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Konzert-Archiv

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Konzert-Bericht
 
Bedroom Blues

Larkin Poe

Quarantine Concerts, Nashville
21.05.2020
Larkin Poe
Kurz vorab: Hierbei handelt es sich nicht um einen üblichen Konzertbericht, sondern eine Berichterstattung über Quarantäne-Konzerte im Rahmen der andauernden Corona-Situation.

Wie Rebecca Lovell anlässlich der kurzen Quarantine-Session aus dem heimischen Gästezimmer in Nashville ganz richtig bemerkte, gehören Larkin Poe zu einem jener Acts, die 95% ihres natürlichen Musikerlebens on the Road verbringen - und sind insofern von der gegenwärtigen Situation sicherlich in besonderer betroffen. Zumal das Duo gerade geplant hatte, das anstehende Album "Self Made Man" zu veröffentlichen und erstmals mit einem Tourbus auf ausgedehnte Welt-Tournee zu gehen. Die Tour wurde erst mal ins nächste Jahr verschoben, aber die Veröffentlichung des Albums ist nun für Juni ins Auge gefasst.

Die ungewohnte Freizeit in der Corona-Krise ließen Rebecca und Megan natürlich nicht ungenutzt verstreichen. So arbeiteten sie etwa an Videos zu Songs der neuen LP und pflegten im weiteren eine Tradition, die sie selbst immer schon als festen Bestandteil ihres Acts betrachtet haben: Die spontane Live-Session nämlich. Normalerweise sind es einzelne Stücke - oft Coverversionen -, die Rebecca und Megan sozusagen zwischen Tür und Angel (meistens eines Hotelzimmers) einspielen. Dies geschieht keineswegs bloß um neue Songs zu promoten, sondern vor allen Dingen, um das Larkin Poe-Lieblingsgenre, den Blues, aufs Intensivste zu studieren und verinnerlichen, den Idolen Tribut zu zollen und (so Megan) auf diese Weise immer wieder neue Inspirationen zu finden und die eigene Gitarrentechnik weiterzuentwickeln. Auch virtuelle Gitarrenstunden, in denen Megan und Rebecca Gitarrentechniken präsentieren oder erläutern, wie sich eigene Tracks nachspielen lassen, gehören zum Online-Angebot des Duos.

Kein Wunder also, dass Larkin Poe zu den ersten Acts gehörten, die mit (allerdings kostenpflichtigen) Quarantine-Sessions unter dem Namen "Home Sweet Home" an den Start gingen. Dort präsentieren sie dann regelmäßig Shows zu bestimmten Themen wie "Greatest Hits", "Blues Classic" oder "Requests". In Zusammenarbeit mit dem Autohersteller Ram Trucks gab es nun eine kleine Teasershow, in der die gegenwärtige Situation nochmals thematisiert und auf die Home Sweet Home-Sessions hingewiesen wurde.

Larkin Poe
Nun ist die Sache die, dass sich Megan und Rebecca seit einiger Zeit darauf spezialisiert haben, ihre Studio-Alben (namentlich "Peach", das Grammy-Nominierte Durchbruch-Album "Venom & Faith" und auch das neue Album "Self Made Man") im Wesentlichen in Eigenregie zu produzieren und ohne ihre Live-Band ins zu Studio gehen. Auf den Touren des Duos im Band-Setting bekommen die Fans dann für gewöhnlich einen ganz anderen Sound geboten, als jenen, der auf den LPs zu hören ist. Im Wesentlichen sind tatsächlich die Online-Sessions des Duos vom Sound her näher dran an den Studioproduktionen, als die Live-Shows (wenngleich natürlich in reduzierter Form). Zumal die Online-Sessions eben nicht im balladesken Folk-Modus präsentiert werden, sondern durchaus mit der notwendigen Rockpower. Selbst wenn Rebecca - wie in diesem Fall - nur zur akustischen Gitarre greift (während es durchaus auch Sessions mit Stromgitarre gibt). Bei der Session, die zu unserer Zeit um 1 Uhr morgens stattfand, gab es zwei neue Songs zu hören: "Holy Ghost Fire" - der auf charmante Weise mit Blues-Klischees hantiert und "Keep Diggin’", der zwar ein klassisches Blue Note-Riff zur Grundlage hat, sich inhaltlich aber augenzwinkernd mit neugierigen Verwandten aus dem Lovell Clan auseinandersetzt. Hierbei fiel dann zweierlei ins Ohr: Dass nämlich Rebeccas Stimme im Laufe der Zeit deutlich rauer und tiefer geworden ist (was der Blues-Affinität dann nochmals Vortrieb leistet) und dass sich Larkin Poe keineswegs als Blues-Rockerinnen verstehen, sondern stattdessen die düsteren, scharfkantigen Aspekte der ersten Generation der elektrischen Blueser kongenial in die Jetztzeit gehievt haben. Bei den Quarantäne-Konzerten fallen die poppigen Aspekte, denen Larkin Poe in ihren Studio-Produktionen durchaus offen gegenüber stehen, wie auch irgendwelche Hardrock-Ambitonen jedenfalls überhaupt nicht ins Gewicht.

Mit gewissem Stolz in der Stimme erläuterte Rebecca, dass der im Folgenden gebotene, ihrer "großen Schwester" gewidmete Song "Bleach Blonde Bottom Blues" dem Grammy-nominierten Vorgänger-Album "Venom & Faith" entstamme und auch für eine Cover-Version - nämlich Tom Pettys "American Girl" - fanden die Damen noch einen Platz auf der Setlist. Natürlich sind die Larkin Poe Quarantine-Sessions kein vollwertiger Ersatz für die geplante Tour des Duos - aber als wesentlicher Bestandteil des Larkin-Poe-Konzeptes andererseits auch unverzichtbar. Sowohl die Home Sweet Home-Sessions (via Veeps) wie auch die frei zugänglichen "RamJam-Sessions" sind noch abrufbar und werden fortgesetzt.

Surfempfehlung:
www.facebook.com/larkinpoe/videos/681234316009019/
www.facebook.com/pg/larkinpoe/videos/
www.facebook.com/hashtag/ramjamsessions
www.facebook.com/larkinpoe/videos/238942507461097/
www.facebook.com/larkinpoe
www.larkinpoe.com
larkinpoe.veeps.com/stream/schedule
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Screenshots-


 
 

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