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ISOSCOPE
 
Pausenlos eigen
Isoscope
Keine Langeweile, keine Pause, immer spannend: Vor wenigen Tagen erschien mit "Ten Pieces" die erste Platte von Isoscope zumindest schon mal auf CD und digital. Eine großartige und aufregende, eine mal anstrengende, mal verstörend-schöne Platte, eine schräge, wilde, auch mal ausufernde und immer sehr, sehr eigen klingende Platte, auf der die Band mit Noise, Punk, Mathrock, Post-Punk, Wave, Psychedelic und Indierock spielt und daraus verkopft-klingende Musik aus dem Bauch heraus kreiert. Oder umgekehrt? Beides, alles, Isoscope, einfach richtig stark!
Die Band kommt aus Berlin, besteht aus Philipp (Gitarre, Gesang), Bonnie (Schlagzeug, Gitarre, Gesang), Konstantin (Gitarre, Keyboard, Klarinette, Schlagzeug, Gesang) und Merle (Bass, Gesang) und ist beim tollen Noisolution-Label beheimatet, auf deren Geburtstagsparty sie am 8. April 2022 zusammen mit Rotor und 24/7 Diva Heaven auch spielen (am 9. April spielen dann Daily Thompson, Silvershark und The Pighounds). Bonnie und Band freuen sich: "Die Noisolution Party stellt für uns gleichzeitig den Vinyl Release von 'Ten Pieces' dar und wird das größte Konzert, das wir bisher gespielt haben! Ich hab' super Bock drauf mit so tollen Bands, vor allem auch unseren Freundinnen spielen zu dürfen. Ich find es immer noch abstrakt, dass Noisolution so viel Vertrauen in uns hat und uns dabei haben möchte. Aber Noisolution hat uns ja schon ein paar Mal live spielen gehört, von daher kann es ja nicht so schlecht sein. Man kauft ja sprichwörtlich nicht die Katze im Sack. Wir bereiten uns auf jeden Fall jetzt schon auf die Labelparty vor bei unseren Proben."
Gaesteliste.de: Die Band ist - relativ - neu. Aber wer seid ihr in der Band? Könnt ihr euch einmal kurz vorstellen und was ihr vielleicht schon vorher gemacht habt?

Merle: Hi Gaesteliste.de! Ich bin Merle. Ich spiele Bass in der Band und singe. Isoscope ist meine erste Band und irgendwie auch meine erste große Liebe, haha. Davor habe ich zuhause oft Texte geschrieben und mit der Akustik-Gitarre für mich aufgenommen. Außerdem habe ich ein paar Jahre lang Saxophon gespielt.

Philipp: Ich bin Philipp, ich spiele Gitarre, bediene die Effektpedale und singe auch. Isoscope ist ebenfalls meine erste richtige Band. Davor habe ich mit meinem Looppedal in meinem Zimmer Songs "aufgenommen".

Bonnie: Ich spiele die Drums in Isoscope und singe. Beides habe ich vorher für mich gemacht, der Weg aus der Komfortzone war aber ein längerer Prozess. Isoscope hat den Knoten endlich zum Platzen gebracht.

Konstantin: Ich bin Konstantin und ich spiele Gitarre, Synth, Drums (in "World's End") und singe. Ich spiele auch die Klarinette in "Suneater". Früher habe ich in ein paar Bands gespielt und selbst Musik als Hobby gemacht.

Gaesteliste.de: Wie fühlt es sich an, wenn ihr euch als Teil von Isoscope das Album "Ten Pieces" von Isoscope anhört?

Merle: Mir macht das Album hauptsächlich aufgedreht über Lautsprecher Spaß, wenn man mit Freund:innen dazu tanzen kann. Oder live. Die Energie ist wichtig bei unseren Songs und wenn die stimmt, fühlt es sich einfach nur toll an.

Bonnie: Ich bin wirklich stolz, dass wir in Eigenmotivation dieses Album aufgenommen haben. Am liebsten höre ich "Metametal" und "Parts", die spiele ich auch am liebsten. "World's End" ist für mich eher schwierig anzuhören. Ich hab' immer noch ein Problem damit, meine Stimme zu hören.

