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MARINA ALLEN
 
Ab durch die Mitte
Marina Allen
Die Songwriterin Marina Allen aus L.A. bezeichnet sich selbst als "Spätzünderin". Das meint, dass sie - ihrer Meinung nach - erst recht spät anfing, im Alter von 16 oder 17 Jahren eigene Songs zu schreiben, dann noch sehr lange brauchte, bis sie genug musikalisches Selbstbewusstsein angesammelt hatte, um sich an ihr Debüt-Album "Candlepower" zu wagen, an dem sie dann wieder einige Jahre herumbastelte, und das sie schließlich im letzten Jahr mitten in die Pandemie hinein veröffentlichte. Insgesamt lässt sich aber sagen, dass sich die lange Vorbereitungszeit insofern gelohnt hat, als dass dieses Album dann klang, als sei da eine versierte Meisterin vom Himmel gefallen. Das gilt im wesentlichen auch für ihr neues Album "Centrifics", das sie nun bereits ein Jahr später vorlegt. Denn sowohl auf "Candlepower" wie auch "Centrifics" erwartet den Hörer ein höchst ungewöhnlicher Stilmix aus klassischem Laurel-Canyon-Feeling, Neo Klassik, Folk, Jazz, Kook-Pop, Psychedelia und Hippie-Flair und poetisch verbrämte, mystisch angehauchte Selbstfindungs-Lyrics mit esoterisch/poetischer Note. Ganz ohne Frage hat Marina Allen ganz andere Inspirationsquellen und Interessen als viele ihrer Kolleg(inn)en. Wie bringt sie das alles denn in ihrer wohl ganz eigenen Weltsicht zusammen?
"Das ist eine wirklich gute Frage und danke, dass du das alles bemerkt hast", überlegt Marina, "ich denke, dass das, was mich am meisten inspiriert, inspirierte Sachen sind. Ich fühle mich sehr angefixt von Dingen, bei denen ich spüren kann, dass sie im Moment spontan entstanden sind. Speziell bei der Musik gibt es ja oft so viele Bearbeitungen und Versionen von Ideen. Speziell mit meiner eigenen Arbeit finde ich aber, dass meistens die erste Idee auch die beste ist und ich nicht allzu viel daran herumarbeiten sollte. Denn ich schreibe sehr intuitiv. Das ist mein Ansatz und ich glaube auch gar nicht, dass dieser bei vielen anderen Künstlern überhaupt funktionieren würde. Ich liebe alle möglichen Arten von Musik und einen dezidiert richtigen Weg gibt es ja auch gar nicht - aber ich habe gelernt meinem Ansatz zu vertrauen und in diesem Sinne kann mich dann wirklich auch so ziemlich alles inspirieren. Ich versuche also mich offen für alles zu zeigen." Offen für was? Für Zufälle? "Ja, ich habe in letzter Zeit festgestellt, dass ich oft an etwas arbeite und das auch wirklich mag", führt Marina aus, "dann passiert es aber oft, dass sich daraus ein zweiter Song entwickelt, der dann sogar besser ist als der ursprüngliche. Das liegt daran, dass ich während ich versuche etwas auszuarbeiten, eine Art kraftvolleres Tandem-Songwriting entsteht - also wenn das Sinn macht." Okay - ist es dann fair zu sagen, dass Marina Allen sozusagen ihre eigene Inspirationsquelle ist? "Ja, so funktioniert das wirklich, wenn ich an etwas arbeite", bestätigt sie, "am wenigsten inspiriert fühle ich mich nämlich, wenn ich gerade nicht an etwas arbeite. Wenn ich dann die Gitarre in die Hand nehme und etwas mache, dann kommen mir auch die Ideen." Das hört sich aber nicht so an, als könne man diesen Prozess besonders gut steuern. Ist Marina also davon anhängig, was ihre Kunst ihr sozusagen vorgibt? "Naja, ich denke, was mir hilft, damit ich nicht darauf warten muss, dass mir etwas einfällt, ist etwas, was ich als den 'Crunch' bezeichne. Das ist der Moment, wenn ich auf etwas stoße, was ich wirklich aufregend finde und mich von der Alchemie der Kommunikation begeistern lasse. Ich mag es, im Mittelpunkt eines wirklich saftigen Problemlöse-Prozesses zu stehen. Da lasse ich mich dann auch ziemlich reinziehen. Wenn sich etwas in dieser Richtung bewegt, dann kann ich mich dem jedenfalls nicht mehr entziehen." Was fasziniert Marina dabei am meisten? "Ich habe immer noch Ehrfurcht vor dem Songwrting", zögert Marina, "ich liebe Songwriter und das Schreiben von Songs. Ich wünsche mir auch, irgendwann mal eine 'richtige' Schriftstellerin sein zu können. Ich liebe so viele verschiedene Aspekte meiner Arbeit - aber das, was mich am meisten fasziniert, ist die Idee, dass ich ein ganz eigenes Leben in meiner Kunst führen kann. Ich habe ein alternatives Leben zur Verfügung."

