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DANIEL BENYAMIN
 
Unheimlich. Schön.
Daniel Benyamin
Bis 2019 war er als Daniel Benjamin noch Teil SEA + AIR. Jetzt macht er es als Daniel Benyamin alleine, ohne alleine zu sein, Zar Monta Cola (Jumbo Set) unterstützt am Schlagzeug und Synthbass. Gemeinsam musiziert man sich auf "Eral Fun" durch 80er Pop, Wave und Glam. Manches davon kommt mit ganz viel Gefühl, "Lights Go Out Tonight" erinnert gar an die Balladen von A-ha, anderes wie "Angel In Danger" gehört in den Club. Ode wie Benyamin es nennt: Naive Music. Daraus hat er eine bunte, spannende Platte geschraubt. Oder wie er selbst sagt: "Ich wollte ein musikalisches Gebäude bauen, beim Betreten dessen die Leute zwar das derzeit so beliebte Retro - Gefühl bekommen, aber eher im Sinne von: beobachtet mich grade jemand? So ein bisschen unheimlich. Wichtig war mir dabei, die eher unmodischen Sounds meiner Jugend zu verwenden."
Du hast sechs Jahre an dem Album gearbeitet. Wann in dieser Zeit hast du gewusst, wie es am Ende ungefähr klingen soll?

Damals habe ich das Keyboard meiner Kindheit wiederentdeckt und sehr viel Spaß daran gehabt. Das M1 von Korg, ein großes Spielzeug. Mir wurde klar: Aus diesen Sounds möchte ich ein ganzes Album machen. Die meiste Synthiemusik arbeitet ja mit fertigen Klängen, obwohl Synthesizer eigentlich für eigene Klangerzeugung stehen. Ich fand es interessant, dieses Paradox zu pervertieren: Weg von der Klangerzeugung durch Synthesizer hin zu Voreinstellungen, die für Leute wie ein Zuhause klingen können.

Wie klingt es denn für dich? In welchen Situationen sollten es sich die Leute da draußen anhören?

Ich wollte ein musikalisches Gebäude bauen, beim Betreten dessen die Leute zwar das derzeit so beliebte Retro-Gefühl bekommen, aber eher im Sinne von: beobachtet mich grade jemand? So ein bisschen unheimlich. Wichtig war mir dabei, die eher unmodischen Sounds meiner Jugend zu verwenden. Mich zurückzuversetzen in eine Zeit, in der ich natürlich wie meine Schulfreunde Nirvana und Sonic Youth gehört habe, aber heimlich auch eine Riesenfreude am verpönten Riesenkeyboard meines Vaters hatte, der darauf sakrale ABBA-Presets zelebrierte. So kann dann eher was Neues entstehen, als wenn ich versuchen würde, in einer Welle mitgespült zu werden. Die beste Situation, dieses Album zu hören ist definitiv das Hinundhergerissensein. Der Zustand zwischen wach sein und schlafen. Zwischen Trauer und Spaß. Davon handelt "Eral Fun".

Was war dir beim Songwriting besonders wichtig, was wolltest du unbedingt auf dem Album haben?

Am wichtigsten war mir, einzufangen, wie ich mich im Augenblick fühle, in dem ich zum Instrument greife. Das geht für mich nur, wenn ich auch zulasse, Gefühle auszudrücken, die ich später bereue. Ich bin der Meinung, so entstehen die besten Songs. Daher auch "Naive Music". Unmittelbare Gefühle, ganz ohne Hintergedanken. Schon frühere Songs wie "Do Animals Cry?" entstanden so. WTF? Aber in dem Moment war das Gefühl real und elementar. Dazu kommt natürlich der ständige Anspruch, handwerklich gute Songs zu schreiben.

Schreibt man die Songs anders, wenn man weiß, dass sie für einen selbst und nicht für eine Band sind?

Ich habe schon immer so geschrieben, auch für die Bands, in denen ich war. Da spielt immer eine komplette Band im Kopf mit. Das schwierige ist, das dann umzusetzen. Ich mag es, wenn andere eine fertige Idee verändern und verbessern, daher war es etwas schwierig, mich selbst zu überraschen. Aber ich habe angefangen, mit mir selbst zu jammen und das war dann ein Durchbruch. Das haben Leute, die die Musik früh gehört haben und mein musikalisches Output gut kennen, auch gesagt: Du findest hier neue Wege für dich selbst, vor allem in der musikalischen und gesanglichen Performance.

Fehlte dir manchmal ein kreativer Gegenpart, der dich unterstützt und auch Feedback gibt? Oder warst du sogar freier, weil dir keiner "reingeredet" hat?

Das ist eine interessante Frage. Es ist erstaunlich, wie wenig Musiker wirklich am Komponieren interessiert sind. Für mich ist das Erschaffen am allerwichtigsten. Für die meisten, mit denen ich arbeite, ist jedoch das Spielen der Grund, Musik zu machen. Das ist natürlich ein Glücksfall für mich. Ein bisschen wie ein Komponist, der sich ein Orchester voller toller Musiker vorstellt. In jedem meiner letzten Projekte musste ich die anderen immer wieder auffordern, bitte auch mal was zu komponieren.

Wem hast du deine Songs denn das erste Mal vorgestellt und wie wichtig ist dir Meinung anderer?