Konstantin: Ich habe viel Spaß beim Anhören eigener Musik. Ich habe das Album gemischt und ich analysiere viele Sachen und denke manchmal, dass es eine gute Sache ist, dass es fertig ist, und ich nichts mehr ändern kann, andernfalls könnte ich es für eine Ewigkeit machen.

Gaesteliste.de: Was glaubt und was hofft ihr, was wir, die anderen, fühlen und denken, wenn sie es hören?

Merle: Ich glaube viele denken "Ist das schon das nächste Lied oder immer noch dasselbe?", weil wir oft von Genre zu Genre wechseln, auch innerhalb Songs, haha. Ich hoffe die Leute fühlen irgendwas! Ob Freude, Wut, Trauer, Etwas, was sie zum Nachdenken anregt. Darüber würde ich mich freuen.

Bonnie: Ich hätte auf jeden Fall gern mehr Feedback, weil ich echt keine Ahnung habe, was man so fühlt und denkt, wenn man das Album hört! Ich hoffe, dass man dem Album auf jeden Fall etwas Zeit gibt. Denn eines ist es definitiv nicht: leicht zugänglich. Ich würde es als Grower bezeichnen.

Philipp: Ich will, dass Leute das Album hören und sich keine Sekunde langweilen. Ich hoffe auch, dass sie erkennen, dass wir wirklich viel Arbeit in diese zehn Songs gesteckt haben, sodass sie auch etwas Besonderes und nicht bloße Kopien bereits existierender Songs sind.

Gaesteliste.de: Ich musste ganz oft an (die Musik, nicht die Stimme von) Mike Patton denken. Ihr auch?

Philipp: Ich habe nicht wirklich sehr viel Musik von Mike Patton gehört, aber er soll ein sehr vielseitiger Musiker sein, der in sehr vielen Genres Musik gemacht hat. Vielleicht siehst du da die Verbindung zu unserem Album, das sich auch nicht wirklich auf ein einziges Genre festlegen kann.

Gaesteliste.de: Worum geht es in den Songs? Welche Themen interessieren euch und worüber würdet ihr gerne mal einen Song machen, habt es aber noch nicht getan?

Philipp: Das variiert. Jeder in der Band hat Lyrics für mindestens zwei Songs auf dem Album geschrieben, deswegen gibt es eine ziemlich große Bandbreite an angesprochenen Themen. Die, die ich in meinen Texten anspreche, basieren primär auf persönlichen emotionalen Erfahrungen, die ich dann für den Song ein bisschen überdramatisiere. Ich denke meistens eher weniger darüber nach, worüber ein Song handeln soll. Der Schreibprozess für Lyrics fängt bei mir immer mit einem Satz an, den ich interessant oder lustig finde, der aber von sich aus noch keinen wirklichen Schluss auf ein Thema zulässt. Das zeigt sich dann erst nach vier oder fünf weiteren Zeilen. Ich liebe aber auch Songs, deren Texte keinen wirklichen Inhalt haben oder keinen Sinn ergeben, sich aber so anhören, als wäre das Gegenteil der Fall, wie z.B. bei den Bands Do Nothing oder Talking Heads. So einen Song würde ich sehr gerne schreiben.

Merle: In unseren Texten geht es eigentlich nie direkt über eine bestimmte Person, die wir ansprechen. Aber einen Lovesong würde ich trotzdem gerne machen. Ich glaube, da würden wir unsere Komfortzone verlassen.

Bonnie: Wie die anderen bereits erwähnt haben, sind die Inhalte unserer Texte sehr heterogen, da alle Bandmitglieder Texte schreiben. Ich habe die Angewohnheit, Texte wie Gedichte zu verfassen und denke oftmals abstrakt und vielleicht auch zu kompliziert, deshalb bin ich wohl nie so der Storyteller, wenn man mich schreiben lässt. Die Texte, die ich zu "Ten Pieces" beigetragen habe, sind sozialkritisch. Anscheinend meckere ich gern. Ein bestimmtes Thema, worüber ich einen Song machen wollen würde, fällt mir gerade nicht ein. Ich lasse mich davon inspirieren, was gerade so um mich herum passiert.

