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DANA GAVANSKI
 
Herausforderung trifft Freude
Dana Gavanski
"Ich denke, die wichtigste Lektion, die ich während der Pandemie gelernt habe, ist, ein bisschen geduldiger zu sein", sagt Dana Gavanski im Gespräch mit Gaesteliste.de, trotzdem ist die inzwischen in London heimische Kanadierin mit serbischen Wurzeln immer noch keine Musikerin, die gerne stillsitzt. Nur wenige Monate nach der Veröffentlichung ihres feinen zweiten Albums, "When It Comes", mit dem sie den Pfad des poetischen Akustik-Folk ihrer früheren Veröffentlichungen verlassen und sich mit Songs, die komplex, abstrakt und spannend zugleich sind, künstlerisch neu ausgerichtet hat, erscheint nun mit "Bouncing Ball" eine EP mit vier Coverversionen von David Bowie, The Kinks, Roberto Cacciapaglia und Tony, Caro And John.
Die Idee ist nicht neu für Dana Gavanski: Schon nach der Veröffentlichung ihres famosen LP-Erstlings "Yesterday Is Gone", der vor zweieinhalb Jahren leider in den Wirren des ersten COVID-19-Lockdowns etwas untergegangen ist, coverte die junge Singer/Songwriterin auf der im Sommer 2020 erschienenen EP "Wind Songs" Lieder von King Crimson, Robert Wyatt, Tim Hardin und Judee Sill und schaute bereits damals ein Stück über den Folk-Tellerrand hinaus. Das führt sie nun fort, denn das Herzstück der "Bouncing Ball"-EP ist David Bowies "Word On A Wing", im Original auf der LP "Station To Station" im Jahre 1980 erschienen. "Ich war im letzten Jahr auf einem Bowie-Binge und habe mich langsam durch seine Diskografie gehört", erklärt sie. "Was ich an diesem Lied liebe, ist die Zärtlichkeit und Religiosität, die er gegenüber der Kreativität ausdrückt. Er war mitten in den Dreharbeiten zu 'Der Mann, der vom Himmel fiel' und spürte die Spannung und Intensität der Filmschauspielerei. Er verlor das Gefühl für sich selbst und wurde ein bisschen verrückt, als er in eine seiner "Born again"-Phasen eintrat ("Sweet name you're born once again for me"). Ich liebe seine unverblümte Leidenschaft, die wie eine nach innen gesprochene Predigt wirkt."

Doch Bowie hat nicht nur in rein musikalischer Hinsicht Eindruck auf Gavanski gemacht. Auch bei ihren Konzerten, die sie inzwischen mit einem fünfköpfigen Ensemble anstatt wie zuvor solo oder im Duo bestreitet, ist der Einfluss des Thin White Duke spürbar. "Ich finde es großartig, wie experimentell er in seiner Herangehensweise war und wie er sich all diese verschiedenen Charaktere zu eigen gemacht hat", sagt sie über Bowies Wirken und seine Bühnenpräsenz. "Für mich ist das nicht zuletzt deshalb so interessant, weil ich lange als Musikerin sehr introvertiert war und mich erst jetzt langsam zu öffnen beginne. Zuvor habe ich mich gerne hinter der Gitarre versteckt und mir auf der Bühne vorgestellt, dass niemand im Publikum ist, jetzt dagegen habe ich viel mehr Spaß an Spielfreudigkeit, und deshalb ziele ich nun auch viel mehr darauf ab, Musik zu schreiben, die theatralischer ist, bei der jeder Song eine andere Figur darstellt: Wie wäre es, wenn jedes meiner Gefühle durch eine andere Figur dargestellt wird? Auf der Bühne ist so viel möglich und inzwischen mache ich mir dazu viel mehr Gedanken."

Doch es bleibt nicht allein bei Gedankenspielen. Nachdem Gavanski entdeckt hatte, dass Bowie schon früh in seiner Karriere Unterricht in Pantomime bei Lindsay Kemp genommen hatte, besuchte auch sie einige Pantomimekurse und horcht seitdem lieber tiefer in ihren Körper hinein, anstatt sich allein von ihrem Verstandes kontrollieren zu lassen. All das konnte man im Frühjahr auch schon auf "When It Comes" hören, ein Album, auf dem Gavanskis Drang, sich musikalisch neue Ziele zu setzen, spürbar stärker war als das bedingungslose Festhalten an alten Tugenden. Zwei Jahre nach ihrem famosen Debütalbum zeigte sie sich so von einer (ganz) anderen Seite und zelebrierte ihre Folk-Songs inspiriert vom Eigensinn einer Aldous Harding und von der kosmischen Psychedelik Stereolabs auf einer deutlich breiteren Leinwand. "Ich denke, ich empfand es einfach als aufregend, Songs für ein neues Album zu schreiben und mich einer anderen Farbpalette zuzuwenden. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht gut darin bin. etwas zu wiederholen, was ich bereits gemacht habe, deshalb mache ich einfach weiter damit, zu erforschen, wie Sounds unterschiedliche Geisteszustände abbilden können."