Das ist ja in etwa das, was sie in ihrem Song "Superreality" beschreibt. Um welche Art von Superrealität geht es dabei? "Es geht da ja um eine Fantasie - und das ist ja das, was daran so faszinierend ist", überlegt Marina, "es gibt da einen parallelen Pfad - bzw. sogar viele verschiedene mögliche Pfade, die ich nehmen könnte. Das läuft dann mit meinem Alltagsleben zusammen - wie tanken zu gehen, Rechnungen zu bekommen oder Geld verdienen zu müssen. Und auf der anderen Seite ist denn da mein anderes Leben, das auf Träumen und Gedanken und Erinnerungen und Liedern aufgebaut ist. Wenn man zu viel Zeit in einer der beiden Welten verbringt, ist das aber nicht gut. Es geht dann um die Balance. Und das alles zusammen ergibt dann eine sozusagen sogar eine dritte Art von Leben." Hat das etwas mit Eskapismus zu tun? "Nein, ganz im Gegenteil", führt Marina aus, "für mich ist das eine Möglichkeit, aufrichtiger zu sein und das Lieder-Schreiben ist dabei ein spiritueller Pfad, dem ich folge." Inwieweit geht es Marina um Perspektive? Viele ihrer Inhalte eröffnen sich, indem sie diese aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel betrachtet. "Das ist ja ein Werkzeug des Liedermachers", erklärt Marina, "ich muss mich in verschiedene Charaktere, Stimmen, Szenarien oder Versionen meiner selbst hineinversetzen. Das ist etwas, was Bob Dylan so gut hinbekommt und ich liebe so etwas. Es ist ein großartiges Werkzeug. Es ist sicherlich gut, über das zu schreiben, was man selber erlebt hat - aber es ist auch gut, über etwas zu schreiben, was man nicht kennt und was man erforschen möchte."
Welche Art von musikalischer Ausbildung hat Marina eigentlich? Diese Frage ist insofern angebracht, als dass in ihrer Musik ja nun wirklich die verschiedensten Stile und Formate zum Tragen kommen. "Zunächst mal bin ich in einer musikalischen Familie aufgewachsen und habe immer viel Musik gehört", berichtet sie, "dann bin ich an das Bennington College gegangen und habe Malerei und Musik studiert. Ich habe aber auch in Chören gesungen und in Jazzbands gespielt." Noch ein Hinweis am Rande: Kurz nachdem Marinas Album veröffentlichungstechnisch das Licht der Welt erblickt, erscheint das Debüt-Album des Projektes "Sylvie" ihres Kollegen Ben Schwab, bei dem Marina ebenfalls als Sängerin beteiligt ist. Das sei nur deswegen erwähnt, weil Marina also keineswegs im luftleeren Raum agiert, sondern auch auf ihren Alben mit einer Reihe engagierter Freunde zusammenspielt. "Ja, mein Freund Ben Varean hat die Arrangements geschrieben, mein Freund Joaquin hat die jazzigen Keyboards gespielt und Chris Cohen hat die Scheibe produziert und auch ein paar Instrumente gespielt."

