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WET LEG
 
Der andere Fischtopf
Wet Leg
Was haben aufblasbare Hummerscheren, nasse Beine, Chaiselongues, Yeti-Kostüme, Handys, Schaukelpferde und Leuchttürme miteinander zu tun? Nun - außer, dass das alles in den Videos des von Rhian Teasdale und Hester Chambers gegründeten, kunterbunten Indie-Pop-Projektes Wet Leg auftaucht, eigentlich gar nichts. Und ein bisschen ist es diese unbedarfte Bedeutungslosigkeit, mit der Rhian und Hester kokettieren, die die eigentliche Faszination des inzwischen zur Band mutierten Duo-Projektes von der Isle Of Wight ausmacht. Das gilt übrigens auch in Bezug auf den stilistischen Gehalt des kunterbunt und kreativ zusammengewürfelten Indiepops, mit dem Wet Leg innerhalb kürzester Zeit zum nächsten dicken Ding in Sachen Alternative der britischen Musikszene geworden sind. Es begann alles mit der Debüt-Single "Chaise Lounge", die im Sommer letzten Jahres mit Millionen von Streams durch die Decke ging und erreicht nun seinen vorläufigen Höhepunkt mit der Veröffentlichung des selbst betitelten Debütalbums. Dass die ganze Geschichte aber nicht nur unbedarft, sondern auch ein wenig unwirklich wirkt, hat einen ganz einfachen Grund: Denn geplant war das alles gar nicht.
Ist Wet Leg tatsächlich eine Band aus der Isle Of Wight-Szene? "Ja, wir kennen auch Paul Butler und die Bees", berichtet Hester, "und ich lebe immer noch auf der Isle Of Wight, während Rhian in London wohnt." Die Frage zielte in die Richtung, ob Wet Leg beim Schreiben der Songs auf gewisse Weise von der Umgebung auf der Isle Of Wight inspiriert sein mochten? "Vielleicht unterbewusst", erklärt Rhian, "wenn man nämlich einen Schritt zurück macht und die Sache aus der Entfernung beobachtet. Es gibt da zum Beispiel Referenzen zum Schwimmen im Meer in unseren Texten - was man vielleicht nicht mitbekommt, wenn man nicht aus einem Küstenort mitbekommt. Und dann ist es natürlich so, dass man sowieso von den Dingen um sich herum beeinflusst wird, wenn man in einem kleinen Ort eine Band gründen will." Die Musik von Wet Leg klingt vor allen Dingen sehr spontan. Gab es denn überhaupt einen Plan, als es daran ging, Musik zu machen? "Nun ja, die Songs, von denen du denkst, dass sie spontan entstanden sind, sind vermutlich auch spontan entstanden", verrät Rhian, "es ist manchmal recht spaßig, was so aus deinem Hirn kommt, wenn du auf die Aufnahmetaste drückst. Das kann ein halber Song sein oder die Basis für einen Track, auf dem du dann aufbauen kannst. Es ist erstaunlich, was da passieren kann." Nun muss man aber als Musiker(in) doch gewisse Aspekte seines Tuns auch kontrollieren, oder? "Also, ich meine, man muss nicht mal in der Lage sein, ein Instrument zu spielen", lacht Rhian, "ich weiß nicht - ich denke nicht, dass ich irgendwelche Regeln beachte." "Ach, die Regeln", seufzt Hester, "ich denke, wir wollten als Wet Leg einfach Musik machen, die keinen Regeln folgt. Es war eine frische, neue Sache, was meinen Kopf betraf und als Rhian dann eine Gitarre anfasste, war das auch neu. Für uns war das Musizieren einfach wie eine große Reise. Es hat einfach Spaß gemacht." Gibt es denn irgend eine Art von Ziel für Wet Leg? "Also wenn es überhaupt ein Motiv für uns gegeben hat, als wir beschlossen, Wet Leg zu gründen, dann war es, eine gute Zeit zu haben", räumt Rhian ein, "und das geht natürlich Hand in Hand mit der Idee, auch die Zuhörer zu unterhalten." "Ich denke aber schon, dass wir ein wenig selbstsüchtig waren", gesteht Hester, "unsere Songs sollten vor allem uns zum lächeln bringen oder kathartisch sein." "Es ist aber nicht so, dass wir immer diese Einstellung hatten", ergänzt Rhian, "denn wir haben Jahre damit verbracht, unsere Ängste zu kultivieren und immer immer darauf zu achten, was die anderen von uns denken könnten. Mit Wet Leg wollten wir dann unsere Ängste beiseite schieben und stattdessen einfach das machen, was wir machen wollten." Und das wäre? "Ich denke, dass es uns dabei, in einer Band zu spielen und Songs zu schreiben, immer zuerst um die menschliche Verbindung geht", führt Rhian aus, "wenn du dann realisierst, wie die Songs entstehen, ist das wie Teile eines Puzzles zu finden. Ich löse nämlich immer Kreuzworträtsel, wenn wir um Studio sind. Mit jemand anderem zu musizieren, fühlt sich an wie nichts sonst auf der Welt."

