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PUBLIC DISPLAY OF AFFECTION
 
Blues ist der beste Lehrer
Public Display Of Affection
Der Name des Berliner Allstar-Projektes Public Display Of Affection stammt noch aus einer Zeit, in der Jesper Munk und Madeleine Rose als Ehepaar eben das tun wollten, was der Name des Ensembles ausdrückt: Ihre gegenseitige Zuneigung öffentlich zur Schau stellen. Zwar ist aus der Beziehung inzwischen eine auf das Professionelle beschränkte Partnerschaft geworden - der Name aber blieb und hat sich inzwischen auch auf mehr als die rein persönliche Bedeutung des Namens ausgeweitet. Worum geht es also? Das Berliner Kollektiv besteht aus vier Musikern, die allesamt auch in anderen Projekten tätig sind: Jesper Munk etwa als Solo-Künstler, die gebürtige Australierin Madeleine Rose als Mitglied des Theater- und Tanzensembles Das Gegenteil, Bassist Lewis Lloyd mit der Band Plattenbau und Drummer Anton Remy als Produzent und dem Projekt Baketown. Seit einiger Zeit schon machen Public Display Of Affection durch ihre energiegeladenen, immersiven Live-Happenings von sich reden - legten nun aber auch ihren ersten Longplayer "I Still Care" vor, der in Kürze auch auf Vinyl erhältlich sein wird. Muskalisch gibt es einen gelungenen, wenngleich leicht unberechenbarem Mix aus Punk-Attitüde, Post-Punk-Sounds, schroffen Indie-Rock-Elementen und einer Prise Kaputnik-Blues.
Wie ging das denn los mit dem Projekt P.D.O.A.? "Nun ja - Maddy und ich lebten zusammen und waren verheiratet", berichtet Jesper Munk, "ich denke, der Grundgedanke war ein freies Bandformat für Maddies Gesang und Texte und Performaces zu finden. Ich dachte, dass das sehr aufregend wäre. Am Anfang dachten wir, es würde in Richtung Punk und New Wave gehen, aber als wir uns formierten, hat sich da eine gewisse Eigendynamik entwickelt, die uns zu dem führte, was zum Teufel wir heute sind. Und ich weiß immer noch nicht, was das ist." Woran liegt das denn? "Nun - man kann das nicht kuratieren ohne jedem Bandmitglied zu vertrauen", erklärt Jesper, "Denn warum sonst hätten wir sie einladen sollen? P.D.O.A, ist definitiv kein Projekt, bei dem es um Kontrolle geht." Nun als Musiker muss man aber doch in gewissem Sinne Kontrolle ausüben - denn ansonsten kann man ja nicht zusammenspielen, oder? "Nun, ich möchte meine Stimme kontrollieren, denn ich will sie ja nicht verlieren", meint Maddie. "Ja und die Instrumente sind natürlich unter Kontrolle", ergänzt Lewis, "es geht aber um das Ego. Wir versuchen nämlich unser Ego für dieses Projekt aufzugeben. Wir nutzen stattdessen unseren Instinkt, um das Chaos zu vermeiden." "Ja und die Arrangements müssen wir natürlich auch prägnant ausarbeiten", gibt Jesper zu bedenken, "es muss einen Treffpunkt geben, an dem man sich einig ist, dass es dann nicht mehr um Zufälle geht." "Dabei ist die Kommunikation wichtig", ergänzt Anton, "es ist nicht wichtig, was wir spielen, aber es ist wichtig, dass wir auf derselben Wellenlänge sind. Die Absicht, die Emotionen und die Dynamik müssen alle in dieselbe Richtung zielen. Das Ego hintanzustellen, den Sound zusammen zu finden und die Perspektive zu verändern, ermöglicht mir zum Beispiel, nicht einfach Drums zu spielen, sondern die Songs zu spielen - und zwar im Dialog mit den anderen. Das haben wir gelernt. Es ist ein Weg, auf dem wir uns immer noch befinden. Den anderen mehr Raum zu geben macht uns zu einer starken Einheit." Sind die Live-Performances dann auch als Dialog zu sehen? "Mit dem Publikum? Sicherlich", meint Jesper. Und untereinander? Man muss sich doch absprechen, wer z.B. wann ins Publikum geht und wer so was macht. "Bis zu einem gewissen Grad", zögert Maddie, "wir haben die Songs nun schon eine ganze Weile zusammengespielt und obwohl das alles improvisiert wirkt, wissen wir doch, was wir haben und wir wissen ungefähr was passieren wird. Und wenn Lewis dann mit seinem Bass ins Publikum geht, dann achte ich schon darauf irgendetwas anderes an einer anderen Stelle zu machen. Wir arbeiten da mit Ebenen. Wir reagieren also aufeinander. Es gibt also einen grundsätzlichen Plan - der sich aber je nach der Situation auch ändern kann."
