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THE WANNADIES
 
Manchmal sieht einfach das Unperfekte großartig aus
The Wannadies
Sie stammen noch aus einer Zeit, da nicht jede zweite interessante Band aus nordeuropäischen Gefilden kam: The Wannadies. Ende der Achtziger in einer Kleinstadt in der Nähe von Stockholm gegründet, veröffentlichten sie bereits 1990 unter eigenem Namen ihre erste LP. Ihre achte Single brauchte dann ganze drei Re-Releases, wurde immer beliebter und schließlich zum Sommerhit 1997. Unter Insidern war das der "You And Me Song" ja schon 1996. Und die Fans hatten ihn schon 1994. Da übertreibt die Plattenfirma in ihrem Info gar nicht mal so sehr, wenn sie schreibt "best single of all summers ever". Wie dem auch sei, der Hit lähmte die Band in der Folge nicht. Sie versorgten die Welt weiterhin mit beschwingten Singles und Alben. Gerade jetzt wieder, da "Before And After" in unseren Gefilden erscheint.
Gaesteliste.de trifft Sänger Pär Wiksten an einem sonnigen Julimorgen in Berlin und wir kommen zuerst auf das Passfotoautomatendesign der neuen Platte zu sprechen, das wir für eine Computercollage halten. Aber Pär belehrt uns eines Besseren. Er zeigt auf die verschieden gefärbten Ränder der Passfotos. Sie wurden tatsächlich so und in der gedruckten Reihenfolge in Passfotoautomaten in Schweden und London aufgenommen. "Du bist nicht der Einzige, der das denkt, aber wir haben tatsächlich so lange Fotostreifen gemacht, bis wir das Ergebnis hatten, das wir wollten", sagt Pär. Er ist ein ruhiger Typ. Vielleicht ist es aber auch nur zu früh am Morgen. "Eric Dahlgren rief diesen Mann an, der einen Fotoautomaten in Stockholm betreibt, und fragte ihn, ob wir seinen Automaten umsonst benutzen könnten. So ein Streifen kostet ungefähr fünf Euro und hätte bei den etwa 3 000 Fotos unser Produktionsbudget gesprengt. Dieser Mann ließ uns also eine Woche lang jeden Nachmittag in einem Automaten, der gerade in einer Fabrik gewartet wurde, Fotos machen." Der Automat ist auf dem Cover zu sehen.

Es ist so gemütlich auf der Terrasse des Hotels, dass wir ins Schwärmen kommen. Pär geht gerne in diese alten Fotoautomaten: "Man benutzt eines für den Buspass, den Rest behält man." Bei den computerisierten Automaten gebe es nicht mehr den Charme der vier verschiedenen Aufnahmen, sagt Pär, "manchmal sieht einfach das Unperfekte großartig aus." Die Idee zum Coverdesign stammt übrigens vom schwedischen Künstler Lars Sundh, mit dem die Wannadies schon seit langem an Videos und Plattencovern basteln. Der nahm eine Fotoserie von Andy Warhol zum Vorbild. Passfotos als neuer Lo-Fi Trend.

Mit "Before And After" haben die Schweden ein sehr zeitloses Album geschaffen. Da sind keine Trendeinflüsse auszumachen. Das Album könnte vor fünf Jahren erschienen sein oder erst in fünf Jahren herauskommen. "Ich glaube, das kommt daher, dass das Album sich auf die Lieder stützt und nicht auf einen Sound. Es klingt wie eine Band, aber jeder Song ist anders. Es klingt nicht nach etwas anderem, es klingt nach dem Song, den du gerade hörst. Aber sie sind, unserer Meinung nach, dadurch verbunden, dass sie alle sehr catchy sind." Das ist wahr. Verquere Songstrukturen waren noch nie ein Markenzeichen der Band.

The Wannadies
Bemerkenswert ist, dass die CD wirklich in zwei Hälften geteilt ist. Sie fängt mit einer Hälfte rockiger Stücke an und endet mit den Balladen. Das ist das Ergebnis eines Geistesblitzes, den Pär hatte, als die Band ihr eigenes Studio einrichtete. Er schlug diesen Arbeitstitel vor. "Dann entwickelte sich alles von diesem Punkt aus", zuckt Pär mit den Schultern. Kein großes Ding. "Wir wollten dann jedoch die Songs nicht in Richtungen drängen. Ein Lied wie 'Loveletter' muss einfach ruhig sein. Er ist sehr nachmittäglich (afternoony). Und ein Lied wie 'Nothing Wrong' ist eben ein klassischer Rocker. Wenn wir die Sessions mit neun Punk-Stücken beendet hätten, wäre diese Einteilung nicht möglich gewesen." Die Songs hielten sich jedoch stimmungsmäßig die Waage und bekamen auf einer Limited Edition in Skandinavien auch ihre jeweils eigene CD. Außerdem gab es dann noch einen praktischen Grund für die Aufteilung, erklärt Pär: "Wenn du zu einem Freund gehst und du in der Stimmung bist Musik zu hören, findest du dich neben einem riesigen Stapel CDs wieder. Denn man hört nicht ein ganzes Album, sondern ein, zwei Lieder. Und bei uns kann man wählen."

Das Album erschien in Skandinavien bereits letzten Sommer. Da die Wannadies sich nach einigem Hick Hack entschlossen, in Zukunft alles selbst in die Hand zu nehmen, dauerte es in der Folge etwas länger, das Album auf anderen Märkten herauszubringen. "Wir dachten, es wäre ganz easy beazy teazy, aber der ganze Papierkram mit den Lizenzen hielt uns ewig auf. Auch die Sache mit unserem eigenen Studio dauerte länger als wir dachten. So brauchten wir anderthalb Jahre bis unser Studio fertig war." Parallel entstanden die neuen Songs. "Ich dachte, ich könnte mit ProTools arbeiten, aber im Endeffekt saß ich die meiste Zeit mit einer Bedienungsanleitung herum. Somit dauerte der erste Song zwei Monate, der zweite einen und der letzte Song nur einen Tag", versucht Pär die Dinge einfach zu beschreiben. Egal wie lange welcher Song im Endeffekt gedauert hat, es hat sich gelohnt.

Weitere Infos:
www.thewannadies.com
Interview: -Christian Biadacz-
Fotos: -Pressefreigaben-
The Wannadies
Aktueller Tonträger:
Before And After
(Cooking Vinyl/Indigo)
Druckversion
In die Hitliste

Mehr über The Wannadies:
Interview
Tonträger

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