Gaesteliste.de: Wie wichtig sind euch die Texte im Vergleich zur Musik?

Philipp: Texte sind mir schon wichtig, aber am Ende des Tages ist mir die Musik wichtiger. Interessante Texte können die zugrundeliegende Musik auf jeden Fall verbessern und solche Lyrics zu schreiben ist meiner Meinung nach auch die größte Herausforderung beim Songwriting. Aber nicht jedes Lied braucht Texte. "Mirrored" von Battles ist eines der besten Rockalben aller Zeiten und ein Großteil der Lieder auf dem Album sind rein instrumental. Wenn ein Lied auf "Mirrored" Gesang hat, sind es meist textlose Melodien und sollte es Lyrics haben, spielen sie eine sehr untergeordnete Rolle. Wenn die Musik allein schon sehr gut ist, sind Texte nicht unbedingt notwendig. "Mirrored" ist aber vielleicht auch ein Einzelfall, weil in jedem Song so viel auf einmal passiert, dass zu viel Gesang mit Texten eher ablenkend wirken würde.

Merle: Für mich sind Lyrics genauso wichtig wie die Musik. Mit den Texten identifiziere ich mich und die Musik gibt die Stimmung vor. Deshalb lege ich großen Wert darauf, was wir singen. Was nicht heißt, dass instrumentale Songs nicht auch ganz tief ins Herz treffen können.

Bonnie: Mir sind Texte selten wichtig, das heißt jedoch nicht, dass sie allgemein unwichtig sind. Messages durch Songs zu verbreiten ist wichtig! Ich werde allerdings echt selten durch Texte gecatcht. Mir liefern Melodien dann eher eine Verbundenheit zum Song als die Textinhalte. Ich bin echt ein Fan davon, wenn man aus einer lapidaren Sache ein Ereignis macht, indem man es einen ganzen Song widmet, oder es mit Lyrics schafft, ein Gefühl beim Hörer:innen hervorzurufen, über das man sich noch nie vorher Gedanken gemacht hat.

Konstantin: Für mich ist die Musik die wichtigste Sache, die "the Mood" bringt und ich sehe Lyrics als Mittel, das hilft, die Zuhörer:innen in den "Mood" zu versetzen.
Gaesteliste.de: Vier Menschen in der Band, vielleicht bis wahrscheinlich vier Geschmäcker, viele musikalische Richtungen auf der Platte - wie schwer war es, sich musikalisch "zu vertragen", sich auf Songs zu einigen und sich für die Songs mit den Stilen und Stimmungen zu entscheiden, die es am Ende auf die Platte geschafft haben?

Merle: Mmmh, gute Frage. Ich bringe zum Beispiel das poppige mit in die Basslines. Die versuche ich dann so anzupassen, dass es auch zum Song passt und es allen gefällt. Jede:r hat einen eigenen Stil und zusammen entsteht dann was Neues. Wir haben an vielen Genres Spaß, was man auf dem Album bestimmt hören kann.

Bonnie: Einige Songs wie "The Beach" oder "Wired" würde ich als geradlinige Werke bezeichnen, bei denen wir eine Idee hatten, die zu Beginn bei allen von uns im Kopf Sinn ergeben hat und eine Grundstimmung vermittelt hat "wie es klingen soll". Und dann gibt es so Songs wie "Starting A Dire", den ich eher als eine Reise bezeichne. Genau so würde ich auch die Entwicklung dahin beschreiben. Viele Ideen, Einflüsse, die gehört werden wollen, und denen wir Raum geben. Ich habe jetzt schon öfter den Spruch gehört "Rausstreichen ist auch wichtig und tut dem Song gut". Ich denk mir dann aber so: wieso? Wer sagt mir, wie ein Song zu klingen hat? Wieso soll ich mich daran halten, dass ein Song nur im Klimax funktioniert? Und wieso soll er, mal mit einer willkürlich gewählten Zahl, nicht länger als fünf Minuten sein? Unsere Songs sind ein Potpourri und das hört man. Und das liebe ich auch daran.

