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RANTANPLAN
 
Ahoi!
Rantanplan
1995 gründeten Torben Meissner und Reimer Bustorff in Hamburg die Band Rantanplan, schnell dabei war auch ein gewisser Marcus Wiebusch. Die beiden Letztgenannten sind längst bei Kettcar und betreiben das Grand Hotel Van Cleef, Meissner ist die einzige Konstante. Er und immer wieder wechselnde Mitmusikanten machten aus Rantanplan eine Skapunk-Institution. Vergangenen Freitag erschien mit "Ahoi" ihr zehntes Album. Ein starkes, ein tolles und abwechslungsreiches, ein im besten Sinne wildes, rohes, sehr, sehr punkiges und regelrecht euphorisches, aber doch auch ernstes, kluges Album. Wir sprachen mit Sänger und Gitarrist Torben Meissner über die Platte, ihr neues Label, ihren Produzenten, ihre Tour und ihre Wünsche.
GL.de: Glückwunsch zum runden Release-Geburtstag! Fühlt es sich anders an, wenn man ein zehntes Album macht, als wenn es Album Nummer vier oder fünf oder sechs ist?

Torben: Dankeschön. Eigentlich ist es irrelevant, ob es Album vier oder zehn ist. Nach dem Album ist vor dem Album. Es ist alles eine Wahnsinnsreise mit höherer Geschwindigkeit als das normale Leben. Man dreht sich immer mal wieder um und wundert sich selbst über diese große Strecke, die retrospektiv dann doch irgendwie viel kürzer erscheint. Jedenfalls fühlt sich jedes Album toll an und auch wenn zehn schon eine gute Hausnummer ist, schlummern da noch ein paar Scheiben in mir.

GL.de: Worauf seid ihr besonders stolz und was müssen wir unbedingt über "Ahoi" wissen?

Torben: Wir haben das Album erst im zweiten Anlauf hinbekommen. Den ersten Versuch, mitten in der Pandemie, haben wir voll verkackt. "Ahoi" sollte unbedingt etwas Positives werden. Ein Lichtblick in der Dunkelheit. Doch der erste Produktionsversuch brachte nur pessimistisches Säuferzeug zutage. Das haben wir alles weggeworfen und nochmal bei null gestartet. Dieses erkannt zu haben und so smart auf Löschen gedrückt zu haben, war die einzig wahre und eine sehr weise Entscheidung.

GL.de: Gab es erst die Lieder oder zumindest einige über das Meer oder erst die Idee mit dem Konzept?

Torben: Tatsächlich gab es hierbei erst die Idee, ein maritimes Album zu schaffen, und dann folgten die Songs. Das Cover war sogar als allererstes fertig. Mir fiel und fällt es überhaupt nicht schwer, Songs übers Meer zu schreiben. Das liegt mir quasi im Blut. Die Männer mütterlicherseits waren Matrosen und mein Opa hat mich früher oft mit auf die Ost- und Nordsee zum Segeln mitgenommen. Das ist das erste Album, bei dem ich keinen einzigen Text aufgeschrieben hatte. Die waren alle im Kopf fix und fertig.

GL.de: Vor genau zehn Jahren kam "Pauli", auch ein Album mit zumindest einem wiederkehrenden Thema. Jetzt gibt es "Ahoi" und das Meer - gibt es abgesehen von Benno Kupsa irgendeinen Zusammenhang oder Verbindung zwischen den Platten?

Torben: Zehn Jahre!? Siehste, da ist sie wieder, diese Hochgeschwindigkeit. Mir kommt das echt kürzer vor. Die "Pauli" ist doch noch "neu". Naja, okay, irgendwie doch nicht. Kommt mir subjektiv dennoch so vor. Rantanplan-Platten sind alle irgendwie miteinander verbunden, aber es gibt jetzt keine megabesondere Verbindung zwischen "Ahoi" und "Pauli". Vor der "Pauli" war Benno unser Drummer. Dann hat er die "Pauli" produziert. Danach war er unser Basser. Die "Stay Rudel - Stay Rebel" hat er gemischt und nun hat er die "Ahoi" wieder komplett produziert.
GL.de: Wie ist es mit Benno Kupsa zu arbeiten? Wie eng ist er (noch), wie "neutral", wie viel Produzent und wie viel Kumpel? Wie viel Einfluss hatte er auf die Songs?

Torben: Benno ist super! Nach unserem anfänglichen Scheitern waren wir komplett down und da war Benno genau der richtige, der mit Bock und Elan dem ganzen wieder Feuer unterm Arsch gemacht hat. Wir haben grobe Demos gemacht und Benno ist in die Songs eingetaucht und hat sie geschliffen. Teilweise hat er ganze Parts geschrieben oder umgeschrieben. Er weiß genau, wie ich da ticke und besonders bei Gesangsaufnahmen habe ich noch nie schneller und präziser gearbeitet als mit Benno hinter den Reglern.

GL.de: 17 Lieder sind echt viel! Habt ihr darüber nachgedacht, zwei Platten daraus zu machen?

