal eine ganze Woche dauert, bis für mich alles richtig ist. Natürlich würde ich manchmal auch gerne mit den Fingern schnipsen und den fertigen Song in Händen halten, aber ich mag auch den Bearbeitungsprozess, mir gefällt es, mir die Zeit zu nehmen, bis alles genau passt."

Die Songs, die dabei entstehen, vereinen sehr bewusste, konkrete (Arrangement-)Ideen mit einem wunderbaren Gefühl subtiler Beiläufigkeit. Oft haben ihre Lieder diesen besonderen Vibe, den auch Keith Richards im Sinne hatte, als er einst sagte, Songs seien wie Geschenke, die man erhält, wenn man seine Antenne ausfährt. Sieht Jana das auch so? "So denken nur du und Keith Richards", erwidert sie lachend. "Nee, ich kann da nur von ganzem Herzen zustimmen. Im Prozess des Songwritings geht es für mich darum, offen zu bleiben, egal, was auch passiert. Es geht darum, es sich in puncto Herangehensweise nicht zu bequem zu machen. Bis heute kann ich mich nicht hinsetzen und einen Song schreiben. Das ist gewissermaßen ein übernatürlicher Prozess, der für gewöhnlich mit einer Melodie in meinem Kopf beginnt."

Nach ihren ersten Gehversuchen als Solistin zog es sie immer wieder in die schützende Umgebung von Bandprojekten wie American Friend oder Knife In The Water, deren Mitglieder sie auch auf "Optimism" unterstützen, und gelangte dabei zu einer ungewöhnlichen Erkenntnis. "Das Spielen in Bands hat mir gezeigt, dass es keine Rolle spielt, ob jemand anders besser an deinem Instrument ist, dass es vielleicht sogar keine Rolle spielt, ob du schlecht an deinem Instrument bist", erklärt sie. "Es gehört zum Prozess des Wachsens als Musiker oder Musikerin, dass du anfangs an deinen eigenen Fähigkeiten zweifelst. Oft ist es allerdings so, dass das Publikum genau das am meisten anzieht, was du an dir selbst am meisten hasst. Die wichtigste Lektion ist deshalb wohl, mich bei dem Gedanken wohlzufühlen, schlecht zu sein."

Gewachsen ist Jana über die Jahre auch als Texterin. Waren ihre ersten Liedtexte kaum mehr als die Verlängerung ihres Tagesbuchs, hat sie sich inzwischen neue Herausforderungen gesucht. "Ich mag es, wenn Texte eine gewisse Distanz haben, denn dort sind der Humor und die Subtilität zu Hause", sagt sie bestimmt. "Ich würde meine Songs zwar nicht als lustig bezeichnen, aber wenn du zu nah dran bist an deinen eigenen Texten, stehst du schnell auf verlorenem Posten." Doch trotz ihrer klaren Vorstellungen - bisweilen ist Jana von ihrem eigenen Tun überrascht. Der Song "Jordan", mit dem spirituelle Themen in ihr Schaffen Einzug halten, erschien ihr im ersten Moment geradezu blasphemisch. Obwohl er deswegen beinahe gar nicht auf dem Album gelandet wäre, bildet die Nummer nun so etwas wie das Herzstück von "Optimism". Das Gefühl des Unbehagens, das sie zunächst zweifeln ließ, scheint sich letztlich als guter kreativer Motor für sie entpuppt zu haben. "Ja, definitiv!", bestätigt sie. "Je weniger sich ein Text nach mir anfühlt, desto besser ist er wahrscheinlich. Je weniger ich mich hinsetzen muss, um daran zu feilen, desto besser. Der Song 'Optimism' ist auf ähnliche Weise entstanden, es schien, als sei er vom Himmel gefallen. Wenn mir Zeilen aus dem Mund purzeln, die sich nicht anfühlen, als hätte ich sie geschrieben, dann ist das erst einmal ziemlich furchteinflößend, aber gleichzeitig auch ein Zeichen für mich, das weiter zu verfolgen."
Wie gut Jana daran tut, ihren eigenen Weg unbeirrt zu verfolgen, zeigen die überschwänglichen Reaktionen, die "Optimism" bereits beiderseits des Atlantiks eingeheimst hat - Vergleiche mit Julia Holter, Jessica Pratt, Cate Le Bon und Joni Mitchells berühmtem Erstling "Song To A Seagull" inklusive. Doch statt nach den Sternen zu greifen, sind Janas Ziele für die nahe Zukunft sympathisch bescheiden. "Ich würde gerne wieder Konzerte spielen", verrät sie am Ende unseres Gesprächs. "Viele Leute machen das ja inzwischen wieder, aber ich bin seit Februar 2020 nicht aufgetreten. Ich weiß, dass die letzte Zeit für alle seltsam und surreal war, aber wenn dieses Album dazu führt, dass ich wieder auf Tournee gehen kann, dann wäre das ein in Erfüllung gegangener Traum."
Weitere Infos:
www.instagram.com/janus__janus
janahorn.bandcamp.com
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Jacob Blickenstaff-
Jana Horn
Aktueller Tonträger:
Optimism
(No Quarter/Cargo)
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