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ROO PANES
 
Inspiration als Urlaub
Roo Panes
Der britische Songwriter Roo Panes macht mit seinem insgesamt vierten Longplayer "The Summer Isles" im Prinzip dort weiter, wo er vor der Pandemie mit seinem - sehr treffend betitelten - dritten Werk "The Quiet Man" aufgehört hatte und setzt sich dabei erneut angenehm von seinen weit bekannteren und etablierten UK-Songwriter-Kollegen ab, die ihr Heil nicht so sehr in subtilen Zwischentönen und emotionaler Aufrichtigkeit suchen, sondern in einer plakativen Hinwendung zu Großgesten-Klischees und mainstreamiger Pop-Produktionen - die Roo Panes vollständig abgehen. Laute Töne waren dabei ja noch nie Roos Ding und so wundert es denn auch nicht, dass es auf dem neuen Werk - trotz faszinierender klanglicher Experimente und innovativen Arrangements - eher wieder entspannt und nachdenklich zu geht.
Mal so gefragt: Was macht der Mann, der eigentlich Andrew heißt und seinen Spitz- und heutigen Künstler-Namen "Roo" bekam, weil er - wie der Charakter aus dem Buch "Winnie The Pooh" - als Kind mal in einen Fluss gefallen war, eigentlich musikalisch, wenn er mal so richtig Wut im Bauch hat und den Drang verspürt, auch mal auf die Pauke zu hauen? "Was mache ich musikalisch, wenn ich den Drang verspüre mal so richtig auf die Pauke zu hauen?", fragt sich Roo selbst noch ein Mal, "die ehrliche Antwort darauf ist tatsächlich, dass ich dann friedfertige Songs schreibe. Das ist eine lustige Sache, denn das Schreiben von Songs ist ziemlich kathartisch, oder? Und wenn ich mir Songs anhöre, die ich in solchen Momenten geschrieben habe, dann sind das Lieder, die ich an mich selbst geschrieben habe. Ich werde dann einfach still und schreibe einen Song." Nun - das erklärt so Einiges. Aber woran liegt es denn dann, dass diese neuen Songs - trotz einer gewissen Nachdenklichkeit - durchaus eine positive Note haben? Ist die Scheibe stimmungsmäßig vielleicht von vorneherein als Gegenmittel der Pandemie angelegt? "Ich mag es nicht, in der Art zu schreiben, wie ich mich gerade fühle", erklärt Roo, "ich mag es aber, eben diese Gefühle über meine Songs anzusprechen. Ich meditiere also über die Dinge, die mich besser fühlen lassen - nicht auf eine jubilierende, sondern auf eine künstlerische Art. Ich habe mich dann also auf Momente vor der Pandemie bezogen. Tatsächlich wie ein Gegenmittel. Wenn ich mich also traurig fühle, dann schreibe ich eher einen hoffnungsvollen als einen traurigen Song. Als Songwriter gibt es ja auch eine gewisse Verantwortung, Traurigkeit nicht immer noch trauriger zu machen. Manchmal kann das gut sein - aber in meiner Vorstellung mag ich die Idee, dem Hörer auch immer ein wenig Zuversicht zu vermitteln." Das heißt also, dass der Zuhörer durch Roos Musik Trost finden soll? "Hoffentlich schon", führt er aus, "dazu gibt es aber verschiedene Dinge zu sagen. So kann 'Hoffnung' schon alleine deswegen in der Melancholie zu finden sein, weil 'Hoffnung' als Thema ziemlich schwierig ist. Einen hoffnungsvollen Song über einen traurigen Moment zu schreiben, macht die Sache ja nicht einfacher. Man kann kann einen traurigen Song schreiben, der den Zuhörer durchaus in einem traurigen Moment abholt - aber gleichzeitig kann man doch positiven Aspekte erforschen. Das passiert auf derselben Ebene - wohingegen es einfach ist, einen Song zu schreiben, der nur fröhlich oder nur traurig ist. Das kann alles in derselben Welt zuhause sein. 'Hoffnung' ist also ein interessantes Ding, wenn es um 'Melancholie' geht." Wie sieht es denn mit Eskapismus und Utopia - sozusagen die unehelichen Kinder der Hoffnung - aus? Ist das ein Thema für Roo? "Total", pflichtet er bei, "die ganze Idee mit den 'Summer Isles' basiert praktisch darauf. Die Eingebung nach Schottland zu reisen, um dort Inspirationen für die neuen Songs zu finden, ist ein Eskapismus-Ding. Wir wollten einfach mal schauen, ob das gut ist, wenn wir einen anderen Himmel und eine andere Szenerie zu Gesicht bekommen - und es war auch gut. Die Sache war auch die: Ich las ein Buch namens 'The Summer Isles', das mir meine Schwester zu Weihnachten geschenkt hatte. Es war von diesem Autor, der diese Inseln bereist hatte. Er spricht davon, wie die keltischen Inseln an der schottischen und der irischen Küste historisch gesehen eine eskapistische Bedeutung für die Bewohner hatten. Diese haben diese Inseln betrachtet wie mystische Utopien. Das hat mir sehr gut gefallen."

