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Interview-Archiv

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BRENDAN BENSON
 
Zwischen Lockdown und Bestimmung
Brendan Benson
So richtig gut in Sachen Timing war Brendan Benson eigentlich noch nie. Sein erstes Album "One Mississippi" veröffentlichte er bereits 1996 - als der Jungspund gerade einen Major-Vertrag ergattert hatte. Für sein zweites Album "Lapalco" brauchte er dann ganze sechs Jahre. Die Veröffentlichung seines dritten Albums "The Alternative To Love" fiel dann 2005 mit den Gründungswehen des mit Jack White losgetretenen Band-Projektes The Raconteurs zusammen, deren erstes Album "Broken Boy Soldiers" 2006 erschien - und deren Veröffentlichungen und Touren Brendans Solo-Laufbahn im Folgenden nachhaltig beeinträchtigen sollte. Im Folgenden arbeitete Benson auch als Produzent, gründete das eigene Label Readymade Records, baute sich ein Studio im heimatlichen Nashville und konzentrierte sich dann auch stärker auf seine Familie. 2020 veröffentlichte er sein siebtes Album "Dear Life" und machte sich gerade an Tourplanungen, als die Pandemie ausbrach. Frustriert von der aufgezwungenen folgenden Lockdown-Phase beschloss er, seine Tourpläne auf die Zeit nach der Pandemie zu verschieben, um dann endlich die Songs von "Dear Life" live spielen zu können. Da die Promo-Phase für dieses Album dann aber schon drei Jahre zurück lag, überlegte er sich, flugs noch ein paar neue Songs einzuspielen, die nun unter dem Titel "Low Key" als LP erscheinen. Dummerweise steht jetzt aber auch schon wieder ein neues Raconteurs-Album an. Wie gesagt: In Sachen Timing war Brendan noch nie so richtig gut.
Die Frage ist dann aber, ob er denn wenigstens ein konkretes Ziel vor Augen hat. Früher war die Sache ja noch einfach: Zu Zeiten seines Debütalbums "One Mississippi" hatte es Brendan sich zur Aufgabe gestellt, wahre, echte Momente mit seinen Songs einzufangen, später ging es ihm darum, eine "Alternative To Love" zu suchen und noch später, seine Musik größer als das Leben - aber nicht zu groß erscheinen zu lassen. Wonach sucht Brendan denn heute? "Das ist eine gute Frage", zögert Brendan, "das ist auch eine Frage, die ich mir selbst oft stelle und die ich mit meiner Frau diskutiere. Warum mache ich das eigentlich? Geht es um Eitelkeit? Mache ich das, um gemocht zu werden? Mache ich das für mein Publikum - oder vielleicht sogar nur für mich selber? Geht es um Heilung? Um Therapie? Oder ist es ein Zwang, dem ich nachkommen muss? Ich habe es aber mein ganzes Leben lang gemacht und bin deshalb zu dem Schluss gekommen, dass ich es einfach liebe, in eine Art von Zen-Zone einzutauchen. Das ist vielleicht nicht der richtige Begriff - aber auf jeden Fall verspüre ich einen Sinn im Leben, wenn ich einen Song schreibe. Und wenn es ein guter Song ist, dann verspüre ich sogar eine Art von Bestimmung. Das ist ein gutes Gefühl - und irgendwie streben wir ja auch alle nach so einer Art des Gefühls." Ja schon - aber nicht jedermann hat ja eine kreative Ader. "Ja - aber die braucht man ja auch nicht", wirft Brendan ein, "das Ausschlaggebende ist doch der Sinn, den man in seiner Arbeit findet. Man hat das Gefühl, zugehörig zu sein, einen Sinn gefunden zu haben und auf gewisse Weise auch wichtig zu sein. Das kann auf jede Art sein - sei es Songs zu schreiben oder Musik zu machen - aber auch ein Zimmermann oder ein Schreiner kann etwas erschaffen und ein Meister seines Fachs sein. Eine Erfüllung in seiner Arbeit zu sehen ist ein gutes Gefühl." Wie ist das neue Album denn zustande gekommen? Wurde das Album von der Pandemie beeinflusst? "Ich würde zögern es so zu beschreiben", überlegt Brendan, "mein letztes Album 'Dear Life' wurde auch Pandemie-Album genannt - obwohl es doch gar nicht während der Pandemie geschrieben wurde, sondern nur während derselben veröffentlicht wurde. Ich möchte das neue Album eigentlich nicht 'Lockdown-Scheibe' oder so etwas nennen, obwohl wohl einige Songs in der Zeit entstanden sind und Tracks wie 'People Grow Apart' auch beschreiben, wie sich Beziehungen auflösen oder Freundschaften kaputt gehen - wegen der Lockdowns. Sagen wir mal so: Solange ich das nicht zugeben muss, ist es dann schon ein Pandemie-Album. Ich möchte es aber nicht so nennen, weil das gleich ein hässliches und deprimierendes Bild auf die Sache wirft."
