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SUBTERFUGE
 
"Wir waren auch noch nie gut darin, uns einen Overdub zu verbieten."
Subterfuge
30 Jahre ist es inzwischen her, dass die beiden Songwriter, Sänger und Gitarristen Tommy Baumhoff und Lars Schmidt die Band Subterfuge aus der Taufe gehoben haben. Anfangs noch auf den Fersen der Indierock-Helden aus den USA und Großbritannien, folgte der frühen Sturm-und-Drang-Phase mit den beiden Alben "Fabulous" und "Marc" der 90er-Jahre eine klangliche Neuorientierung, die auf "I Do Birds" (2001) und "The Legendary Eifel Tapes" (2006) den Schwenk zu einem kultivierteren (Indie-) Pop-Sound bedeuteten. Trotz viel Lob aus den richtigen Mündern waren danach erst einmal andere Dinge wichtiger. Bis jetzt, denn nun kehren die sechs Düsseldorfer mit dem feinen Album "Dots." zurück, auf dem alte Tugenden und neue Ideen beeindruckend bruchlos zusammenfließen.
Zugegeben, Comeback-Platten von Herren im besten Alter können mitunter ganz schön gruselig sein, Subterfuge bilden mit ihrem ersten Album seit 16 Jahren zum Glück die Ausnahme. Auf "Dots." widmet sich Tommy und Lars gemeinsam mit ihren Mitstreitern - Schlagzeuger Daniel Klingen, Multiinstrumentalist Lorenz Naumann und die Zwillinge Kai und Tom Blankenberg an Bass und Keyboards - ihrer ungebrochenen Liebe zur Popmusik der 60er- und 70er-Jahre, ohne dabei den Fehler zu begehen, sich zu sehr an ihrer rauen, von stilsicheren Indierock-Einflüssen wie Superchunk, Sebadoh, Mega City Four und Ride befeuerten Frühphase oder am betont gediegenen, streckenweise fast ein wenig zu erwachsenen Sound ihrer Werke in den 00er-Jahren zu orientieren. Stattdessen gibt es zwölf erfreulich abwechslungsreiche Songs, die mal mit sprödem Gitarrensound, mal mit feinem Harmoniegesang glänzen und dank eines dezenten Psychedelik-Filters einen Draht zum Zeitgeist besitzen. Doch nicht nur im Tonstudio hat die kinderreichte Band Düsseldorfs (Selbsteinschätzung) wieder Blut geleckt, denn gleich am Veröffentlichungstag des neuen Albums starten Subterfuge auch ihre erste Tournee seit ihrer gemeinsamen Gastspielreise mit Ken Stringfellow Ende 2007. Los geht es am 04.03.2022 im Düsseldorfer Zakk, dem Ort, wo mit dem ersten Auftritt der Band vor drei Jahrzehnten alles begann. Zuvor allerdings nahmen sich Tommy und Lars noch ausführlich Zeit für unsere Fragen.
GL.de: 30 Jahre (brutto) Subterfuge - was sind eure Gedanken, wenn ihr euch das vergegenwärtigt?

Tommy: Ganz schön viel Zeit vergangen, seit wir diese Band gründeten, die erstaunlich schnell rumging! Gut, dass Lars und ich damals unsere New Wave Band Charming Crime verließen, um mit Mark ein eigenes Ding zu starten.

GL.de: Zur einer Weltkarriere hat es (bisher) nicht ganz gereicht, aber eure Musik ist bis nach Japan gereist und ihr habt mit einigen eurer größten Helden die Bühne geteilt. Wie zufrieden seid ihr mit den ersten drei Jahrzehnten und welche Träume dürften in Zukunft gerne noch in Erfüllung gehen?