Torben: Heutzutage tendieren Alben zwar eher zur Kürze, aber das ist keine wünschenswerte Entwicklung. Auf unseren ersten beiden Alben sind jeweils 16 Songs und auf der Dritten (Samba) sogar 18 Lieder. Wir sind halt Oldschool und die kurze Spielzeit der letzten beiden Alben "Licht und Schatten" und "Stay Rudel - Stay Rebel" sind eher dem Zeitgeist, Label und Management geschuldet. Irgendwelche Titel der "Ahoi" wegzulassen hätte sich für uns falsch angefühlt. Für ein Doppelalbum oder zwei Alben hätten aber doch noch mindestens ein Dutzend gefehlt. Ich finde es sehr schade, dass die allgemeine Aufmerksamkeitsspanne immer knapper wird. Wir sehen es auch als unsere Aufgabe, mit Content dagegenzuhalten.

GL.de: Wie fühlt man sich auf Sbäm? Wie läuft es bisher auf dem neuen Label?

Torben: Stefan Sbäm ist superentspannt und lässt uns alle Freiheiten, alle Entscheidungen. So sollte es sein! Es geht ihm nicht darum, in erster Linie kommerzielle Produkte zu vermarkten, sondern um geilen Punk und authentisches Lebensgefühl. Der Deal ist auch mehr als fair.

GL.de: "Ahoi" ist Album Nummer zehn. Und natürlich das bisher beste Album eurer Karriere. Aber welche beiden kommen eurer Meinung nach auf die Plätze zwei und drei? Und warum?

Torben: Ja, das neue Album ist immer auch das Beste, har, har. Im Ernst haben viele Freunde und Bekannte das tatsächlich schon als unser bestes Album bisher bezeichnet. Mir gefällt es auch sehr gut. Ich kann gar nicht sagen, welches das Beste ist. Ich bin auf alle stolz und schäme mich für nichts. Es sind alle meine geliebten Babies. Jedes Bandmitglied hat da aber auch seine ganz eigene abweichende Meinung.

GL.de: Welche Rolle wird "Ahoi" live einnehmen und wie funktionierten die neuen Songs auf den ersten Shows im Januar?

Torben: Es wird sich relativ schnell zeigen, wie viele neue Songs das Publikum hören möchte und dem wollen wir auch gerecht werden. Von uns aus würden wir gerne die ganze Scheibe live zelebrieren, aber wir wollen vor allem, dass es unserem Rudel gefällt. Die ersten beiden Singles "Ozeanische Liebe" und "Alles dreht sich", oder auch der Titeltrack zünden live jedenfalls schon mal sehr gut.

GL.de: Wie geht ihr heute auf Tour, wer kommt alles mit und was ist heute besser als vor 20 Jahren? Und was vermisst ihr vielleicht auch?

Torben: Wir touren nach wie vor mit einem Kleinbus, in den wir uns alle das Wochenende über reinquetschen. Für einen größeren Tourtross sind wir als Act nicht groß genug und das würde sämtliche Einnahmen aufzehren. Früher sind wir mit Nightliner und Crew losgefahren, aber da blieb am Ende fast nichts übrig, so dass wir es wieder gelassen haben. Ich vermisse die politische Punkrock-Szene der 90er. Davon sind heute nur noch Reste am Start und der ganze Diskurs ist heutzutage auf ein duales Brüllen in zwei gegensätzliche Kommunikationsröhren reduziert. Like oder Dislike - es gibt kaum Raum für diverse bunte Meinungen. Die Entwicklung gab es schon vorher, aber Corona hat das ganze vollends pervertiert. Früher hatte jeder Punk seine ganz eigene kleine Verschwörungstheorie am Start, sonst gehörte man nicht dazu. Heute würde man dafür in einen rechten Topf geworfen und zum Schwurbler abgestempelt werden. Dabei gibt es diese eine reelle Bedrohung und Verschwörung und diese heißt Kapitalismus und Wirtschaftswachstum. Keine Ahnung, wie wir als Gesellschaft zur Offenheit und Toleranz zurückfinden können, aber es ist bitter nötig und die Zeit knapp. Handys sind auch ein Fluch und haben den Menschen mehr genommen als gegeben...
GL.de: Welche Ziele und Wünsche und Pläne habt ihr für dieses Jahr und was für Träume für die Zukunft?

Torben: Wenn es mal wieder langen würde, um ein paar Monate von der Musik zu leben, das wäre schon klasse. Aber, so oder so, machen wir weiterhin unser Ding. Das Schönste wäre, den Krieg und das Erdbeben hätte es nie gegeben. Es passieren so dermaßen viele wahnsinnig schreckliche Sachen in der Welt, da fällt es schwer, den Kopf überhaupt hochzuhalten. Deshalb ist es uns so wichtig, dass die "Ahoi" ein positives von-hier-aus-stechen-wir-in-See-Signal geworden ist. Wir brauchen alle doch wenigstens den Soundtrack, der uns über Wasser hält. Wie sollen wir den Klimawandel auf 1,5 Grad eingrenzen, wenn wir nicht mal den Krieg als Institution abschaffen können? Seit über einem viertel Jahrtausend herrscht nun durchgehend Krieg irgendwo auf der Erde. Das spricht doch Bände. Es wäre ein Traum mitzuerleben, wie sich alles zum Guten wendet, aber ich fürchte, daraus wird wohl nichts mehr. Die meisten Nationen benehmen sich, mehr denn je, nur noch wie Warlords. Und die großen Länder spielen gerade mit und um unser aller Leib und Wohl...
Weitere Infos:
www.rantanplan-sucks.de
www.instagram.com/rantanplan_band
www.facebook.com/rantanplanband
Interview: -Mathias Frank-
Foto: -Pressefreigabe-
Rantanplan
Aktueller Tonträger:
Ahoi
(SBÄM/Broken Silence)
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