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STINA HOLMQUIST
 
"Ich möchte kein Abziehbild sein"
Stina Holmquist
Wandlungsfähigkeit als Markenzeichen: Die Duisburger Singer/Songwriterin Stina Holmquist fasziniert mit zeitlos elegischem Indie-Pop, bei dem sie zwischen raffinierter Eingängigkeit und melancholischer Ruhe nie die eigene Note vergisst. Wenn sie mit offenen Augen ihre Gedanken zur sich immer schneller drehenden Welt festhält, entstehen so Lieder, die Herz und Seele gleichermaßen berühren. Jetzt erscheint ihre beeindruckende neue Single "Asphalt", außerdem gibt es in den kommenden Wochen und Monaten viele Möglichkeiten, Stina live auf der Bühne zu erleben. Gaesteliste.de traf die junge Hoffnungsträgerin in ihrer Heimatstadt zum Interview.
Fragt man Stina Holmquist, welchen Stellenwert die Musik in ihrem Leben einnimmt, erntet man zunächst einmal ein Lachen. "Ich stecke so viel Zeit in die Musik, dass ich alles um mich herum vergesse", gesteht sie. "Das klingt ein bisschen kitschig, aber das ist wirklich so. Inzwischen ist es viel mehr als ein Hobby, denn die Musik füllt mich total aus. Wenn ich mit anderen Leuten zusammen bin, muss ich fast ein wenig aufpassen, dass ich nicht zu viel davon rede, denn ich könnte stundenlang darüber sprechen."

Als Kind wächst Stina Jebavy - so ihr bürgerlicher Name, Holmquist ist der Name ihres in Schweden lebenden Großvaters - in einem musikbegeisterten Umfeld auf. Mit acht Jahren bekommt sie Klavierunterricht, mit zwölf Jahren auch Gesangsunterricht. Erste eigene Lieder schreibt sie bereits zu Schulzeiten, doch erst die Pandemie gibt ihr Zeit und Gelegenheit, sich richtig ins Songwriting zu vertiefen. War es früher noch der Musikgeschmack ihrer Eltern, der auf sie abfärbte, kennt sie heute keine Berührungsängste bei ihren Hörgewohnheiten und zählt Acts wie Asgeir, Kaleo, Giant Rooks, Tom Odell, Luke Noa, Tina Dico und - natürlich! - Lana Del Rey zu ihren Favoriten. Dabei haben diese Künstlerinnen und Künstler nicht nur dezente klangliche Spuren in Stinas Songs hinterlassen, sondern ihr auch die Augen für eine neue Sicht auf ihr Tun geöffnet: "Weil ich vom klassischen Klavier komme, habe ich lange gedacht, dass ich die krassesten Klavierstücke schreiben muss, bis ich dann irgendwann mal etwas von Lana Del Rey gecovert und gemerkt habe: Oh, das sind einfach nur vier Akkorde, und es kann manchmal auch ganz simpel sein."

Simpel sollte man dabei allerdings nicht mit eintönig verwechseln, denn Stinas Lieder erhalten nicht nur durch das prägnante Piano und den Einsatz von Bläserklängen die besondere Note. Auch sonst sind sie bemerkenswert facettenreich - mal laut, mal leise, mal traurig gestimmt, mal betont überschwänglich. Doch obwohl Stina durchaus klare Vorstellungen von ihrer Musik hat, verlässt sie sich inzwischen beim Schreiben und Arrangieren ihrer Songs am liebsten auf ihr Bauchgefühl. Letztlich ist so all das erlaubt, was gefällt, zumal sie sehr geschickt darin ist, in ihrer Musik so viele unterschiedliche Einflüsse zu verarbeiten, bis am Ende etwas Eigenes dabei entsteht. Dass sie damit ein Stück weit gegen den Strom schwimmt, ist ihr durchaus bewusst: "Ich finde das schade, dass viele junge Künstlerinnen und Künstler das Gefühl haben, einem bestimmten Vorbild folgen zu müssen. Ich möchte viel lieber etwas Eigenes machen. Ich möchte kein Abziehbild sein, und ich finde es schade, dass dieser Gedanke heute oft untergeht, auch in Form von Social Media. Dort muss immer alles perfekt sein, mir aber ist es lieber, wenn es etwas Individuelles ist."

Diese Idee spiegelt sich in Stinas Auftreten genauso wider wie in ihrer Musik. Doch was ist eigentlich ihr Antrieb beim Schreiben ihrer Lieder? "Ich habe noch keinen Song nur für mich geschrieben", verrät sie. "Ich glaube, ich könnte das auch gar nicht. Ich schreibe die Songs mit dem Gedanken, sie aufzunehmen, sie live und mit Band zu spielen. Ich glaube, ich habe zu jedem Song auf bestimmte Weise eine so enge Bindung, dass ich diese Bindung mit anderen Menschen teilen will und möchte, dass andere Leute sich damit identifizieren können." In dem Ende des letzten Jahres veröffentlichten Song "In A Dress" beschreibt sie "das Gefühl, sich in seinem Alltag im Kreis zu drehen und immer dasselbe zu tun." Gleichzeitig richtet sie sich aber auch gegen das "Höher, schneller, weiter"-Denken, dass sich heutzutage in vielen Köpfen festgesetzt zu haben scheint und dazu führt, dass niemand mehr den Moment genießen kann, weil es immer nur um den nächsten Schritt geht.

