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DROPKICK MURPHYS
 
"Wir haben nach Sachen gesucht, die uns sofort zu Herzen gehen"
Dropkick Murphys
Nein, neu ist sie nicht, die Faszination der Dropkick Murphys für Woody Guthrie. Bereits 2003 vertonte die Band Band-Mastermind Ken Casey erstmals einen der Texte der Folk-Ikone, zu denen der von der unheilbaren Erbkrankheit Chorea Huntington gezeichnete Musiker selbst keine Melodie mehr schreiben konnte, doch erst jetzt tauchen die Bostoner Celtic-Punks vollends in Guthries Welt ein. Schon auf ihrem letztjährigen Album "This Machine Still Kills Fascists" vertonten sie zehn erstaunlich zeitlose Texte aus Guthries Nachlass, und zeigten sich dabei von ungewohnter Seite: akustisch, aber emotional und sendungsbewusst wie eh und je. Jetzt setzen sie ihre Mission, Guthries Geist und seine politischen Botschaften in die Jetztzeit zu tragen, mit dem jüngst veröffentlichten Album "Okemah Rising" fort. Im August sind sie beim Wacken Open Air, bei Highfield Festival und bei Headline-Shows in Bonn, Töging und Neu-Ulm auch wieder auf deutschen Bühnen zu Gast.
Die Geschichte dieser beiden Platten beginnt eigentlich schon vor mehr als 20 Jahren, denn damals ebnete den Dropkick Muphys eine glückliche Fügung den Weg zu Woody Guthrie. "Woodys Enkel Cole war als Teenager Punkrock-Fan und hatte ein Dropkick Murphys-Poster an der Wand seines Zimmers”, erinnert sich Casey im Gespräch mit Gaesteliste.de Westzeit-Interview. "Das erregte die Aufmerksamkeit seiner Mutter Nora, und Cole sagte: 'Ich glaube, Opa hätte die Band gefallen, denn es gibt eine Reihe Gemeinsamkeiten in puncto Ideologie.' Anschließend hat Nora uns dann kontaktiert und uns eingeladen, das Woody-Guthrie-Archiv zu besuchen und einen Blick auf Woodys unveröffentlichte Texte zu werfen."

Damals wählte die Band zwei Texte aus, das in der Heimat der Dropkick Murphys spielende "Shipping Up To Boston" - "Das hat natürlich sofort meine Aufmerksamkeit erregt", sagt Casey - und "Gonna Be A Blackout Tonight", die damals auf zwei aufeinanderfolgenden Alben der Band veröffentlicht wurden und bis heute zu ihren beliebtesten Songs zählen. "Das Ziel, irgendwann einmal ein komplettes Album mit Woody-Songs aufzunehmen, hatten wir schon damals", erinnert sich Casey. "Allerdings bin ich mir sicher, dass wir die Songs laut und elektrisch aufgenommen hätten, wenn wir die Idee früher in unserer Karriere umgesetzt hätten. Aber je mehr Zeit verstrich, desto klarer wurde uns, dass es schön wäre, die Sache anders anzugehen und damit den Leuten zu zeigen, dass wir auch eine andere Seite haben. Obwohl ich nicht glaube, dass das, was wir aufgenommen haben, nach Woody Guthrie klingt, sind die akustischen Arrangements auch eine Anspielung auf seinen Americana-Vibe. Nach 26 Jahren in der Band hat es eine Menge Spaß gemacht, mal etwas anderes auszuprobieren."

Aufgenommen haben die Dropkick Murphys "Okemah Rising" in Guthries Heimatstaat Oklahoma. "Für gewöhnlich spielt der Aufnahmeort für uns keine große Rolle, aber in diesem Fall denke ich schon, dass uns Tulsa inspiriert hat, weil dort heute das Woody-Guthrie-Museum beheimatet ist", gesteht Casey. "Den Vormittag dort zu verbringen und sich all die Ausstellungsstücke anzuschauen und dann am Nachmittag eine halbe Meile entfernt diese Musik aufzunehmen..." Während der Titel des letztjährigen Albums "This Machine Still Kills Fascists" an den Slogan angelehnt war, den Guthrie einst als Reaktion auf Hitler-Deutschland und den zweiten Weltkrieg auf seine Gitarre gemalt hatte, erinnert "Okemah Rising" nun an die 3.000-Seelen-Gemeinde, in der Guthrie 1912 geboren wurde. "Nach Okemah zu fahren war sicherlich der wichtigste Einfluss", verrät Casey. "Du fährst die Hauptstraße entlang und nur jedes zehnte Geschäft hat noch geöffnet. Alle anderen sind geschlossen und verbarrikadiert. Da konnte man wirklich spüren, was die Pandemie mit kleinen Orten wie diesem gemacht hat, das war ein noch größerer Einfluss als Tulsa selbst."
Obwohl Billy Bragg und Wilco in den späten 90ern bereits drei Alben mit unveröffentlichten Guthrie-Texten aufgenommen haben, schlummern auch heute noch unzählige unvertonte Manuskripte im Archiv. Dennoch wussten Casey und Co. genau, wonach sie suchten. "Wir haben nach Sachen gesucht, die uns sofort zu Herzen gehen und uns sofort fesseln", erklärt er. "Uns ging es um die politischen Texte, in denen Woody über seine Liebe zu den Gewerkschaften schrieb, aber auch über die Geldgier der großen Unternehmen oder darüber, wie die Arbeiterschicht herumgestoßen wurde. Gleichzeitig sind wir natürlich auch noch über andere Botschaften gestolpert, wie seine scharfe Ablehnung des Faschismus - alles Themen, die heute noch hochaktuell sind, und genau danach haben wir gesucht."
Weitere Infos:
www.dropkickmurphys.com
www.facebook.com/DropkickMurphys
www.instagram.com/dropkickmurphys
www.youtube.com/user/dropkickmurphys
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Emmanuela Giurano-
Dropkick Murphys
Aktueller Tonträger:
Okemah Rising
(Duophonic UHF Disks/Pias/Rough Trade)
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