Geht es denn nicht auch um die Fans? Möchten Wet Leg die Fans mit ihrer Musik inspirieren? Vielleicht sogar Vorbilder sein? "Sicher", erklärt Rhian, "je mehr junge Mädchen oder Frauen unsere Musik hören und uns sehen, desto mehr von uns werden ermutigt, selber Musik zu machen. Und je mehr sich uns anschließen, desto besser wird es ja auch." Was war denn dann die Aufgabe von Produzent John McMullen? Vielleicht die, Ordnung in das Chaos zu bringen? "Er hat uns eher noch ermutigt", meint Hester, "er hat uns erst mal machen lassen und uns dann sogar noch aus unserer Komfortzone gedrängt. Nimm zum Beispiel unseren Drummer Henry Holmes. Er ist sehr gut und John konnte seine Fähigkeiten und seine Dynamik genau einschätzen. Es war so, als könnte er bereits genau hören, was Henry in diesem und jenen Song spielen würde, bevor wir ihn überhaupt angegangen sind." "John ist auch sehr gut darin, einzuschätzen, was der beste Take wäre", ergänzt Rhian, "Henry ist nämlich ein Perfektionist und hätte gerne manche Takes noch 100 Mal aufgenommen. John hat aber erkannt, dass kleine Imperfektionen gut für einen Song sein können."
Wet Leg
Kommen wir mal zu dem unkonventionellen Soundmix aus New Wave, E-Pop, Krautrock und Schrammelpop, der unter dem Strich die Musik von Wet Leg so unberechenbar, aber auch so spannend macht. Wovon lassen sich die Damen denn musikalisch inspirieren? Oder ging es von vorneherein darum, etwas zu machen, was es vorher noch nicht gegeben hatte? "Also eigentlich denken wir über solche Fragen gar nicht besonders intensiv nach", meint Hester, "als wir ins Studio gegangen sind, waren all unsere Demos in einem Ordner - und das war unser Startpunkt. Wir haben uns nicht auf andere Musik bezogen. Es ging uns darum, organisch auf dem aufzubauen, was wir hatten." "Wir wurden aber gebeten, einige Referenzen zu nennen", ergänzt Rhian, "das haben wir dann aber gelassen, weil wir gar nicht darüber nachdenken wollten. Der Gedanke, das ganze Album zu machen, fühlte sich zunächst mal sowieso ganz fremd an, weil wir weitestgehend unvorbereitet waren - denn ein Album einzuspielen, war ja ursprünglich gar nicht geplant." Da kam dann sozusagen wohl der Erfolg der ersten veröffentlichten Singles wie "Chaise Longue" oder "Wet Dream" dazwischen.

Zumindest Rhian arbeitete zuvor schon an musikalischen Projekten. Warum haben diese denn wohl nicht funktioniert - Wet Leg aber sehr wohl? "Wir haben unsere früheren Projekte nicht so ernst genommen", erklärt Rhian, "wir haben das so nebenher gemacht - und irgendwann hatte zumindest ich auch keine Lust mehr. Ich hatte sowieso nur Musik gemacht, weil ich sehr isoliert lebte und war dran, das aufzugeben. In der Minute, wo wir beide dann gar nicht mehr versuchten, etwas auf die Beine zu stellen und einfach glücklich mit anderen Aspekten unseres Lebens waren, kam auf einmal der Erfolg - gerade als wir aufgehört hatten, es überhaupt zu versuchen." Das ist ja mal ein interessantes Konzept. Hing das auch damit zusammen, dass Rhian und Hester nun gemeinsam agierten? "Ja, wir haben uns beide sehr stark ermutigt", führt Hester aus, "wenn du nämlich als Solo-Künstler arbeitest, ist es sehr viel schwieriger, dich selbst irgendwie zu motivieren, speziell wenn du isoliert lebst. Das, was wir jetzt machen, ist dann ein ganz anderer Fischtopf." (Das bedeutet bei uns in etwa: "Das steht auf einem anderen Blatt".) "Ja - und nun ist es so, dass wir uns sogar an den Tagen, an denen wir Zweifel hegen, uns fragen, was wir eigentlich machen und uns verletzlich fühlen, ermutigen, einfach weiter zu machen", ergänzt Rhian.
Neben der musikalischen Seite spielen ja die Videos von Wet Leg eine große Rolle in der Präsentation von Wet Leg. Wer zeichnet denn hier verantwortlich? "Rhian hat eine Menge Ideen", erklärt Hester. "Hester aber auch", fügt Rhian hinzu, "wir schnappen unsere Ideen auf und präsentieren diese dann den anderen in der Band und meiner Schwester, die die Kamera führt und die Einstellungen plant. Die Charaktere arbeiten wir dann selber aus." Aber wie man sich mittlerweile denken kann: Einen bestimmten Plan gibt es auch hier nicht. "Nein - wir sagen uns immer: 'Hey - schau mal da' und machen das dann einfach", erklärt Rhian nicht wirklich, "'Ja - lass uns das machen' und 'ja - das auch'." "In der Tat hatten wir irgendwann eine lange Liste von Szenen, die wir drehen wollten - weil eine Idee zur nächsten führte", ergänzt Hester, "dass wir irgendwann einfach aufhören mussten und uns dann auch dachten: Ja, das sieht wie ein Musikvideo aus." Und so entstehen dann Oddities wie das Video zu Wet Dream, in dem sich Rhian und Hester mit aufblasbaren Hummer-Scheeren in Amish-Kostümen eine Kissenschlacht mit ihren Bandkumpels in einem Maisfeld liefern. Muss man also nicht verstehen - macht aber Spaß und man kann dazu tanzen. Und das ist es ja, worum es Wet Leg geht.
Weitere Infos:
www.wetlegband.com
wetleg.bandcamp.com
www.facebook.com/wetlegit
twitter.com/wetlegband
www.instagram.com/wetlegband
en.wikipedia.org/wiki/Wet_Leg
www.dominomusic.com/artists/wet-leg
www.youtube.com/watch?v=Zd9jeJk2UHQ
www.youtube.com/watch?v=tjpgJjdk52c
www.youtube.com/watch?v=UB3PJwPMHzQ
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Hollie Fernando-
Wet Leg
Aktueller Tonträger:
Wet Leg
(Domino Records/GoodToGo)
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