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RACHEL GOSWELL
 
Die universelle Wellenreiterin
Rachel Goswell
Es ist eine alte Geschichte: Als wir Rachel Goswell (und Neil Halstead) zur ersten Mojave 3-Scheibe, "Ask Me Tomorrow", erstmals sprachen, erzählten beide, dass sie doch ziemlich große Neil Young-Fans seien und es darauf anlegten, auch in ihrer Musik dieses einmal zum Ausdruck zu bringen. Seither wurde also geflissentlich jede Mojave 3-Scheibe auf dieses Kriterium hin untersucht. Bislang vergeblich. Um so erfreulicher ist es nun, dass ausgerechnet auf Rachels Solo-Debüt, "Waves Are Universal", einige rockigere Tracks in der Art des großen Old Man zu finden sind. "Das ist aber lange her, dass ich das gesagt, habe", meint Rachel darauf angesprochen, "aber es stimmt, ich wollte, dass die Scheibe so klingt. Ich begann im Jahr 2000 Songs zu schreiben und benötigte ungefähr ein Jahr, um alles zusammenzutragen. Mein Partner, Joe Light, half mir dabei und schrieb ungefähr die Hälfte des Materials. Produziert wurde die Scheibe von David Naughton, der auch Bass und diverse andere Instrumente spielt und der übrigens auf dem Mojave-Album "Out Of Tune" mitarbeitete. Er war es auch, der mich ermunterte, eigenes Material aufzunehmen."
Einmal abgesehen davon, dass Rachels Scheibe auch rockigere Töne enthält, liegt das Hauptgewicht doch auf ihrer ganz spezifischen Art des Folk-Pop, wobei die Stimme stets im Mittelpunkt steht und alles sehr organisch klingt. "Das war die Idee", stimmt Rachel zu, "wir nahmen die Sachen auch alle sehr organisch auf - und zwar in dem Sinne, dass wir keine elektronischen Effekte verwendeten. Wenn du also Hall oder so etwas hörst, ist es immer der Raum als solches - oder sogar die Natur." Das erklärt, warum in den Credits der einzelnen Tracks Dinge wie Kirchenglocken, Herzschlag, Vögel oder thailändische Insekten aufgeführt sind. "Genau. Einige Songs haben wir draußen aufgenommen - zum Beispiel in einer Höhle", erzählt Rachel, "wir wollten keine Studio-Effekte. 'Gather Me Up' zum Beispiel haben wir in einer Gartenhütte eingespielt. Die Vögel, die du im Hintergrund zwitschern hörst, stammen aus diesem Garten." Wurden die denn dafür bezahlt? "Nein", lacht Rachel, "aber mir ist da etwas aufgefallen. Ich habe das Stück ca. achtmal aufgenommen. Und nach einer Weile hörten die Vögel immer dann auf zu zwitschern, wenn ich eine Pause machte. Das war richtig lustig." Es scheint dies also wieder einmal eine Natur-Scheibe zu sein - etwa in der Art wie Isobel Cambbells Solo-CD. Woran liegt das denn? "Das ist halt das, was mich interessiert", berichtet Rachel, "das liegt wohl daran, dass ich auf dem Land aufgewachsen bin. Ich habe zwar für acht Jahre in London gewohnt, aber ich wollte immer auf's Land zurück. Ich liebe es, im Garten zu arbeiten, ich liebe es draußen zu sein und Pflanzen aufzuziehen." Und wie wirkt sich das auf die Musik aus? "Nun, mit Slowdive haben wir damals Sachen aufgenommen, die praktisch nur auf Effekten basierten", erinnert sich Rachel, "Mojave war dann eine ganz andere Sache und jetzt wollte ich wieder etwas machen, was sich von dem unterscheidet, was ich zuvor machte. Ich mag natürliche Sachen und deswegen wollte ich eine frische, unverbrauchte und eben natürliche Scheibe aufnehmen." Ist dieses Album eigentlich eine Antwort auf Neil Halsteads Solo-Scheibe "Sleeping On Roads"? "Nein, sie hat nichts damit zu tun", erklärt Rachel, "als er mit den Aufnahmen begann, fing ich erst an, Songs zu schreiben. Ich bin sechs Jahre lang verheiratet gewesen und ich hatte mich gerade von meinem Mann getrennt - und das war mein Katalysator. Ich hatte auf ein Mal diesen Freiraum, diese Freiheit, ich selber zu sein - was vorher nicht möglich war. Dadurch entstanden diese Songs. Neil und ich haben zwar eine lange, gemeinsame musikalische Geschichte, aber außerhalb der Band haben wir gar nicht so viel miteinander zu tun. Er lebt z.B. fünf Stunden von mir entfernt und wir treffen uns auch privat kaum. Wir werden später im Jahr aber das nächste Mojave-Album aufnehmen - wir müssen nur sehen, dass wir es terminlich zwischen unseren anderen Aktivitäten unterbringen."
