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VILLAGERS
Villagers
So langsam beginnt sie wieder, die Zeit der Endjahres-Bestenliste. Bei den Albumveröffentlichungen wird man dabei kaum an "Becoming A Jackal", dem im Mai veröffentlichten Debüt von Conor O'Brien unter dem Namen Villagers, vorbeikommen. Es ist zwar nicht die erste Platte des Iren, der zuvor bei The Immediate aktiv war, aber die Platte, mit der er seine eigene Stimme gefunden hat. Natürlich wird heute jeder zweite Musiker, der ein paar intelligente Sätze mit drei Akkorden im Spanungsfeld von Folk und Indierock vertont, mit Lichtgestalten wie Elliott Smith oder Conor Oberst von Bright Eyes verglichen, doch beim bereits für den renommierten britischen Mercury Music Award nominierten Villagers-Erstling darf man wirklich das Gefühl haben, dass wir es hier mit einem Singer/Songwriter zu tun haben, der auf einem ähnlichen Niveau agiert wie die beiden Genre-Großmeister.

1. Was ist deine Definition von "guter Musik"?

Ich denke, es wäre lächerlich zu versuchen, eine Definition für gute Musik zu finden, weil das Ganze so subjektiv ist. Seitdem du die Frage gestellt hast, sind mir zehn Antworten durch den Kopf geschossen, die aber alle nicht so recht Sinn ergeben. Zum Beispiel die Idee, dass ein Song aufrichtig sein sollte. Das ist allerdings auch Blödsinn, denn auch ein vollkommen unaufrichtiger Song könnte der beste Song aller Zeiten sein. Vermutlich ist es letzten Endes alles, was dich in Rage bringt!

2. Was war der wichtigste Einfluss bei den Aufnahmen zur neuen Veröffentlichung?

Es gab in der Demo-Phase, in der ich versucht habe herauszufinden, wie das Album klingen soll, einen entscheidenden Moment. Geschrieben wurden die Stücke ja als sehr spartanische Akustik-Tracks und ich war mir zunächst nicht sicher, wie ich sie präsentieren sollte, denn einige davon waren etwas griesgrämig. Ich wusste, dass sie nicht genug Gefühl hatten, um den Hörer zu erreichen. Ich wollte unbedingt vermeiden, dass sie zu selbstgefälligen Tiraden gegen andere Menschen werden. Also habe ich mich besonders auf die Arrangements konzentriert, und bei "Pieces" hatte ich wirklich das Gefühl, dass ich einen großen Schritt nach vorn gemacht hatte. Das Stück hat sich im Verlauf des Prozesses dramatisch verändert. Wenn ich es solo spiele, dann so, wie ich es ursprünglich geschrieben hatte, mit einem anderen Rhythmus und einer anderen Stimmung. Weil der Text des Liedes aber ein solcher Runterzieher ist, wie man das vom Blues kennt, wollte ich musikalisch etwas Glamour hineinbringen. In meinem Kopf spielt der Song jetzt in einem Ballsaal, und damit veränderte sich auch die Bedeutung der Worte. Nachdem dieses Stück als Mittelpunkt der Platte feststand, fiel es mir leichter, mit dem Rest der Stücke herumzuexperimentieren. Letztlich hat das dazu geführt, dass die anderen Songs eine visuellere Note erhalten haben, stärker auf Bildern basieren.

3. Warum sollte jeder deine neue Veröffentlichung kaufen?

Ich möchte niemanden dazu bringen, die Platte zu kaufen. Wenn du sie dir kaufst, hoffe ich, dass du es auch wirklich willst. Die Songs wurden nicht mit direkten kommerziellen Absichten im Hinterkopf geschrieben. Das ist doch ein guter Grund, mir Geld dafür zu geben, hahaha!

4. Was hast du dir von deiner ersten Gage als Musiker gekauft?

Da muss ich sehr vorsichtig sein, denn seit ich meinen Plattenvertrag unterzeichnet habe, geht es finanziell nur noch bergab, weil wir so viel auf Tour sind. Ich habe also nicht viel Geld, und alles, was ich beiseitelegen kann, wird in die Band reinvestiert. Aber lass mich überlegen, ich möchte dir eine wahre Antwort geben. Ich glaube, ich habe einen Haufen Platten gekauft, gleich nachdem ich den Vertrag unterzeichnet hatte. Ich erinnere mich noch, dass ich zuerst dachte: Woohoo, so viel Geld, bis mir nach zwei Wochen klar wurde, dass ich das Geld für andere Dinge brauchte.