Tommy: Indonesien sollten wir an dieser Stelle nicht vergessen. Dort gab es, vermutlich wegen eines Samplerbeitrags vor 20 Jahren, immer wieder Interesse an unserer Band, und zuletzt reiste unsere Musik auch in nennenswertem Maße nach England, Amerika und Spanien. All das können wir heute gut an unseren Spotify-Plays sehen. Nicht zuletzt deshalb erscheint "Dots." jetzt auch in Indonesien auf Tape und in Spanien auf Vinyl. Zufrieden sind wir, denke ich, alle mit dem Erreichten und vor allem dem gemeinsam Erlebten, denn eine Karriere als Popstar schien immer einigermaßen weit weg. Wenn es unsere Musik in noch weitere Teile dieser Welt schaffen würde, und wir ihr auf Tour hinterherreisen dürften, wäre das eine schöne Sache. Es gab mal eine Doku über eine schwäbische Hardcore-Band, die in Indonesien auf Tour geht. Sowas würde ich auch gerne mal machen. Aber zuallererst wünschen wir uns natürlich für unser neues Album "Dots." nach all den Jahren Pause eine angemessene Zuhörerschaft.

GL.de: Was macht den größten Unterschied aus, wenn ihr Subterfuge heute mit Subterfuge Mitte der 90er Jahre vergleicht – mal abgesehen von den Frisuren?

Tommy: Sicherlich gab es, als wir anfingen, neben der Musik den nicht unwichtigen Aspekt, sich gegenüber Freundinnen und Freunden exponieren zu wollen, denn damals spielte ja nicht jeder in einer Band. Und auch an der Story, dass Jungs in Bands mehr Schnitte bei den Mädchen haben, ist was dran. Aber ich denke, heute geht es tatsächlich vor allem um die Leidenschaft für Musik und der Ehrgeiz, dem übersättigten Musikmarkt noch etwas Sinnvolles in Form guter Musik hinzuzufügen zu wollen, spielt auch eine Rolle. Tatsächlich habe ich nach wie vor großen Spaß an dem klassischen Format "Song", etwas, dass man so im heutigen Mainstream Radio ja nicht mehr hört. Beim Schreiben ist es ja meistens so, dass man mit den ewig gleichen Akkorden auf der Gitarre herumklimpert und manchmal entdeckt man dabei etwas, was mehr als nur Geklimper ist und was nach eigenen Maßstäben das Potential für einen Song hat. Ein Glücksgefühl, wie wenn man auf dem Trödelmarkt in einer Kiste neben lauter Gerümpel irgendein wertvolles Objekt findet. Der schöpferische Prozess, das dann auszuarbeiten und mit sinnvollen Worten zu versehen, macht immer wieder Spaß und es wohnt ihm eine gewisse Magie inne. Es ist auch ein bisschen wie beim Puzzeln, zu sehen, wie sich dann die Teile langsam zusammenfügen.

GL.de: Subterfuge sind schon immer eine Band mit zwei Songschreibern mit eigenem Stil gewesen, aber was genau macht die Band in euren Augen und Ohren eigentlich aus? Mit anderen Worten: Gibt es irgendetwas, was ein Song, egal ob von Lars oder Tommy, braucht, um eine echte Subterfuge-Nummer zu sein?

Tommy: In erster Linie sollte eine solche Nummer allen Beteiligten gefallen und alle sollten darin irgendein Potential sehen. Da wir uns schon lange kennen, bringt, glaube ich, auch keiner halbgare Ideen mit, wenn wir gemeinsam Musik angehen. Es gab auch ehrlich gesagt selten Fälle von Stücken, die bei einer solchen Vorstellung "durchgefallen" wären, aber ein paar gab es. Manchmal geschieht es auch erst während oder nach Fertigstellung einer Platte, dass man einen Titel in ihrem Kontext nicht mehr als passend empfindet. So gab es bei den "Eifel Tapes" einen weiteren Song von mir mit starkem 60s/Bubble-Gum Pop Einschlag, den wir am Ende weggelassen haben, um die Wirkung der Platte nicht zu boykottieren. Einige dieser Stücke haben wir später als B-Seiten genutzt und sie sind auf unserer digitalen Compilation "Etc." zu finden.

Lars: Ich finde, über die Jahre hat sich auch so eine gemeinsame Vorliebe für Songstruktur / Komposition entwickelt. So gesehen weiß ich bei Ideen schon ganz gut, was mit der Band gut funktionieren könnte, und dann muss ich sagen, dass meine Songs immer sehr von den Beiträgen der anderen profitieren und damit dann zu Subterfuge-Songs werden.