Rachel Goswell
Woher kommt denn - abgesehen von den Field-Recordings - Rachels spezifischer Sound? "Ich hatte keinen Plan", räumt Rachel ein, "ich würde sagen, es ist alles ganz natürlich entstanden - so wie wir es aufnahmen. Ich hatte klassischen Gitarrenunterricht, als ich jünger war - darauf habe ich aufgebaut. Wichtig war mir, dass der Gesang stärker betont wurde, als z.B. bei Mojave. Es war sozusagen eine Entdeckungsreise und ein Eye-Opener für mich. Von einigen Dingen, die ich auf dieser CD gemacht habe, hätte ich nicht gedacht, dass mir diese möglich gewesen wären. Zum Beispiel habe ich alle Harmoniegesänge selber aufgenommen. Live kann ich das natürlich nicht machen - ha, ha." Wer hat sich denn die Arrangements einfallen lassen? Neben der typischen Rock-Band und den Vögel-Chören gibt es diverse interessante Zutaten zu hören - Dudelsack, Streicher, Flöte, Harmonium... "Das entstand in Zusammenarbeit mit Joe", erklärt Rachel, "und jeder Musiker hat seine Ideen beigetragen. Was ich auf jeden Fall wollte, war, verschiedene Instrumente zu verwenden, die ich bislang noch nicht eingesetzt habe. Die irischen Pfeifen auf dem Opener z.B. kommen von einem Straßenmusikanten aus dem Ort in Cornwall, wo meine Eltern wohnten. Ich beginne mit Demos, die ich auf meinem Computer aufnehme und wir arbeiten von diesem Punkt aus. Ich wollte auch unbedingt Streicher auf der Scheibe und bei einigen Tracks - z.B. 'Plucked' drängten sie sich geradezu auf. Es war in dem Fall ein Streicherquartett, mit dem David schon zusammengearbeitet hatte." Wonach sucht Rachel Goswell denn, wenn sie einen Songs schreibt? "Nun, meine Songs sind alle ziemlich persönlich", überlegt Rachel, "weil das die einzige Art ist, auf die ich Songs schreiben kann. Ich suche also nach etwas, das mir selber etwas bedeutet." Musik als Therapie? Rachel lacht. "Nun, ich denke schon. Wenn ich mir manche Sachen anschaue, die ich so geschrieben habe, überrascht mich das zuweilen selber. Ich schreibe ja eher auf einem unterbewussten Level. Man kann ja in bestimmten Situationen nur so und so zornig sein. Da ist es fast einfacher, es in einem Song auszudrücken. Wenn ich mir Musik anhöre, dann höre ich auch immer auf die Texte, und deshalb sind mir diese sehr wichtig."
Rachel Goswell
Und woran orientiert sich Rachel musikalisch? "Ich weiß gar nicht - das ist eine gute Frage", meint sie, "ich suche eigentlich nach gar nichts. Ich liebe akustische Sounds von Gitarren oder Piano. Es ist eine persönliche Geschmackssache und ich könnte gar nicht den Finger drauflegen, weil ich alle möglichen Arten von Musik mag - und nicht einen bestimmten Stil. Manchmal, wie im Falle von 'Coastline' [einer der Tracks mit den Neil Young-Vibes] wollte ich, dass es etwas kräftiger klingt - aber irgendwie definieren kann ich es nicht." Woher stammt eigentlich der Titel der Scheibe? "Wellen sind universell" - das klingt ja sehr philosophisch. "Ja, nicht? Und doch ist es eher eine Insiderwitz", gibt Rachel zu, "auf dem Stück 'Shoulder The Blame' wollte ich Wellengeräusche haben. Natürlich dachte ich an Wellen aus Cornwall. Joe, der die Sounds besorgte, meinte aber, dass dies tatsächlich Wellengeräusche seien, die in Thailand aufgenommen wurden, weil er dort in Urlaub gewesen sei. Und da meinte ich, dass das doch nichts mache, da Wellen doch irgendwie sowie überall gleich klängen - universell eben. Und daraus ist dann der Titel der Scheibe geworden; ganz ohne Hintergedanken. Letztlich kann man da ja doch noch alles mögliche hineindeuten - das bleibt aber jedem selber überlassen." Zur Zeit stellt Rachel gerade eine Band zusammen und dann wird es wohl demnächst losgehen mit dem Surfen auf den universellen Wellen...
Weitere Infos:
www.rachelgoswell.com
www.4ad.com/artists/rachelgoswell/
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Sam Jones-
Rachel Goswell
Aktueller Tonträger:
Waves Are Universal
(4AD/Beggars Group/Indigo)




Rachel Goswell

 
 

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