5. Gab es einen bestimmten Auslöser dafür, dass du Musiker werden wolltest?

Ja! Der Floh wurde mir schon ins Ohr gesetzt, als ich noch ganz klein und vollkommen begeistert von Filmmusik war. Ich erinnere mich, wie mich meine Mutter zum ersten Mal ins Kino mitnahm, als ich ungefähr vier war. Ich sah "Feivel, der Mauswanderer", und ich habe geweint, als ich "Somewhere Out There" gehört habe! Danach hab ich dann "Das Dschungelbuch" gesehen, und es war um mich geschehen! Ich hab die Songs auswendig gelernt und sie Leuten auf Partys vorgesungen, so lange, bis ich dann in das Alter kam, in dem man auf gar keinen Fall für jemanden singen möchte. Jetzt bin ich an dem Punkt, an dem ich wieder gerne für die Menschen singe. Außerdem hat mein Bruder immer viel Zeug aus den 60ern und 70ern gehört. Er hat mir seine Gitarre gegeben und mir die ersten Akkorde beigebracht. Wenige Tage später habe ich meinen ersten Song geschrieben, obwohl ich nur drei Akkorde kannte.

6. Hast du immer noch Träume - oder lebst du den Traum bereits?

Oh, die Fragestellung ist aber sehr weit gefasst! Ich interpretiere sie mal auf meine Art, hahaha. Ich ringe echt nach Worten, die Fragen vernünftig zu beantworten! An die Träume, die ich nachts habe, kann ich mich nie erinnern. Als Kind war das anders. Als ich klein war, hatte ich wiederkehrende Albträume, in denen immer böse Clowns vorkamen. Vielleicht träume ich immer noch davon, kann mich aber nach dem Aufwachen nur nicht daran erinnern? Das Gefühl, einen Traum zu leben, habe ich nicht. Ich arbeite einfach und versuche, fokussiert und diszipliniert zu bleiben.

7. Was war deine größte Niederlage?

Ich denke, man darf nicht vergessen, dass praktisch alles, was man tut, ob nun künstlerisch oder nicht, ein Kompromiss ist. Es hätte immer noch andere Möglichkeiten gegeben. Insofern ist jeder Song auch eine kleine Niederlage. Du begibst dich auf die Suche nach etwas, und das, was du dem Publikum präsentierst, ist letztlich doch nur der Kompromiss, den du eingegangen bist. Niederlagen werden so zu einer Konstante.

8. Was macht dich derzeit als Musiker am glücklichsten?

Es macht mich besonders glücklich, dass wir jetzt eine echte Band sind. Wir waren gerade für drei Wochen in den Staaten und sind nun drei weitere Wochen in Europa unterwegs. So lange waren wir bisher nie zusammen, und wir stellen fest, dass das Zusammenspiel richtig gut wird. Die Songs klingen jetzt lockerer und wilder und das finde ich sehr aufregend, denn wir spielen die Songs jeden Abend ein kleines bisschen anders. Aber auch der gesellige Teil des In-einer-Band-Seins erfüllt mich mit Freude. Sind wir deshalb eine glückliche Familie? Ich würde uns eher als dysfunktionale Familie beschreiben. Da gibt es doch einige Dinge, die ich hier nicht erwähnen möchte, hahaha!

9. Welches ist das schlechteste Lied, das je geschrieben wurde?

Alle Songs, die mir in den Sinn kommen, haben auf gewisse Weise einen Wert, hahaha. Ich befürchte, die ganz schlechten Songs habe ich einfach aus meinem Gedächtnis verbannt. Zählt das als Antwort?

10. Wer - tot oder lebendig - sollte auf deiner Gästeliste stehen?

Es wäre toll, wenn Randy Newman eine unserer Shows besuchen würde, wenngleich ihm womöglich ein Soloauftritt von mir besser gefallen würde. Ich hab mir auf dem Weg nach Köln sein Live-Album angehört, nur er allein am Klavier in den 70ern. Die Songs klingen dort um vieles besser als auf den überproduzierten Studiowerken!

Weitere Infos:
www.wearevillagers.com
www.myspace.com/wearevillagers
Text: -Gaesteliste.de-
Foto: -Pressefreigabe-
Villagers
Aktueller Tonträger:
Becoming A Jackal
(Domino Records/Indigo)



 
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