Während der erzwungenen Pandemie-Auszeit ist Gavanski aber nicht nur künstlerisch, sondern auch menschlich gewachsen. Ein Stück weit war diese Entwicklung erzwungen, denn zu allem Überfluss verlor sie während der Arbeit an "When It Comes" auch noch ihre Stimme. Das zu akzeptieren und sich dem nötigen Heilungsprozess geduldig hinzugeben, war nicht immer leicht für sie. "Ich versuchte, mich in meinem Leben vom Zwang, alles kontrollieren zu wollen. zu lösen, aber als ich dann meine Stimme verlor, traf mich das völlig unvorbereitet, weil ich es nicht gewohnt war, gut auf mich aufzupassen", gesteht sie. "Zunächst habe ich deshalb so getan, als sei das alles kein Problem, aber tatsächlich hat das die Sache eher noch ein wenig verschlimmert, denn ich habe auch gesungen, als ich das eigentlich nicht hätte tun dürfen, schließlich wollte ich doch ein neues Album machen! Ich kämpfte dagegen an, anstatt auf mich aufzupassen. Irgendwann kam dann die Geduld zurück. Das Ganze ist ein fortwährender Kampf, der mal mehr, mal weniger schwer zu meistern ist. Ich denke aber, dass es wichtig ist, dass er existiert, weil er dich daran erinnert, dass wir uns immer bewegen und auch ständig Problemen ausgesetzt sind - oder mit Menschen zu tun haben, die sich in Schwierigkeiten befinden. Das hat mir vor Augen geführt: Wenn ich die Pandemie mental durchstehen will und mich als Musikerin behaupten will, mit allem, was dazugehört, dann muss ich lernen, den Dingen ihren Lauf zu lassen."
Andere neue Herausforderungen suchte sich Gavanski während der Arbeit an "When It Comes" dagegen bewusst. Inspiriert von PJ Harvey, die sich einst auf dem Album "White Chalk" dem Klavier zuwandte, um aus der Routine auszubrechen und sich selbst zu überraschen, legte auch Gavanski ihre Gitarre beiseite und wandte sich zunächst ihrem Casio-Spielzeug-Keyboard und später auch anderen Tasteninstrumenten zu, um einen neuen Zugang zu ihrem Songwriting zu bekommen. Das Resultat sind nicht nur ungewöhnliche Songs, sondern auch unerwartete Arrangements, die - gerade im Vergleich mit dem oft nur wie hingetupft wirkenden Erstling - nun spürbar mehr ausufern und so Gavanskis Sinnsuche auch klanglich akzentuieren, wenn sie mit den neuen Liedern Schlaglichter auf ihre Kindheit und Jugend wirft. "Ich denke, wir suchen alle immer heimlich nach Antworten, ohne dass das deshalb für mich ein konkretes Ziel ist", sagt Gavanski über die Herangehensweise an ihre Texte. "Ich versuche lediglich, meine Gedanken klarzukriegen, ich versuche, Erfahrungen und Gefühle auszudrücken. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke: Es geht wirklich weniger um die Antworten, es ist eher ein 'Ah!', ein Verstehen." Fast entschuldigend fügt sie hinzu: "Mein Songwriting-Prozess ist nicht sehr klar, ich versuche nur, dem zu folgen, was sich intuitiv gut anfühlt."

Doch auch wenn sie klanglich hier einen großen Satz nach vorn macht, symbolisiert das Album doch auch ihre Suche nach den Ursprüngen ihrer Leidenschaft für die Musik - oder wie sie es selbst abschließend ausdrückt: "Musik ist für mich immer dann am schönsten, wenn sie eine Herausforderung darstellt, aber mir gleichzeitig auch Freude bereitet."
Weitere Infos:
www.danagavanski.co.uk
www.facebook.com/danagavanski
twitter.com/danagavanski
www.instagram.com/danagavanski
danagavanskifth.bandcamp.com
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Kirico Ueda-
Dana Gavanski
Aktueller Tonträger:
Bouncing Ball EP
(Full Time Hobby)
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