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NEW END ORIGINAL
 
Das zufällige Glücksprinzip
New End Original
Die Geschichte von New End Original ist eine ebenso kurze wie besondere. Vier Musiker trafen sich zu einer gemeinsamen Probe. Die Zusammenkunft war so ergiebig, daß man sofort ein Album aufnahm. Dieses heißt "Thriller" und könnte trotz aller Spontaneität intensiver und mitreißender kaum sein. "Diese Band ist eine einzige, große Überraschung", sagt Sänger Jonah Matranga heute, wenige Monate später. Aus zwei Gründen sollte man das nicht für eine übertriebene Geste halten. Zum einen betont der Mann während des Interviews mehrmals, alles so zu meinen, wie er es sagt. Zum anderen hat er bereits gegenteilige Erfahrungen gemacht, die ihn von unüberlegt euphorischen Aussagen abhalten dürften. Jonah war Sänger der 1999 aufgelösten Far aus Sacramento, die wie New End Original ungezwungen emotionale Rockmusik spielten, allerdings auf deutlich Hardcore-lastigere Weise. Ursprünglich wollte Herr Matranga nach der Trennung von Far nichts mehr mit Rockmusik zu tun haben. Statt dessen galt seine Aufmerksamkeit dem Projekt "Onelinedrawing", das er allein mit seiner Akustik-Gitarre und einem Spielzeugroboter darstellte. Während dieser Zeit befand er sich in Kontakt mit dem ehemaligen Texas Is The Reason-Gitarristen Norman Arenas. Gemeinsam mit ihm, dem Ex-Chamberlain-Schlagzeuger Charles Walker und Arenas' ehemaligem Bandkollegen und Bassisten Scott Winegard spielte er die Onelinedrawing-Songs in voller Besetzung. Womit wir bei oben beschriebener Probe angelangt werden, deren Resultat New End Original heißt.
Wir sitzen im Backstage-Bereich des Dortmunder Clubs "Sabotage" auf einem unbequemen Sofa. Es ist dunkel, so daß der eine den anderen kaum erkennt. Doch "dann sieht man wenigstens nicht, wie dreckig es hier ist", erläutert Jonah den Vorteil dieses Platzes. Daß das Interview auf die Zeit nach dem Auftritt verlegt wurde, erweist sich für beide Seiten als Vorteil. Die Band hat gerade ein phantastisches Konzert gespielt und ihr Sänger freut sich, Eindrücke darüber auszutauschen. Als New End Original im August für einige Konzerte nach Deutschland kamen, war das Album noch nicht veröffentlicht. So galt es, ein Publikum zu überzeugen, das noch keinen einzigen Song kannte. "Es ist eine andere Art von Spannung. Vorher wußte niemand wirklich, wer wir waren. Ich weiß nicht, warum die Leute damals zu den Shows kamen, darum war es sehr aufregend. Die momentanen Auftritte sind spannend, weil wir jetzt den Effekt unserer Platte sehen können. Das macht großen Spaß", vergleicht ein zufriedener Sänger die Erlebnisse der ersten und der jetzigen Tour. "Ich liebe das, wenn die Leute tanzen und singen! Ich würde nie jemanden dazu zwingen und schreien 'Come on and sing' oder so etwas. Aber wenn es spontan passiert, ist das toll. Nicht, weil ich mich dabei wie ein Rockstar fühle. In diesen Shows geht es um Entertainment. Es ist wie eine Party, bei der man Spaß haben soll." Dabei wird darauf geachtet, daß Spaß nicht zum gegenseitigen Verletzen führt. Crowdsurfen bestraft die Band schon einmal mit dem Unterbrechen eines Songs. Solche Spontaneität ist ein wichtiges Merkmal der New End Original-Konzerte. "In den letzten Jahren habe ich viele Shows allein gespielt und die waren spontan. Ich versuche, mich daran zu gewöhnen, daß man einen gewissen Plan haben muß, weil da noch drei andere Menschen auf der Bühne stehen. Ich mag es, wenn bei einem Auftritt Sachen kaputt gehen oder jemand etwas merkwürdiges tut, weil das für Chaos sorgt. Ich bin nicht gerne professionell."
Mein Gesprächspartner wirkt entspannt und zufrieden. Wie auf der Bühne hat er spricht er von Liebe, positiver Lebenseinstellung und Solidarität. Man mag das pathetisch finden. Bei aller Skepsis steht allerdings fest, daß dieser Mann in seinen Texten Weisheiten ausdrückt, die seine Zuhörer nachvollziehen können. Wie die Zeile aus dem Song "Lukewarm", zu lesen auf den T-Shirts der Band: "I never want to say my best days are behind me." Trotz der oft melancholischen Texte finden die Stücke auf "Thriller" einen angenehmen Mittelweg zwischen Hoffnung und Verzweiflung. "Ich weiß, daß viele meiner Texte sehr dunkel klingen. Aber ich schwöre, selbst wenn sie eine schlechte Stimmung reflektieren, sind sie der beste Weg, darüber hinwegzukommen. Musik bedeutet für mich, alle möglichen Emotionen zu durchleben und Freude ist keine oberflächliche Sache, sondern es geht darum, Sachen zu empfinden. Diese Band nimmt Freude sehr ernst und wir versuchen, sie zu finden." In gewohnt bescheidener Weise beschreibt Jonah die Wirkung seiner Musik: "Kreativ zu sein kann man nicht üben. So etwas kommt von irgendwo anders her. Manche Leute halten Far für das Beste, was ich je gemacht habe. Das ist in Ordnung; ich kann nicht kontrollieren, was andere Menschen denken. Für mich ist es wichtig, nicht in der Vergangenheit stecken zu bleiben." Dabei drückt er in seiner Musik genau das aus, was andere denken, das müsste ihm doch bewußt sein. "Ich bin stolz auf das, was ich schreibe. It's pretty me." gibt er zu. "Ich mag es, über einfache Sachen zu schreiben. Nicht einfach im Sinne von 'dumm' oder 'blabla', aber es soll direkt sein und die Leute ansprechen. Wenn jemand zu mir sagt, daß er diesen Satz liebt, ist das ein großes Kompliment für mich."