GL.de: Eure Pause war gut getimt, ihr habt ein wenig die "Lost Weekend"-Phase der Musikindustrie ausgelassen, in der alle nur ratlos waren. Inzwischen scheint ja zumindest in Indiekreisen eine Art neue Aufbruchsstimmung zu herrschen, die Wege zum Erfolg sind ohne WDR1 Soundfabrik und VIVA, die euch damals viele Wege geebnet haben, zwar etwas verworrener geworden, aber dafür gibt es viele spannende neue Möglichkeiten in der digitalen Welt. Ist die Beschäftigung damit für euch eine willkommene Herausforderung oder notwendiges Übel?

Tommy: Die Beschäftigung mit diesen neuen Vertriebsmodellen und Aufmerksamkeits-Generatoren hat zuletzt vor allem Lars vorangetrieben. Ihm scheint das Thema großen Spaß zu machen, was uns allen weiterhilft. Bei unserer ersten fünf Platten gab es noch kein Social Media. Feedback zu unserer Musik bekamen wir über die Presse und auf Konzerten. Das einzige digitale Medium, über dass wir Feedback zu unserer Musik bekamen, war unser Website-Gästebuch, was noch auf meiner Festplatte liegt und was einige skurrile Diskussionen zu unserer Musik enthält. Durch unsere Social-Media-Präsenz in den letzten Monaten und die Feedbacks auf die ersten drei Singles des neuen Albums konnten wir eigentlich jetzt erst sehen, wie viele Leute da draußen etwas mit unseren Songs verbinden, Erinnerungen daran haben und sich auf neue Musik freuen. Nicht zuletzt das Feedback von Olli Schulz hat uns gefreut, der in seinem Podcast so etwas sagte wie "wir seien schon immer ein Geheimtipp für gute Songs gewesen" und der uns mit "The Snake Wife" auf seine hochfrequentierte Playlist gepackt hat. Nichtsdestotrotz haben wir uns auch ziemlich darüber gefreut, mit "Stephanie Said" auf Rotation im guten alten Radio bei WDR 5 zu gehen.

Lars: Willkommene Herausforderung und notwendiges Übel wechseln sich hier täglich ab. Auf der einen Seite ist es gerade für Bands wie uns ein Riesenvorteil, all diese neuen Möglichkeiten der Vernetzung zu haben. So etwas gabs ja früher nicht, da hat man eigentlich nur über Airplay bei den großen Medien bemerkt, wenn es Interesse an dem gab, was man da gemacht hat. Andererseits ist das wirklich nicht so unser natürliches Ding, immer präsent zu sein auf den sozialen Medien und dann auch das Gefühl zu haben, was man da postet, könnte irgendwen interessieren.

GL.de: Springen wir in die Gegenwart: Was ist aus eurer Sicht eigentlich die größere Überraschung - dass die Platte nun erscheint oder doch eher, dass es so lange gedauert hat?

Tommy: Die wirkliche Überraschung ist, glaube ich, dass es eine Band wie uns, die immer gute Musik gemacht hat, aber nie wirklich große Erfolge damit hatte, überhaupt noch gibt. Meine Frau sagt, sie hält es für ein Wunder, dass sich da sechs Typen gefunden haben, die ihr Ding so stoisch gemeinsam durchziehen, und das trotz Kindern, Misserfolgen, persönlichen Eitelkeiten (gibt es ja immer und in jeder Band), individueller Karrieren und Lebensplanungen usw. Und auch wenn vielleicht Lars und ich als Songschreiber etwas präsenter sind, darf man hier die Rolle von Daniel, Kai, Tom und Lorenz nicht unterschätzen die das ganze mittragen und ohne die diese Band so sicherlich nicht möglich wäre.

GL.de: Weil gerade die Namen der anderen vier Bandmitglieder gefallen sind: Auf der Platte wirkt ihr alle mit, auf euren Bandfotos oder live gab es zuletzt Abweichungen...

Tommy: Unsere Band hat irgendwann festgestellt, dass es immer mal Phasen gibt, wo der eine oder andere keine Zeit hat. Der Rest hat dann einfach weitergemacht. So war es auch bei den ersten Konzerten im letzten Jahr und bei den Bandfotos. Wenn die Mehrzahl kann, machen wir es. Wenn wir auf jeden einzelnen warten würden, könnten viele Dinge nicht stattfinden.