Was bedeutet eigentlich der Titel des Albums "Centrifics"? Eine Übersetzung gibt es jedenfalls nicht dafür. "Nun - für mich bedeutet es soviel wie 'das Studium des Zentrums'", verrät Marina, "das 'ics' am Ende habe ich so verwendet wie in 'physics' oder 'mathematics'. 'Centrifics' ist dann also eine Wissenschaft für sich. Ich mag aber, dass es eigentlich keine wirkliche Bedeutung hat." Wie passt denn da das Artwork dazu? Darauf ist ein stilisiertes SW-Foto von Marina zu sehen, über das sie offensichtlich diverse Gestationen des Begriffes Centrifics gekritzelt hat. "Mein Partner ist auch ein Grafik-Designer", berichtet Marina, "ein Freund hat das Foto aufgenommen und sie haben das gemeinsam bearbeitet. Das wurde dann aber irgendwann zu retro, denn das sah aus wie ein französische Chanson-Scheibe aus den 70s. Ich habe dann angefangen darauf herumzukritzeln, damit es mehr nach etwas von mir aussieht, denn das ist bezeichnend für die Musik und was sie aussagt." Ging es darum, für den Zuhörer so den Prozess aus Versuch und Irrtum zu visualisieren? "Ja, genau!", bestätigt Marina, "sehr sogar - denn so ist die Musik ja auch entstanden."
Was ist denn die größte Herausforderung für die Songwriterin Marina Allen? "Na ja - Selbstzweifel", zögert Marina, "aber ehrlich gesagt, ist Musik zu schreiben eine Herausforderung auf eine wirklich gute Art. Ich mag diese Art von Herausforderung. Es ist natürlich schwierig, wenn etwas nicht funktioniert und man dann Ideen liegen lassen muss. Das heißt aber nicht, dass ich das nicht mag, sondern nur, dass ich dann härter daran arbeiten muss. Was für mich als Musikerin wirklich schwierig ist, ist das Business an sich - bzw. mich damit in der Art zu arrangieren, die mir möglich ist." Wonach sucht Marina als Songwriterin? "Nun, ich verlange von mir, dass ich die Wahrheit sage und auch Dinge, die mir Angst machen, anspreche - damit dann aber spiele", überlegt Marina, "ich muss das dann irgendwie relativieren und arrangieren - und ich mag es auch, ein bisschen damit anzugeben. Das gilt auch für die Musik: Es geht mir darum, mit Stilen und Genres zu spielen. Ich mag es nicht, irgendwie festgenagelt zu werden und mag es, mich in den Genres frei zu bewegen." Was war denn eigentlich der Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Album? "'Candlepower' war eine Sammlung von Songs, die in einer Zeitspanne von Jahren zusammen kamen, während 'Centrifics' innerhalb von acht Monaten entstand. 'Centrifics' ist eher eine Momentaufnahme für mich. Es hilft mir, wenn ich mit Zielen arbeite und ich bin auch gut daran mit Zeitdruck zu arbeiten. Ich bin ja eine rechte Spätzünderin und möchte deswegen zukünftig die Art in der Musik veröffentliche, etwas beschleunigen und auch mehr machen."
Weitere Infos:
marinagallen.bandcamp.com
twitter.com/marinallenmusic
www.instagram.com/hello_marina_allen
www.facebook.com/Marina-Allen-104815881608975
www.youtube.com/watch?v=7VNAaSZddbQ
www.youtube.com/watch?v=u9yuKOT_Too
Interview: -Ullrich Maurer-
Foto: -Eve Neuhart-
Marina Allen
Aktueller Tonträger:
Centrifics
(Fire Records/Cargo)
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