Das just als Single veröffentlichte "Asphalt" dagegen ist persönlicher gefärbt. "Diesen Song zu schreiben hat meinen Ängsten einen Platz zum Leben gegeben", erklärt sie. "Es geht darum, ständig Angst vor etwas zu haben, das passieren könnte. Gefühlen einen Platz zu geben, das ist, als wenn man etwas in eine Kiste tut und den Deckel drauf macht. Das hat dann seinen Raum und hilft dabei, meine Gefühle festzuhalten, ohne dass sie mich überwältigen. Der Song spiegelt viele Bilder wider, die für mich einen sehr persönlichen Hintergrund haben. Wenn die Angst einen packt, dann ist das oft das Einzige, an das man denken kann, dann lässt man alles stehen und liegen. Dadurch hat das Ganze auch immer etwas Klaustrophobisches. Das habe ich versucht im Refrain festzuhalten. Regen auf Autodächern kann einerseits total beruhigend sein, aber auch beängstigend und ich glaube, das Bild steht für den Song und was ich dadurch versuche zu vermitteln und festzuhalten."

Doch nicht nur textlich macht Stina mit der neuen Single den nächsten Schritt. Entstanden die drei Songs ihrer im Frühjahr des vergangenen Jahres veröffentlichten Debüt-EP "Deep Water" praktisch vor ihrer Haustür im Redroom Recording Studio in Rheinberg, arbeitet Stina inzwischen mit Produzent Alex Sprave zusammen, der zuvor schon mit Steiner & Madlaina, Me & My Drummer, Max Prosa, Tim Bendzko kollaboriert hatte. Stina war durch seine Arbeit für Luke Noa auf ihn aufmerksam geworden. "Als ich angefangen habe, live zu spielen, habe ich gesagt: Wenn ich mir irgendwann mal einen Produzenten aussuchen darf, dann würde ich Alex nehmen!", erinnert sie sich lachend. "Ich habe ihn dann einfach auf Instagram angeschrieben: 'Hey, hier sind meine Songs, hast du vielleicht Bock, was zusammen zu machen?', und dann ist da wirklich was draus geworden!" Sprave half Stina, ihren Sound auf die nächste Stufe zu heben, oder wie sie es ausdrückt: "Er konnte noch einen Anstoß geben bei Dingen, die ich selbst spürte, aber nicht in Worte fassen konnte. Gleichzeitig hat er aber immer darauf geachtet, dass alles für uns passt. Das war echt ein Glücksgriff!"

Wie schon "In A Dress" entstand "Asphalt" in Spraves Panorama Studios vor den Toren Berlins und gab Stina die Chance, auch klanglich ein neues Kapitel aufzuschlagen. Der dezente Handmade-Americana-Vibe, der im vergangenen Jahr vor allem auf der Bühne noch viele ihrer Songs umwehte, weicht gerade bei "Asphalt" einem druckvollen, spürbar synthlastigeren Sound, der dem Zeitgeist ein kleines Stück entgegenkommt. Zur Seite standen ihr bei den Aufnahmen die Musiker, die sie inzwischen auch live begleiten: Ihr Bruder Lasse Per Jebavy am Schlagzeug, Paul Sabel an der Posaune und Synthesizer, Joshua Mandlburger am Bass und Gitarrist Tarik Mujadzic. Sie haben inzwischen die ungewöhnlich generationenübergreifende Band abgelöst, mit der Stina letztes Jahr auf der Bühne gestanden hatte, weil sie zunächst in ihrem Umfeld keine Mitstreiter in ihrem Alter finden konnte. "Ich wollte Musiker, die umsetzen könne, was ich mir vorstelle, die Erfahrung mitbringen und die ihr Instrument beherrschen. Das war mir damals einfach wichtig", sagt sie rückblickend. "Wir sind mit der Band auch wirklich weit gekommen, aber irgendwann kam es an einen Punkt, an dem es von der Zeit und den Ambitionen nicht mehr gepasst hat." Als klar war, dass der wachsende Erfolg des Projektsicht mehr mit den beruflichen Verpflichtungen ihrer Mitstreiter in den besten Jahren zu vereinbaren war, suchte und fand Stina Musiker, die ihre Energie voll auf das Projekt fokussieren können.
Apropos Ambitionen: Ein Album hat Stina zwar im Hinterkopf, zunächst einmal konzentriert sie sich auf ihre neue Single und die vielen Konzerte, die in den kommenden Wochen und Monaten anstehen (darunter ein Auftritt beim Traumzeit Festival in Duisburg) und freut sich wahnsinnig, dass ihre Wünsche und Hoffnungen langsam, aber sicher Realität werden. "Mein Bruder und ich träumen beide seit wir klein sind davon, Musiker zu werden. Das ist gerade ein Kindheitstraum, der in Erfüllung geht", sagt sie freudestrahlend. "Wir wollen das auf jeden Fall zum Beruf machen, um das mal ganz ehrlich zu sagen. Das ist das Ziel, und da stecken wir alles rein, was wir können." Zu verbissen geht sie dabei trotzdem nicht zu Werke: "Ich sage immer: Wir haben nichts zu verlieren und wir schauen einfach, wo uns das hinführt."


Weitere Infos:
www.stinaholmquist.de
www.facebook.com/stinaholmquist.official
www.instagram.com/stinaholmquist
stinaholmquist.bandcamp.com
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Thomas Berns-
Stina Holmquist
Aktueller Tonträger:
Asphalt (Single)
(Eigenveröffentlichung)
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