GL.de: Ihr habt nach "The Legendary Eifel Tapes", die mit etwas Verzögerung 2006 erschienen sind, mit der Arbeit an einer weiteren Platte begonnen, bevor ihr festgestellt habt, dass andere Dinge erst einmal wichtiger sind. Wie habt ihr euch damals mit der Entscheidung, die Band erstmal auf Eis zu legen gefühlt und wisst ihr noch, wie ihr euch damals eine eventuelle spätere Zukunft für Subterfuge vorgestellt habt?

Tommy: Wir haben tatsächlich nach den "Eifel Tapes" 2004 mit zwei weiteren Songs begonnen, diese dann aber wieder zu den Akten gelegt. Der eine Song, "The Good Good", ist damals in anderer Version auf einer Single beim Lolila-Label erschienen. Der andere, "Margarine", war mit zehn Minuten zu lang für eine Single B-Seite und wurde jetzt wieder von uns für die Platte rausgeholt und vollendet. Eine Entscheidung, die Band auf Eis zu legen, gab es eigentlich nicht. Das ist einfach so ausgefadet. Lars war dann in Kopenhagen und wir anderen haben uns nur noch zu Geburtstagen, Babypinkeln und anderen Events getroffen, aber nicht mehr regelmäßig zum Musikmachen. Wir waren durch die eher geringe Resonanz auf die "Eifel Tapes" auch alle etwas durch mit dem Thema und hatten erstmal gar keine Ambitionen und Visionen mehr für unsere Band. Unser Selbstbild hatte dadurch tatsächlich ein wenig gelitten.

GL.de: Auch wenn der Kontakt zwischendurch natürlich nie abgerissen ist: Wie dürfen wir uns denn den Prozess vorstellen, die Band nach all den Jahren wieder zusammenzubringen, noch dazu in gleicher Besetzung? Gab es eine bestimmte Initialzündung, die dazu geführt hat und/oder nach der klar war, dass alle wieder mit dabei zu würden?

Tommy: Der Kontakt war ja immer da und wir haben uns immer wieder gegenseitig bei unseren musikalischen Soloaktivitäten unterstützt. Bei einem ersten gemeinsamen Band-Wochenende 2014 entstand der Songs "Little I Know" - das letzte Stück auf der neuen Platte. Danach hatten alle irgendwie wieder Lust, wenn auch erstmal mit angezogener Handbremse. Aber je mehr wir machten, desto mehr Ambitionen waren da. Da wir alle - außer Daniel, der wohnt in Köln - nach wie vor in Düsseldorf und sogar im gleichen Viertel leben und alle Lust hatten, einen Teil beizutragen, war die Reunion kein organisatorisch schwieriger Akt.

GL.de: "Dots" klingt merklich lockerer und unbeschwerter als die "Eifel Tapes". Das gilt, trotz Ausreißern wie "The Good Good", auch für die Texte. Was treibt euch beim Schreiben an und wie hat sich das mit der Zeit verändert und worum drehen sich die Texte heute?

Tommy: Wo vielleicht auf unseren ersten Platten die "Boy meets Girl"-Themen überwogen, gibt es auf dieser Platte sehr viele autobiographische Momente. So handeln viele Songs von Dingen, die wir selber so in dieser Stadt oder anderswo erlebt haben. "Vacant Lots" könnte man als Anti-Gentrifizierungssong betrachten, der sich einstigen Brachflächen widmet, die mittlerweile Luxus-Neubauprojekten oder anderen Bauvorhaben gewichen sind, wie zuletzt in Düsseldorf der Kulturverein "Brause" oder unser Gartenverein "Datscha". "781" handelt von einem der Busse, mit denen wir als Vorstadt-Teenager Freitagsabend in die Innenstadt fuhren, wo das Leben interessanter zu sein schien. Lars und ich fuhren meist im 731, unsere coolen Freunde aus Unterbach (u.a. Ex-Schlagzeuger Mark Specht) mit dem 781 in die Innenstadt. "Margarine" handelt von Erinnerungen und Erlebnissen auf Tour.

Lars: Das lässt sich beliebig weiterführen: "The Snake Wife" und "What I Have To" thematisieren über die Jahre erlebte Geschichten, "The Good Good" beschreibt mein Innenleben in der schweren Phase nach der Eifel Tapes und bei "Four Slice Toaster" war dann einfach mal der digitale Konsum dran.