Nun - deprimierend ist Brendans Musik ja noch nie gewesen. Was war denn der treibende Faktor hinter der neuen Songsammlung? "Ich dachte mir einfach, dass ich etwas Neues zum promoten bräuchte, wenn die Zeit gekommen wäre, wenn ich mit meinem letzten Album 'Dear Life' endlich ein mal auf Tour gehen könnte. Dafür hätte fast alles gereicht. Ich habe also angefangen, in älterem Material herumzustochern und habe mir Songs angehört, die ich schon länger herumliegen hatte. Mit der Zeit ist es dann aber doch eine Herzensangelegenheit geworden. Ich habe Gefallen an den Songs gefunden." Was war denn das Problem der älteren Songs? "Nun - ich hatte zum Beispiel den Opener 'Ain't No Good' lange herumliegen und habe gelegentlich daran gearbeitet - aber lange gebraucht, bis ihn veröffentlichen wollte. Nicht, weil ich ihn nicht mochte, sondern weil ich besessen davon war, musikalisch den richtigen Ton zu finden." Aha - enthält der Song jetzt vielleicht deswegen elektronische Elemente und HipHop-Beats? "Ja, vermutlich", überlegt Brendan, "denn HipHop ist die Art von Musik, die ich momentan fast ausschließlich höre. Das ist ein Zeichen der Zeit, wenn du so willst. Ich wollte, dass sich das auch ein wenig in meiner Musik niederschlägt. Deswegen habe ich auch eine Coverversion des Nasty C-Tracks 'All In' eingespielt." Und obendrein (auf eine Empfehlung hin) auch noch eine des Gerry Rafferty-Klassikers "All Down The Line". Womit fordert sich ein Songwriter wie Brendan Benson heutzutage noch heraus? "Oh - ich brauche unbedingt eine Herausforderung", räumt Brendan ein, "für gewöhnlich sind das die Texte. Damit habe ich am meisten zu kämpfen. Was die Musik und die Instrumentierung betrifft, so glaube ich, dass ich das im Griff habe. Aber Texte sind eine andere Sache. Ich versuche immer auf der Suche nach dem perfekten Song und scheitere dabei des Öfteren doch ganz gewaltig. Ich versuche aber trotzdem, etwas Cooles zu machen. Ich habe mich neulich mit meiner Frau darüber unterhalten: Wenn wir uns alle darauf einigen könnten, einfach den besten, klügsten, cleversten Song schreiben zu wollen, dann möchte ich so einen Song schreiben. Wenn es aber darum geht, etwas Gefälliges, Mehrdeutiges zu schreiben, dann interessiert mich das nicht besonders. Copy & Paste-Songs könnte ich den ganzen Tag schreiben - aber das möchte ich nicht." Was macht Brendan denn, um zu diesem besten Song aller Zeiten zu schreiben? "Für gewöhnlich gebe ich auf", lacht er, "nein - für jeden Song, der mir gelingt, gibt es 20 fehlgeleitete Versuche. Manchmal sieht man den Wald auch vor lauter Bäumen nicht. Ein Beispiel ist 'Aint It Good'. Ich hatte für den Song Platzhalterlyrics geschrieben, die mir damals nichts bedeuteten. Als ich jetzt wieder darauf zurückkam, fand ich, dass dieser Text von damals doch ganz cool war. Es ging dabei eigentlich nur um Dinge, die ich damals zu meinen Kindern gesagt hatte: 'Hör auf damit herumzuspielen', 'es wird sich noch jemand verletzen', 'daraus wird nichts Gutes erwachsen' - solche Sachen halt. Das kann sich heute noch banal anhören. Aber wenn du das aus einer anderen Perspektive betrachtest, dann kann das ja auch eine ganz andere Bedeutung haben, denn diese Banalitäten stimmen ja für viele Dinge im Leben und der Liebe." Humor hilft ja sicher auch, wenn es darum geht den perfekten Songs schreiben zu wollen, oder? "Absolut", bestätigt Brendan, "es muss unbedingt Humor geben. Sowas findet sich oft in alten Country-Songs wie z.B. bei Dolly Parton, Alan Jackson oder George Jones. Texte, die mit Wortspielen und kleinen Wendungen arbeiten, die eine düstere Note enthalten und verschiedenes bedeuten können, liebe ich sehr. So etwas strebe ich auch an."

