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10+10
 
RACHEL SERMANNI
Rachel Sermanni
Als uns die schottische Singer/Songwriterin Rachel Sermanni vor zwei Jahren mit ihrem allenthalben gelobten Debüt "Under Mountain", bisweilen kindlichem Charme und dennoch tiefgründigen Texten entzückte, war sie kaum 20 Jahre alt. Heute zählt die Folk-Sängerin aus den Highlands Elbow-Frontmann Guy Garvey zu ihren Fans und kann auf Auftritte mit Elvis Costello, Ron Sexsmith, Fink oder John Grant zurückblicken. Dieser Tage erscheint ihr im kanadischen Yukon aufgenommenes Live-Album, "Live In Dawson City", auf dem sie, anders als auf ihrem aufwendig instrumentierten Erstling, nur von Pianistin Jennifer Austin begleitet wird und ihren Songs so ganz neue Seiten abgewinnt. Was die Unterschiede zu ihrem Debüt sind, warum sie gerade einen Führerschein macht und an welchen Schwächen sie in Zukunft arbeiten will, verriet uns Rachel vor ihrem feinen Konzert im Kölner Blue Shell beim Gaesteliste.de 10+10.

1. Was ist deine Definition von "guter Musik"?

Da muss ich etwas abschweifen: Das Schöne an Musik ist ja, dass jeder sie anders wahrnimmt. Ich persönlich mag es zumeist, wenn mich Musik geradezu paralysiert. Wenn ich nach einer Definition von guter Musik suche, wenn ich mich frage, was mich anlockt, dann ist es der Widerspruch von Mysterium und Klarheit. Du siehst oder hörst jemanden spielen und die Musik nimmt dich gefangen, sie durchströmt deinen ganzen Körper, aber du weißt nicht, warum das passiert oder wie die Musiker das schaffen. Das gefällt mir.

2. Was war der wichtigste Einfluss bei den Aufnahmen zur neuen Veröffentlichung?

Als ich 2012 "Under Mountain" aufgenommen habe, war ich noch sehr jung und meine Stimme hat sich seitdem ziemlich verändert. Die Songs auf der neuen Live-Platte sind zwar die gleichen, aber ich interpretiere sie in meinem Kopf nun ganz anders und spiele sie deshalb auch anders. Der wichtigste Unterschied ist sicherlich, dass auf der ersten Platte eine neunköpfige Band zu hören ist, auf der Live-Platte gibt es dagegen nur zwei von uns - und einen unsichtbaren Dritten (lacht), nämlich unseren Tontechniker Jimi Troup, der mit seiner Sicht der Songs auch zum Sound beigetragen hat. Wie bei unseren anderen Konzerten auch war vieles improvisiert, deshalb klingt das Album viel lebendiger. So sehr ich die alten Aufnahmen auch mag - das Live-Album ist ein sehr cooler Schnappschuss. Ganz abgesehen davon haben wir unsere Zeit im Yukon sehr genossen.

3. Warum sollte jeder deine neue Veröffentlichung kaufen?

Nun, man sollte sich die Platte kaufen, wenn man ein Stück vom Live-Feeling mitnehmen will. Wenn ich nicht gerade allein spiele, bin ich zumeist mit Jen unterwegs, und wer uns zusammen gesehen hat und mochte, was er dort gehört hat, dem wird das Album sicher gut gefallen.

4. Was hast du dir von deiner ersten Gage als Musiker gekauft?

Das erste Geld, das ich als Musikerin verdient habe, habe ich benutzt, um zu den weiteren Konzerten reisen zu können (lacht). In letzter Zeit habe ich meine Gagen dazu verwendet, einen Führerschein zu machen. Es geht immer nur darum, zum nächsten Konzert reisen zu können!

5. Gab es einen bestimmten Auslöser dafür, dass du Musiker werden wolltest?

Nein, einen Wendepunkt gab es nicht. Ich würde es eher als Evolution bezeichnen. Wenn du ein Instrument erlernst, kommst du irgendwann an den Punkt, an dem du dich entscheiden musst, wie es weitergehen soll. Das ist allerdings eine zumeist unterbewusste Entscheidung. Du kannst studieren, oder vielleicht bekommst du anderweitige Chancen. Ich habe die Uni nicht besucht, aber dafür bin ich runter nach Glasgow gegangen und habe mir eine einjährige Auszeit genommen. In dem Jahr habe ich dann die Entscheidung gefällt, die allerdings gewachsen ist, seitdem ich in jungen Jahren angefangen habe, Musik zu machen.

6. Hast du immer noch Träume - oder lebst du den Traum bereits?

Ich habe noch viele Träume, aber die haben nichts mit der Zukunft zu tun (lacht).

7. Was war deine größte Niederlage?

Ich würde gerne mein Instrument besser kennen, aber ich denke, das kann ich mit viel Üben und mit verschiedenen Lehrmeistern erreichen. Außerdem habe ich manchmal das Gefühl, dass ich zu wenig Musik anderer Künstler höre. Natürlich sollte man immer in erster Linie darauf vertrauen, was sich für einen selbst gut anhört und gut anfühlt, dennoch finde ich es wichtig, auch die Musik anderer wertzuschätzen, zumal das ein Gefühl von Gemeinschaft entstehen lässt. Das ist etwas sehr Schönes, das merke ich mehr und mehr.

8. Was macht dich derzeit als Musiker am glücklichsten?

Die Konzerte! Die Energie der Auftritte ist wirklich gut! (Die still neben uns sitzende Jennifer umarmt Rachel für diesen Kommentar.) Und natürlich Jennifer Austin, der tanzende Marshmellow! Wenn Jennifer tanzt, bin ich glücklich (lacht).

9. Welches ist das schlechteste Lied, das je geschrieben wurde?

Hmm, mir will gerade keiner einfallen. Ich habe kürzlich einen Song gehört (und ich werde nicht sagen, von wem er stammt), in dem es ausschließlich darum ging, eine coole Karre zu haben. Der Typ meinte das total ernst und war erschreckend besessen von Statussymbolen. Das hat mich wirklich krank gemacht.

10. Wer - tot oder lebendig - sollte auf deiner Gästeliste stehen?

Ich fänd es schön, wenn ein wirklich seltsamer Künstler eines unserer Konzerte besuche würde. Wenn Egon Schiele käme, wäre das beängstigend und gut!

Weitere Infos:
rachelsermanni.net
www.facebook.com/RachelSermanni
twitter.com/RachelSermanni
www.youtube.com/user/RachelSermanni
Text: -Gaesteliste.de-
Foto: -Ullrich Maurer-
Rachel Sermanni
Aktueller Tonträger:
Live From Dawson City
(Middle Of Nowhere Recordings/Alive)



 
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