Es ist fast müßig zu erwähnen, dass auch Jonah Matranga nach dieser Idee lebt. Daher käme es ihm nie in den Sinn, irgend etwas frustriert oder halbherzig zu tun. "Es ist egal, welchen Beruf man ausübt; man muß hart arbeiten. Also tut man es am besten mit Freude. Zugegeben, die Arbeit bei einer Tour ist scheiße. Man fährt sieben Stunden auf der Autobahn, es ist kalt, es regnet, ich bin krank und vermisse mein Kind. Aber was das Ganze so schön macht, ist, Songs zu schreiben und Konzerte zu spielen. So etwas kann kein Geld oder Luxus ersetzen. Ich bin sehr gut in dem, was ich gerne tue und sehr schlecht darin, etwas aus irgendeinem anderen Grund zu tun."

New End Original
New End Original ist keine Band, die mit der Vergangenheit abschließt, indem man nicht darüber spricht. Dennoch hilft eine so gut funktionierende Formation vielleicht auch, über enttäuschende Erfahrungen hinweg zu kommen. "Onelinedrawing und Far könnten unterschiedlicher nicht sein. Darum war ich sehr sicher, daß niemand zu meinen Shows kam, nur weil er Far mochte. Zu Beginn von New End Original habe ich mir zuerst einige Gedanken gemacht. Es ist eher eine traditionelle Rockband und sie würde mit Far verglichen werden. Aber je mehr wir spielen, desto besser fühle ich mich im Bezug darauf." Was unter anderem daran liegen dürfte, daß sich die vier Bandmitglieder auf persönlicher wie musikalischer Ebene bestens verstehen. "Es ist die Chemie. Direkt bei der ersten Probe, während der ersten 10 Sekunden des ersten Songs wußte ich, daß das nicht mehr Onelinedrawing war, sondern eine Band", reflektiert er zufrieden. "Ich war nie in einem Gefüge, das so schnell zusammen kam und so richtig erschien." Und was wäre, wenn jemand dieses Gefüge verlassen würde, könnte es dann weiter gehen? "Ich weiß es nicht..." antwortet der Sänger nach einer Weile. "In dieser Band spielt jeder emotional und musikalisch eine Rolle. Mein Instinkt sagt mir, daß wir nicht weiter machen könnte. Aber ich bin jemand, der diesen Moment abwartet."

"That was good", läßt Jonah verlauten, nachdem das Aufnahmegerät ausgeschaltet ist. Nachdem ich ihm das gleiche Kompliment im Bezug auf das Konzert zurück gebe, unterhalten wir uns noch zehn Minuten weiter. Dieser Mann schafft durch das, was er sagt, eine angenehm persönliche Atmosphäre. Genau so verhält es sich mit seiner Musik.

Weitere Infos:
www.newendoriginal.com
Interview: -Laura Scheiter-
Fotos: -Pressefreigaben-
New End Original
Aktueller Tonträger:
Thriller
(Jade Tree/Cargo)
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