Roo verwendet in seinen Songs viele verschiedene Details wie Namen und Orte. Das bedeutet vermutlich aber nicht, dass seine Songs eine Art Tagebuchersatz für ihn sind, oder? "Nun ja - alles was sich in den Songs befindet, ist real", führt er aus, "in dem Song 'I Just Love You' spreche ich zum Beispiel von einem Gemälde, das an der Wand hängt - und dieses Gemälde gibt es tatsächlich. Die Details sind sind also Teil der Erzählung. Das ist mir neu. Der Song 'Suburban Pines' besteht ja praktisch nur aus Details aus meinem Leben. Ich erinnere mich an Situationen, die ich in dem Song beschreibe: Frösche, die in der Schule auftauchen, ein bestimmtes T-Shirt das ich tragen musste, weil es kalt war - das sind Anekdoten aus meinem Leben. Auf der anderen Seite will ich aber auch einen Hauch von Mystik wahren - und daraus entstehen dann die eher konzeptionellen Songs."
Kommen wir aber mal zur Musik. Welche Art von Instrumenten verwendet Roo auf dem neuen Album? Die Frage mag ein wenig seltsam erscheinen, denn auf den ersten Blick scheint es sich um eine konventionelle Akustik-Pop-Instrumentierung zu handeln. Erst bei genauem Hinhören offenbaren sich dann allerdings zahlreiche unaufdringliche Details. "Ich habe eine alte Mandoline mit acht Nylon-Saiten gefunden, die man wie eine Ukulele spielt und die ich deswegen 'Mandolele' nenne", führt Roo aus, "das gibt dann diesen dichten Doppelsaiten-Effekt. Ich habe dann einige Songs darauf geschrieben. Dann habe ich mir ein Wurlitzer-Piano gekauft, weil ich daran interessiert war, mit Effekten mehr Ambient-Sounds auszuprobieren. Ich habe dann einige Gitarren-Effekte in dieses antike Wurlitzer-Piano gestöpselt und damit einige psychedelische Texturen erzeugt. Das Wurlitzer ist deswegen faszinierend, weil es so vielseitig ist. Alleine wenn man den Hall-Regler hochfährt, ist das schon atemberaubend. Dann habe ich festgestellt, dass man damit eine Art Glocken- und Perkussions-Effekt oder den Klang einer Marimba erzielen kann, wenn man ein Mikrofon an den Klangkörper hält, während man es spielt - ohne es einzuschalten. Dann habe ich mir noch eine Resonator-Gitarre mit einem Holzkörper anstelle der Metallenen Klangplatte gekauft, die einen sehr speziellen Klang hat. Die kommt eigentlich aus der Country-Szene - ich wollte aber eher einen 'Ozean-Sound' erzielen, indem ich sie sehr hoch stimmte." Nun - am Ende lässt sich so gar nicht mehr sagen, welche Instrumente welchen Sound erzeugen. "Ja, das ist nett, dass du das so sagst, denn ich denke, zuvor war ich in dieser Richtung immer sehr vorhersehbar", resümiert Roo, "wenn du das herausgehört hast, dann ist das ziemlich cool, weil ich es zwar liebe Sounds zu erschaffen - aber kein besonders technisch versierter Musiker bin. Ich habe auch keine digitalen Kenntnisse, sondern habe alles mit organischen Mitteln gemacht und mag es einfach, Dinge auszuprobieren."