Wie hat sich denn die Musikszene aus Brendans Sicht verändert, seit er 1996 mit seiner Laufbahn begann? "Oh Mann - es ist so viel passiert. Besonders in den letzten Jahren", überlegt Brendan, "es ist fast unmöglich, alles zusammenzufassen: Das Geschäftliche hat sich verändert, die Szene, das Medium... Als ich anfing, waren CDs ja gerade angesagt. Es gab kaum noch Vinyl - obwohl ich immer eine große Plattensammlung hatte - es gab noch Cassetten, aber die starben gerade aus. Das Internet hat dann alles verändert. Plötzlich kann jeder ein Musiker sein oder sich für einen halten. Der Markt verschwand. Erst wurde alles übersättigt und verschwand dann ganz einfach.
Brendan Benson
Das Projekt "Low Key" ist aber offensichtlich wieder als klassisches Album angelegt - mit eine A und einer B-Seite, die beide jeweils vier Tracks enthalten. Natürlich ist das Album auch digital erhältlich - eine CD indes schenkt sich der Meister heutzutage. "Ich mag keine CDs", räumt er auch gleich ein, "ich mag nicht, wie sie aussehen und ich mag nicht, wie sie klingen. Sie machen heutzutage ja nicht mal mehr Autos mit CD-Spielern. Die LP hingegen klingt hervorragend - da hat die Technik ganze Arbeit geleistet. Und wenn du keine Vinyl-Scheibe kaufen willst, dann kannst du dir die Tracks ja auf eine CD brennen, wenn du unbedingt willst. Ich verstehe ja, wenn du eine Sammlung haben möchtest, denn digitale Musik ist ja zwar ständig verfügbar - verflüchtigt sich dann aber ja irgendwann." Wie lange sieht sich Brendan Benson denn der Aufgabe des rockenden Singer/Songwriters gewachsen - oder hat er vor, im Alter irgendwann zum Blues wechseln zu wollen? "Nein", lacht er, "wird das von mir erwartet? Ich werde werde vermutlich kein Blueser werden. Man soll aber ja nie 'nie' sagen, weil das ja ein coole Weise wäre, abzutreten. Ich habe aber auch zuletzt öfter über dieses Thema nachgedacht. Ich denke nicht, dass ich ewig touren werde. Es ist heute schon ziemlich hart für mich, solo auf Tour zu gehen. Ich muss ja eine Band anheuern und alles bezahlen. Damit verdient man kein Geld und das lohnt sich dann irgendwann nicht mehr. Mit den Raconteurs ist das etwas anderes, weil wir da alles gemeinsam teilen. Ich denke, dass ich mich in Zukunft mehr auf das Songwriting, das Co-Writing und das Produzieren verlegen werde. Ich habe jetzt eine Menge Equipment hier in meinem Studio, das länger nicht im Einsatz war und könnte hier auch andere Musiker einladen und sie produzieren."
Weitere Infos:
www.brendanbenson.com
www.facebook.com/brendanbensonmusic
www.instagram.com/brendanbensonmusic
www.youtube.com/brendanbensonmusic
twitter.com/brendanbensongs
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Guillaume Lechat-
Brendan Benson
Aktueller Tonträger:
Low Key
(Schnitzel/Indigo)
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