Die Meinung anderer ist mir wichtiger, als sie vielleicht sein sollte. Wenn meine Freundin oder mein Mitmusiker Zar Monta Cola die Songs nicht mögen, habe ich ein Problem. Wenn ich allerdings den Eindruck habe, dass eine Person die Gesamtkomposition nicht fühlen kann, weil sie nicht aufmerksam zuhört, ist mir auch ziemlich egal, was andere denken.
Was sind deine Erwartungen an die Platte? Was soll passieren, was erhoffst du dir, wie wichtig ist dir kommerzieller Erfolg?

Ich denke - und das sag ich nicht jedes Mal -, dass diese Platte die beste ist, die ich je gemacht habe. Daher habe ich meine Erwartungen zum einen schon erfüllt. Kommerzieller Erfolg dazu wäre natürlich schön, aber nur, wenn er mit einer echten Hörerschaft einhergeht und nicht mit heißer Luft. Da muss ich realistisch bleiben: Durch die Krisen, also nicht nur die Pandemie, sondern auch die der zerbröckelnden Musikszene, muss ich mich von jeder zahlenmäßigen Erwartung frei machen. Natürlich habe ich es durch meine Vergangenheit etwas leichter, aber irgendwie muss ich auch wieder bei null anfangen und die Menschen neu überzeugen. Das ist kommerziell ein Überlebenskampf, künstlerisch aber auch ein Riesenvorteil. Daher glaube ich, dass die Platte langsam wachsen und sich letztendlich bei denen, die genau hinhören, durchsetzen wird. So höre und mache ich selbst Musik.

Was hast du am Ende selbst eingespielt und wobei bekamst du Unterstützung?

Ich habe alles selbst eingespielt bis auf einen Song, den mein guter alter Freund Böni getrommelt hat. Der ungarische Ringo.

Was geht live, was passiert, wer kommt mit, wann geht es los?

Live spiele ich viele verschiedene Instrumente im guten alten Duo mit Zar Monta Cola an Drums und Synthiebass. Wir wollen durchaus die multiinstrumentale SEA + AIR-Idee auf ein nächstes Level treiben. Das dauert natürlich seine Zeit, aber wir werden mit jeder Tour besser und profitieren unglaublich von der Punkenergie unserer Teeniejahre. Wir haben seit 2020 viele kleine Covid-Tourneen gemacht. Ab Mai gehts dann richtig los, Clubgigs, Festivals und im Herbst dann eine große europaweite Tournee.

Wie geht es sonst mit dir weiter? Erstmal sicher weiter solo oder kann deine nächste Platte auch mit einer Band sein? Und: Schreibst du schon wieder?

"Eral Fun" ist ja Teil eins einer Pentalogie über menschliche Zustände. Die anderen vier Alben kommen also ziemlich zeitnah. Aber ebenso konzentriere ich mich auf das Label "Ghost Palace", das ich mit anderen Künstler*innen gegründet habe. Da gibts viel zu lernen, viel zu entdecken. Und wir haben ein paar verrückte Ideen, wie wir es Künstler*innen in Zukunft möglich machen können, von ihrer Kunst zu leben und diese kompromisslos ausleben zu können.

Im Promo-Text zu deinem neuen Album ist die Rede von 400 geschriebenen Songs. An wie viele erinnerst du dich noch und gibt es da ein paar Highlight-Lieder, die dir besonders wichtig waren oder sind?

Ich erinnere mich an jeden einzelnen. Sie sind wie Spielzeuge, die zwar manchmal irgendwo unter den Schrank oder in die Sofaritze gerutscht sind, aber ich weiß: irgendwo muss da noch was sein. Highlights sind für mich immer Songs, die ich handwerklich gelungen finde und die andere Leute berühren. Daher ist zum Beispiel "Smile Somehow" auf meinem neuen Album, ein Song den ich als Teenie geschrieben habe und den ich immer wieder vermisst habe, weil er mir und anderen viel bedeutet hat.
Wie war es mit Whitney Houston auf Tour und wie war die so?

Eine seltsame und sehr schöne Erfahrung. Das herkömmliche Whitney-Publikum kann ja erstmal mit meiner Musik überhaupt nichts anfangen. Dass es nach einem katastrophalen Start in Leipzig, wo ich von einer Wand aus 15.000 eingefleischten Fans mit "Wür wöllen Wütney sähn"-Chören niedergeschrien wurde, noch so schön wurde (Standing Ovations und ausverkaufte Merch-Tische), zeigte mir, dass meine Musik doch massentauglicher ist als ich dachte. Whitney habe ich nur einmal kurz getroffen. Sie kam immer drei Minuten vor ihrem Auftritt mit einer Limo aus dem Hotel und rauschte drei Minuten nach dem Auftritt wieder ab. Beim letzten Konzert wurde sie mir noch vorgestellt. Ihr Management trichterte mir ein, dass ich sie auf keinen Fall berühren darf. Wir haben uns natürlich erstmal umarmt. Selbst in diesen fünf Minuten Smalltalk konnte ich sehen, dass sie eine sehr liebevolle Person war, die nicht nur ein Programm abspulte. Und einmal in Wien dankte sie beim Konzert "Mr. Benyamin Daniel" für seinen "amazing support", das fand ich unglaublich.
Weitere Infos:
www.danielbenyamin.com
www.facebook.com/danyelbenyamin
www.instagram.com/daniel__benyamin
Interview: -Mathias Frank-
Foto: -Lena Mielke-
Daniel Benyamin
Aktueller Tonträger:
Eral Fun
(Ghost Palace/Cargo)
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