12. Die meisten Comebacks kranken ja daran, dass die Künstler entweder vergeblich versuchen, das Rad der Zeit zurückzudrehen oder ebenso vergeblich versuchen, als Menschen in den besten Jahren klanglich am Puls der Zeit zu arbeiten. Ihr dagegen findet scheinbar mühelos den goldenen Mittelweg. Ist das Können, Zufall oder das Ergebnis eines langen, akribischen Arbeitsprozesses?

Tommy: Das war wohl Bauchgefühl. Mit Sicherheit aber auch das Gefühl von Lorenz als Produzenten, der klare Vorstellungen hatte, wie das Ganze klingen und wie es nicht klingen sollte, um eine gewisse Modernität zu haben. Generell haben wir uns wenig verboten und bei einigen Stücken auch nochmal mittendrin das Ruder umgerissen, weil wir glaubten, das Wesen des Stückes verkannt zu haben. Bei einigen Songs wollten wir auch so klingen wie damals auf der "Marc". Orientierung bot hier Courtney Barnett, die ja auch irgendwie klingt wie aus den 90ern, aber dennoch aktuell. Bei anderen Titeln haben wir eine Hommage an von uns verehrte Künstler versteckt. So war z.B. die Idee bei "What I Have To" ihn ein wenig wie die Weather Prophets von Pete Astor klingen zu lassen und der Bass darin zitiert Lou Reeds "Walk On The Wild Side".

GL.de: Wie seid ihr die Arbeit an der Platten angegangen? Gab es bestimmte Dos and Don'ts oder war erst einmal alles erlaubt?

Tommy: Am Anfang wollten wir eigentlich ein sehr spartanisches, reduziertes Album aufnehmen. Lars und ich mögen beide die letzten Soloalben von Pete Astor und die seines Sidekicks James Hoar mit dessen Bands Ultimate Painting und The Proper Ornaments. Wir dachten an sowas. Als wir dann alle Songs beisammenhatten, war aber klar, dass die teilweise ein anderes Treatment benötigen würden. Wir waren auch noch nie gut darin, uns einen Overdub zu verbieten. So haben wir dann einfach in alter Manier weitergemacht.

Lars: Haha, stimmt genau! Irgendwann müssen wir so eine Platte aber auch noch machen.

GL.de: Wo kommt eigentlich dieser herrliche Psychedelik-Einschlag her, der ein wenig der heimliche Trumpf des Albums ist und klanglich Brücken baut zwischen den oft spürbar unterschiedlichen Ideen, die ihr zwei als Songwriter verfolgt?

Tommy: Es ist schön dass dir das auffällt. Exakt genauso hatten wir das auch schon intern umschrieben. Das psychedelische Element scheint irgendwie der rote Faden zwischen den durchaus unterschiedlichen Songs zu sein. Lars und ich sind ja seit jeher große Fans von The Cure und neben ihrem aus heutiger Sicht krautigen Meisterwerk "Seventeen Seconds" mögen wir beide auch ihre psychedelischen Alben "The Top" und "Pornography". Insbesondere bei unserem neuen Stück "Four Slice Toaster" scheint mir das ein wenig durchzuschimmern. Lorenz ist ewiger Pink-Floyd-Fan und hatte immer einen Tape Delay oder anderen Effekt am Start, wenn es darum ging ein Signal nicht nur richtig, sondern auch interessant aufzunehmen. Und auch die Pretty Things, die Byrds und CSNY haben wir bei der Produktion der Platte gegengehört und für Ideen konsultiert – vor allem, wenn es darum ging, unsere Harmony Vocals zu optimieren, worauf wir bei dieser Platte wieder großen Wert gelegt haben.

GL.de Bei den "Eifel Tapes" und zuvor bei "I Do Birds" schien stets der Song im Mittelpunkt zu stehen und alles andere war lediglich Ausschmückung. Dieses Mal scheint der Sound an sich mehr Raum zu haben und wichtiger für den Gesamtsong zu sein. Ist das Einbildung oder hat sich der Fokus etwas verschoben?

