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TELE
 
Das ist jetzt etwas arg abstrakt
Tele
"Wovon sollen wir leben"? fragt der Albumtitel der inzwischen als Berliner Band zu bezeichnenden Tele. Das korrespondierte besonders gut mit dem Cover der Promo-CD, die die Fünfer-Formation vor moderner Kunst zeigte. Das Cover, das der Konsument zu sehen bekommt, hat diese elegante Verbindung zum Titel leider nicht mehr. Tele geben sich als forsch voran schreitende Band. Eines dieser typischen Wir-sind-eine-Gang Fotos. Aber was bleibt ist die Nachfrage im Lied: "Wie sollen wir sein, wenn nicht glücklich?" Denn leben wollen sie von der Musik, das ist klar, das sagen sie im Interview mit Gaesteliste.de, ohne dass man danach fragen muss. Es ist das erste Interview des Tages, wir sitzen auf einem Ledersofa in der Interviewlounge des Universal-Gebäudes und rühren unseren Kaffee. Sänger Francesco Wilking und die Gitarristen Martin Brombacher und Tobias Rodäbel sind gerade per Taxi eingetroffen und finden, dass sei eine bequeme Sache.
Besonders begeisterte Radfahrer seien sie, obwohl aus Freiburg stammend, nie gewesen, doch wer fragt nach Köperertüchtigung, wenn es hier um big business geht... Tele hatten 2000 das Demo "Tausend und ein Verdacht" produziert, spielten im Vorprogramm der befreundeten Band Hidalgo und wurden von den Musikspionen der Hamburger Plattenfirma tapete vom Fleck weg verpflichtet. Die waren eigentlich wegen des Hauptacts da. 2003 erschien dann eine EP, die einige Aufmerksamkeit erregte und Anfang des Jahres bereits eine erste Hörprobe der Single "Falschrum". Diese wurde dann von Tapete in die Popwelt gesandt und erreichte durch Empfehlung das Gehör von Universal.

Was Tele vordergründig ausmacht, ist der Sound. Er klingt sehr nach den Achtziger Jahren, ohne gewollt retro zu wirken. Wir reden also nicht von ein wenig Casio, sondern von Keyboard-Arrangements, Synthiebläsern und Gitarren, wie wir sie vielleicht noch von The Style Council her kennen. "Das ist schon ein wichtiger Punkt", bestätigt Francesco mit ruhiger Stimme, "weil es bei uns nie so war, dass wir Songs geschrieben haben, vorproduziert und dann irgendwo vierzehn Tage ins Studio gegangen sind, sondern immer die Zeit und die Muße hatten, uns zurückzuziehen und solange an den Dingern rumzumachen, bis wir die für fertig erachtet haben. Das entsteht eben alles in diesen vier Wänden und wird auch da aufgenommen." Die Rede ist vom eigenen Studio, das dieser Tage nun auch den Umzug von Freiburg nach Berlin vollzogen hat. Denn das Album wurde noch im Süden des Landes eingespielt. "Viele Dinge sind auch erst beim Aufnehmen entstanden", schaltet sich Tobias ein. "Wir waren nie eine Band, die 'einfach so' Songs schreibt, die Songs so aufnimmt und dann ist gut. Viele Arrangements sind erst bei den Aufnahmen entstanden. Vielleicht auch ein Grund, warum es eine bestimmte Zeit in Anspruch genommen hat." Was jedoch noch nicht den Sound erklärt. Martin führt die "kleine Insel Freiburg" an, "wo wir relativ abgeschieden vom Rest der Welt unser Zeug gemacht haben." Aber auch "die Musik, die wir selber hören, ist sicher dafür verantwortlich. Verschiedene Sachen, die sich aber auch überschneiden. Man kann da gut und gern auch Bandbeispiele nennen, wie Prince oder Prefab Sprout." Doch gerade dazu gibt es eine Anekdote von Mathias Hielscher, dem Virginia Jetzt! Bassisten, die besagt, dass Tele Prefab Sprout noch gar nicht kannten, bevor sie darauf hingewiesen wurden, dass sie so ähnlich klingen. Das bestätigt die Band jedoch nicht so recht. "Welcher Einfluss jetzt in unserer Musik stattfindet, können wir selber sowieso nie sagen. Das ist ja auch eigentlich nicht unser Job sowas festzumachen. Wir machen ja keinen Konzeptsound in dem Sinne, dass wir sagen, wir wollen die Siebziger in unsere Zeit retten, oder wir wollen einen Sound machen, wie sie das in einem bestimmten Dorf in Amerika gerade machen. Es geschieht alles recht unbewusst." Martin sieht den Sound eher in der Arbeitsweise der Band und ihren Möglichkeiten verwurzelt: "Wir sind oft selber überrascht wie das klingt, und finden das aber gut, sonst würden wir es vielleicht anders machen. Das fängt ja bei der Wahl der Mikrofone an und wie man die hinstellt. Oder wie der Raum klingt. Also, diese Weichheit vom Sound her, hat auch damit zu tun, unter welchen Bedingungen wir aufgenommen haben. Und wir reagieren natürlich auf diese Bedingungen in der Musik, die wir machen." Doch Francesco holt die Debatte zurück ins dralle Leben: "Man reagiert auf so viele Sachen. Man reagiert in einem Gitarrensolo auch auf den Döner, den man vorher gegessen hat. Das sind soviele Sachen."

Tele
Wenn man den Sound schon nicht orten kann, dann vielleicht das Gefühl. Die Musik von Tele hat etwas Großstädtisches in der Verarbeitung der Themen Einsamkeit und Sehnsucht. "Das kommt wohl eher aus der Musikgeschichte heraus", meint Francesco, "wahrscheinlich dann doch aus den Einflüssen, wenn man sich jetzt so Sachen anhört wie Steely Dan, zum Beispiel, ist das ja schon ein sehr amerikanisch, großstädtisch klingender Westcoast-Sound. Das sind dann wahrscheinlich musikalische Einflüsse, die dieses Bild ergeben, nicht Städte. Ich glaube auch nicht, dass, wenn man in einer Großstadt wohnt, einen großstädtischen Sound macht. Es sei denn, man knüpft wirklich an Strömungen an, die da gerade am Laufen sind, die für die Stadt stehen. Wenn man in Berlin Electroclash macht, ist das wohl schon großstädtisch, weil das eben alle in Berlin machen..." Wobei wir hier jedoch im Trüben fischen. Es kommen die Begriffe Anonymität und große Leuchtreklamen hinzu; Attribute der Großstadt. "Das ist jetzt etwas arg abstrakt. Aber das macht auch dieses Pop-Ding aus", meint Francesco, "wenn du Songs schreibst, Texte schreibst, in diesem Pop-Kontext, also wirklich Popmusik machen willst, und nicht in sich gekehrte, weltabgewandte Musik machen willst, dann gehst du eben raus in diese weiten Ebenen. Also, sowohl musikalisch als auch textlich. Das ist dann wahrscheinlich das Ding, wo man große Städte und Leuchtreklamen sieht. Das kann man nicht so richtig beschreiben, weil es alles aneinander gebunden ist. Musik, Text, Sound, das ist alles Hand in Hand bei uns."
Weitere Infos:
www.mixdiemotions.de
www.universal-rock.de/artist_start.php?artistID=29501
Interview: -Christian Biadacz-
Fotos: -Tina Wunsch-
Tele
Aktueller Tonträger:
Wovon sollen wir leben
(Universal)

 
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