Aber nicht nur musikalisch, sondern auch in Bezug auf die Songstruktur hat Roo einen Schritt nach vorne getan. Früher folgten seine Songs ja konventionellen Strophe/Refrain Schemata - die dieses Mal indes gleich mehrfach aufgebrochen wurden. "Hundertprozentig", pflichtet er bei, "ich würde auch hier sagen, dass man die Erwartungshaltungen in Bezug auf das, wie ein Song sein sollte, aufbrechen muss. Ich mache das jetzt schon so lange, dass ich mir auf diese Weise selbst die Freude am Ausprobieren erhalten muss. Ich versuche immer noch herauszufinden, was ein Song eigentlich ist und habe noch keine definitive Antwort gefunden. Es muss ja gar nicht mal alles auf Anhieb passen. Manchmal schreibe ich auch einen Song, der zunächst mal langweilt, dann aber durch Wiederholungen eine gewisse Spannung erzeugt, die dann dazu führt, dass man das Ganze als Meditation erkennt und dann diese Wiederholungen auch weiter hören möchte. Das ist ein Experiment als Songwriter, denn die Versuchung ist natürlich groß, die Sache zu einem Ziel führen zu wollen. Wenn man aber die Leute wirklich zum Zuhören bringen willst, musst du sie manchmal in einen Raum mitnehmen und zum Zuhören bringen. Das ist eine Idee mit der ich spiele. Dann sind ein paar Songs kürzer als gewohnt während andere sehr lang sind. Ich glaube, dass 'Childhood' der Song mit den meisten Worten ist, die ich jemals geschrieben habe. Und dann gibt es welche, die mit einem Augenzwinkern kommen. 'Notes From A Holiday' sind tatsächlich einfach Notizen, die ich mir während eines Urlaubs gemacht habe. Da habe ich mir gedacht, dass es okay ist, wenn ein Song auch mal nur als Sketch daherkommen darf. Mehr denn je habe ich mich dieses Mal dazu entschieden, die Songs sie selbst sein zu lassen und nichts erzwingen zu wollen." Das heißt, allzu sehr hat Roo die neuen Songs nicht bearbeitet? "Nein", führt Roo aus, "die Herausforderung war die, die Sache zum funktionieren zu bringen. 'Suburban Pines' ist 17 Strophen lang. Wie kann man so etwas umsetzen? Wie kann man das musikalisch rechtfertigen? Wie kann man dem Hörer klarmachen, dass es okay ist, sich 17 Strophen anzuhören? Solche Sachen habe ich mir überlegt. Es war also weniger ein Problem des Editierens, sondern eines des Arrangierens."
Roo Panes
Wovon lässt sich Roo denn musikalisch inspirieren? "Ich versuche mich nicht allzu sehr an anderen Songwritern zu orientieren", überlegt Roo, "ich bin auch nicht besonders trendy und versuche auf klassische Weise Songs zu schreiben. Dabei lasse ich mich eher von visuellen als von musikalischen Eindrücken inspirieren. Als wir die Songs gemischt haben, habe ich mir Trailer von Spielfilmen angeschaut und mich an deren Stimmung orientiert. Das hat mir sehr geholfen. Was ich mir zur Zeit gerne anhöre, ist minimalistische Piano-Musik. Ich denke nämlich, dass diese Art der Musik versucht, eine Narrative zu erzeugen wie ich das auch versuche - also ohne das Strophe/Refrain-Format. Ich mag diese Art von Musik, weil sie in der Lage ist, den Hörer mit eher weniger als mehr auf eine musikalische Reise mitzunehmen - was auch eine größere Herausforderung darstellt. Deswegen gibt es auch diese instrumentale Intro 'A Handful Of Summer' am Anfang der Scheibe."

Okay - mal abgesehen von der Technik oder dem Ansatz: Wonach sucht Roo Pane als Songwriter? "Weißt du die Leute fragen mich immer wieder, in welchem Genre ich mich bewege", meint Roo, "es wäre einfach, dann einfach 'Folk' oder sowas zu sagen. Ich denke aber nicht über Genres nach, sondern wie ich jemanden dazu bringen kann, das selbe zu fühlen, was ich gefühlt habe, als ist den betreffenden Song geschrieben habe. Es geht also darum zu vermitteln, was ich singe. Alles zusammen muss dann auf die betreffenden Gefühle hinauslaufen, die ich vermitteln will und wie ich diese Gefühle erzeugen kann."
Weitere Infos:
www.roopanes.uk
www.facebook.com/roopanes
www.instagram.com/roopanes
www.youtube.com/@roopanes/videos
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Roo Panes
Aktueller Tonträger:
The Summer Isles
(Leafy Outlook/Believe)
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