Tommy: Ich denke diese Beobachtung stimmt. Es war durchaus unsere Absicht, nicht nur auf gut gemachte Songs zu setzen, sondern dem Sound mehr Gewicht zu verleihen. Das war sicherlich auch Lorenz' Einfluss der, wie schon geschildert, bei einigen Titeln, aber auch für das Album in Gänze konkrete Soundideen hatte. Auch haben wir versucht, der bei uns oft vorherrschenden harmonischen Eintracht etwas Dissonanz entgegenzusetzen. So wechseln sich Songs in alter Subterfuge-Tradition mit Stücken ab, die wir so früher vielleicht nicht gemacht haben.

Lars: Wir denken, durch die Abwechslung bleibt dann der Spannungsbogen oben und man freut sich eher, wenn dann wieder eine schöne Harmonie kommt.

GL.de: Wo kommt heute die Inspiration her, speziell in klanglicher Hinsicht? Entdeckt ihr alte Helden neu oder sind es doch eher neue Künstler, die neu mit frischen Ideen versorgen?

Tommy: Lars hat sich, glaube ich, bei seiner Beschäftigung mit Spotify sehr viel aktuellen Indie angehört und auch geschaut, was da so die interessanten Genres sind – zum Beispiel Shoegaze und Jangle Pop. Ich werde mit Spotify nicht wo wirklich warm. Das ist mir alles zu viel. Mir begegnen aber auf anderen Kanälen immer mal wieder neue Bands oder Künstler. Die neuen Künstler, die mich in den letzten Jahren wirklich inspiriert haben, waren Ryley Walker, die Lemon Twigs und Califone. Wobei letztere nicht wirklich neu sind, sondern nur für mich eine Neuentdeckung waren.

GL.de: "Dots." ist das erste Subterfuge-Album, das auf eurem eigenen Label Less Records und pünktlich zur Veröffentlichung auch auf Vinyl erscheint. Herzensangelegenheiten oder eher Reaktion auf die Veränderungen im Musikgeschäft?

Tommy: Ich habe vor zehn Jahren eine Soloplatte als Ponyboy & Lovely Jeanny veröffentlicht. Obwohl ich ein Label hatte, war das nicht wirklich erfolgreich mit denen. Insofern empfand ich das damals als eine ziemliche Einzelkämpferei. Als dann Tom 2018 sein Album veröffentlichen wollte, sprachen wir alle über die Idee einer Labelgründung, um sich zukünftig nicht nur musikalisch, sondern auch bei der Promo für die jeweiligen musikalischen Projekte zu unterstützen, von denen ja noch einige zu erwarten sind. Lars arbeitet nach wie vor an seinem Konzeptalbum als The Modern Air & Space Society und macht ja auch noch Quent. Kai hat ebenfalls ein Album unter dem Künstlernamen Montblanc in Arbeit. Ich arbeite am nächsten Soloalbum und habe bereits zwei Drittel davon aufgenommen. Tom hat zwei Alben mit Klaviermusik veröffentlicht und weitere werden folgen. Insofern war die Gründung eines eigenen Labels nur konsequent und seitdem machen wir das. Vinyl musste als analoges Gegengewicht zum Spotify-Stream einfach sein, denn CDs - die es von unserem Album ebenfalls gibt - kauft ja keiner mehr. Als Vinyl-Fetischisten war uns das aber auch wichtig. Denn die 90er und frühen Nuller waren ja die Hochphase der CD. Insofern gab es unsere Alben bislang nie auf Vinyl.

GL.de: Pünktlich zur Veröffentlichung des Albums geht es nun auf Tournee. Was ist heute anders, wenn sich die Reisegruppe Subterfuge auf den Weg macht?

Tommy: Es gibt keine VW Soundfoundation mehr [die Subterfuge früher mit einem geliehenen Tourmobil unterstützt hat]. Den Rest müssen wir erst noch herausfinden.

Lars: Ich denke nicht, dass vieles anders sein wird als vor 15 Jahren. War ja bei allen anderen Bandaktivitäten auch bisher nicht der Fall.

GL.de: Letzte Frage: Was macht euch beim Musikmachen derzeit besonders glücklich?

Tommy: Dafür Zeit zu haben.
Weitere Infos:
www.subterfuge.de
www.facebook.com/idobirds
twitter.com/subterfuge91
www.instagram.com/sbtfg
subterfuge91.bandcamp.com
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Anika Potzler-
Subterfuge
Aktueller Tonträger:
Dots.
(Less Records/Cargo)
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