Public Display Of Affection
Wenn P.D.O.A, gemeinsam an einem Song arbeiten: Worauf können sie sich dann einigen? Was zeichnet einen gelungen Song dann für P.D.O.A, aus? "Ich weiß nicht so recht", überlegt Lewis, "für mich muss ein Song organisch grooven. Das hat damit zu tun, dass wir ursprünglich mit Jam-Sessions gestartet sind. Im Laufe der Zeit erst haben wir uns über Strukturen und Arrangements unterhalten." "Es gibt einige Songs, die wir heutzutage gar nicht mehr spielen", ergänzt Anton, "und es fällt uns gar nicht leicht, zu definieren, warum wir uns entschieden haben, diese nicht mehr zu spielen. Es ist manchmal so, dass Musik, die ich höre, eigentlich alles enthält, was sie enthalten sollte - aber der Funke springt für mich nicht über. Irgendetwas fehlt also. Es mag ein winziges Detail sein, das ich schon zig mal gehört habe, aber es nicht wirklich zu greifen." "Gleichermaßen ist es dann aber auch schwer zu sagen, warum ein Song funktioniert", überlegt Jesper, "Du musst dir das so vorstellen, dass Maddie ankommt mit acht vollgeschriebenen Notizbüchern mit Texten, die sie im Laufe der Zeit geschrieben hat und dann liefert und liefert und liefert - und wir dann darauf irgendwie reagieren. Lewis hat dann eine Basslinie und dann haben wir eine Basis. Und dann geht es an die Arrangements." "Ja, das ist auch sinnvoll, denn die meisten Sachen sind zunächst mal überlange chaotische Angelegenheiten", meint Anton.

Angesichts dieses organischen Prozesses sind die Songs von P.D.O.A, am Ende aber bemerkenswert gut ausbalanciert. "'Balance' ist das Schlüsselwort für alles was wir tun", fasst es Jesper zusammen. Dabei geht es offensichtlich um die Balance zwischen aggressiver Attacke auf der einen Seite und schmirgelnder Spannung auf der anderen. "Und innerer Ruhe", meint Madeleine. "Und eine Auflösung", ergänzt Jesper. "Also ich meine, wir könnten beim nächsten Mal sogar noch mehr Auflösung gebrauchen", überlegt Lewis. Was sicherlich richtig ist, denn wo will man mit der ganzen Spannung hin, wenn es keine Auflösung gibt und nur Energieausbrüche ohne Spannung funktionieren ja auch nicht. "Ja aber das ist doch ein schönes Tantra", überlegt Madeleine, "das ist doch gerade die Magie - was mit der Spannung passiert, wenn es eben keine Auflösung gibt; ohne allzuviel verraten zu wollen, ist unser Rezept eigentlich das Thema so offen zu halten, dass die Leute sich damit identifizieren können und das Ganze dann so durchzustrukturieren, wie man einen Film mit einem Drehbuch durchstrukturieren würde. Weißt du, was ich meine? Die Essenz eines Songs ist dabei aber immer noch ein wenig mysteriös. Manchmal funktioniert es und manchmal ist es ein 'Nothingburger'."
Mal eine ganz andere Frage: Die Musik von P.D.O.A, enthält neben Punk, Postpunk und Rock-Elementen ja auch eine Portion Kaputnik-Blues-Flair. Wie wichtig ist es denn für Jesper in dem Zusammenhang auf seinen Background als Bluesmusiker zurückgreifen zu können? "Ich denke ja immer noch, dass alles irgendwie mit dem Blues angefangen hat - sogar diese Musik", führt Jesper aus, "auch in Sachen Postpunk und Noise und welche Labels auch immer uns zurechnen willst. ist der Blues immer noch der beste Lehrer. Das kann schiefgehen - zum Beispiel dann, wenn man den Blues kopieren will - aber der Blues hat uns auch heute immer noch viel zu sagen." Ist die Sache denn jetzt längerfristig angelegt? "Ja, denn wir sind ja alle alt genug, um jetzt nicht nach der Affäre für einen Sommer zu suchen", scherzt Jesper. "Ja, wir sind momentan ja total Indie - was bedeutet, dass wir nicht viel Geld haben", ergänzt Madeleine, "wir arbeiten nächstes Jahr aber mit einer Booking-Agentur zusammen und freuen uns darauf, mehr Funding zu finden, um unsere Live-Shows in Zukunft etwas auszubauen - mit mehr Musikern, Tänzern oder theatralischen Elementen. Wenn wir unsere Fanbasis vergrößern können, ist da noch viel mehr drin." "Ja, es wäre schön, alle Beteiligten auch mal ordentlich bezahlen zu können, denn bisher sind alle total unterbezahlt", schließt Jesper diese Überlegung ab.
Weitere Infos:
www.instagram.com/p.d.o.a.live
linktr.ee/p.d.o.a.live
www.facebook.com/p.d.o.a.live
www.youtube.com/channel/UCQLZp8AbvfHVZ-ceg__gmmQ
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Public Display Of Affection
Aktueller Tonträger:
I Still Care
(Eigenveröffentlichung)
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