Konstantin: Es ist manchmal schwierig, einen Weg zu finden für ein Lied, der alle vier zufrieden stellt. Diskussionen und die Auswahl - wir sind da demokratisch.

Philipp: Ironischerweise habe ich das Gefühl, dass es im Vergleich zur Anfangszeit von Isoscope mittlerweile viel länger dauert, bis wir uns wirklich einig sind, wie die neuen Songs aussehen sollen. Das liegt aber höchstwahrscheinlich einfach daran, dass wir mit der Zeit angefangen haben, höhere Ansprüche an uns stellen, die Songs komplexer geworden sind und wir eine Wiederholung von Ideen in unseren Songs vermeiden wollen.

Gaesteliste.de: Wie muss man sich euch beim Bandmachen vorstellen? Wie schreibt ihr und wie nehmt ihr später auf?

Philipp: Bei "Ten Pieces" gab es keine feste Vorgehensweise, wie die Songs geschrieben wurden. Einige haben wir geschrieben, als wir zusammen im Proberaum gejamt haben, bei anderen schrieb eine*r von uns eine Songidee und wir versuchten diese Idee dann beim Proben zusammen weiterzuentwickeln. Wiederum andere wurden von einem Mitglied alleine geschrieben und die anderen Mitglieder änderten nur noch einige Details oder einzelne Passagen, die uns nicht wirklich gefielen. Die Songs haben wir dann in unserem Proberaum aufgenommen und wurden von Konstantin gemixt und produziert.

Gaesteliste.de: Wie klang das Album, bevor Noisolution euch reingeredet haben?

Philipp: Das einzige, was sich an dem Album wirklich verändert hat, nachdem wir bei Noisolution gelandet sind, ist, dass das Mastering um einiges besser als bei unserem Independent-Release des Albums Ende Juli 2021 ist. Es hört sich jetzt viel offener, nicht mehr so compressed und generell einfach viel besser an. Wir haben die Chance auch genutzt, um noch ein paar Sachen im Mixing zu korrigieren, das waren aber nur kleinere Details. Ich bin vor allem gespannt, wie sich das Album auf Vinyl anhören wird. Bis ich das weiß, muss ich aber noch bis April warten.

Gaesteliste.de: Haben euch denn 24/7 Diva Heaven reingeredet? Geholfen? Beim Musik machen oder der Labelfindung? Ihr seid zusammen Teil des Grrrl Noisy Kollektiv und bei Noisolution.

Bonnie: Nein, Diva Heaven haben uns nicht "reingeredet". Wir haben Kat nach ihrer Meinung zum Album gefragt, weil wir Feedback haben wollten. Das war sozusagen unser Glück, denn Noisolution hat unabhängig davon zufällig einen Song von uns gehört und dann genau wegen der Connection zu uns bei Kat nachgefragt, wer wir sind und wieso man nichts weiter über uns findet. Da hat Kat mal unser Album rübergeschoben und et voila: NOISOSCOPE war geboren. 24/7 Diva Heaven sind sozusagen die Geburtshilfe gewesen.

Gaesteliste.de: Was passiert 2022 noch so mit euch?

Merle: Neue Songs! Konzerte! Ansonsten lasse mich auch gerne überraschen und versuche meine Erwartung niedrig zu halten. Man weiß ja nie, wie einschränkend Corona dieses Jahr wird.

Bonnie: Es brodelt gerade einiges vor sich hin. Man wird von uns hören! Priorität hat für mich auf jeden Fall das Songschreiben dieses Jahr.
Weitere Infos:
isoscope.bandcamp.com
www.instagram.com/isoscope_band
www.isoscope-band.de
www.youtube.com/channel/UCYvl-_TIvYsdAp123Z8ZbnQ
Interview: -Mathias Frank-
Foto: -Pressefreigabe-
Isoscope
Aktueller Tonträger:
Ten Pieces
(Noisolution/edel)
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