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Konzert-Bericht
 
Das kann doch wohl nicht wahr sein

Marlena Käthe
Anni Yu & Jan Benkest

Düsseldorf, Zakk
11.06.2021

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Marlena Käthe
Das Konzert von Lucy Kruger vom 17. Oktober letzten Jahres im Rahmen der fem_pop-Reihe im Düsseldorfer Zakk war das letzte "richtige" Konzert, von dem wir vor dem letzten Lockdown noch berichten konnten - bevor dann die Bundesregierung Konzertveranstaltungen mit Hygiene-Konzept als die ursächlichen Pandemietreiber auszumachen glaubte und alle Aktivitäten in dieser Richtung für acht Monate unterband. Es war dann fast schon zwingend notwendig, die aktuelle Post-Lockdown-Konzertsaison im Zakk wieder mit einem Konzert der fem_pop-Reihe zu eröffnen. Kurz nochmal zur Info: Dabei geht es um eine Konzertreihe mit "female und nicht-binären Acts in Düsseldorf". Das heißt nicht, dass gar keine Männer auf die Bühne dürfen - nur zu sagen haben sie da nicht besonders viel. In dem Fall ging es um ein Doppelkonzert von Marlena Käthe aus Berlin (die aber ihre rheinischen Wurzeln durch regelmäßige Auftritte in NRW pflegt) und Anni Yu & Jan Benkest aus Köln, das bei idealem Sommerwetter im Open-Air-Bereich des Zakk-Biergartens stattfand.
Und da wären wir dann auch schon beim Titel dieser Story, denn so richtig glauben mochte man es kaum, dass nach so langer Zeit wieder echte Live-Konzerte mit Publikumsbeteiligung möglich sein sollten. Mal abgesehen von der Einhaltung der AHA-Regeln und der Notwendigkeit, zum Einlass einen tagesaktuellen Negativ-Test beibringen zu müssen (wohl weil Musikgenuss so viel ansteckender ist, als etwa ein Gaststättenbesuch), fand die Show dann als entspanntes Sit-In im klassischen Biergarten-Modus statt - wurde aber sicherheitshalber auch noch parallel ins Netz gestreamt.

Marlena Käthe bereitet zur Zeit ihre Karriere als Recording Artist vor und ist gerade dabei, Videos zu den Songs ihrer ersten EP "Aged", die am 25.06.2021 erscheinen wird, zu produzieren. Bislang erschienen sind die drei Tracks "Bruises", "Phyrrus" und "Pina". Zu diesem Zweck hat sich Marlena mit der Multiinstrumentalistin Shanice Ruby Bennett zusammengetan, die sie bei der musikalischen Umsetzung der Studioproduktionen - und an diesem Abend auch auf der Bühne als Drummerin und am Sampler unterstützte. Marlena hat sich betreffs ihrer Live-Konzerte auf kein bestimmtes Format festgelegt und tritt - je nach Gegebenheit - mal solo mit Gitarre, mal im Duo-, Trio- oder Band-Format auf. Das hat auch damit zu tun, dass bei Marlena ihre Songs - und eben nicht das Format - im Zentrum stehen, weswegen dieses dann eigentlich nur Mittel zum Zweck ist. Der EP - so erklärte Marlena - liegt dabei das Konzept zugrunde, dass jeder der Songs einer Person ihrer Familie zugeordnet ist (deren Mitglieder wiederum sie auch in den verschiedenen Ausprägungen ihrer künstlerischen Ambitionen unterstützen). Erklärungen wie solche - und auch jener, dass es in dem Song "Phyrrus" weniger um den antiken König selbst, sondern das Prinzip, sich mit vermeintlichen Siegen der Niederlage zu nähern geht - sind dabei schon angebracht, denn die Texte Marlenas sind zuweilen recht rätselhaft. Klarer geht es zu, wenn sie z.B. in dem Titel "Arena" (der leider nicht auf der EP enthalten sein wird), auf Deutsch singt. Außerdem stellt das dann in Kombination mit dem durch Streicher- und Gitarrensamples angereicherten Trip-Hop-Setting, das Marlena und Shanice zu diesem Anlass anwandten, etwas Besonderes dar. Vielleicht sollte Marlene da demnächst ein wenig mehr auf ihre Muttersprache vertrauen. Als Performerin überzeugte Marlena schon alleine deswegen, weil sie sich offensichtlich genauso wie alle anderen freute, dass es endlich wieder mit Live-Konzerten losging - was sich dann auch deutlich auf ihren charmanten Vortrag übertrug. Zu meckern gab es da eigentlich nichts - außer vielleicht, dass das Set dann doch ein wenig kurz geraten war. Aber das kann ja noch werden, wenn erst mal genug Material vorhanden ist.
In einem musikalisch ungemein passgenauen, ähnlichen Setting präsentierten sich dann Anni Yu und Jan Benkest - nur dass Jan zusätzlich noch Gitarre spielte (was Marlene vielleicht auch getan hätte, wenn ihr nicht eine Saite gerissen wäre). Das Kölner Duo nennt seine Musik selber "Electronic Soul". Das Label passt sehr gut, denn Anni und Jan bieten einen attraktiven Mix aus jazzigem Soul, R'n'B-Flair, HipHop- und Rap-Anleihen und von Dub- und Club-Elementen durchzogenem Trip-Hop-Pop mit erkennbar improvisatorischem Charakter. Damit sind keine virtuosen Daddeleien gemeint, sondern die Art, wie sich Anni und Jan die Grooves zuspielen und dabei viele Male offensichtlich als Balladen angelegten Songs am Ende spielfreudige, rhythmusorientierte Jam-Passagen entlocken. Als Texterin macht es sich Anni einfacher als Marlena und singt mehr oder minder nachdenklich über Herzschmerz-Angelegenheiten, Beziehungsdramen oder sexuelle Identität. Dass sie das Thema "Herzschmerz" wegen seiner Offensichtlichkeit als solches entschuldigte, wäre gar nicht notwendig gewesen, denn wie sich zeigte, agiert Anni als Lyrikerin ebenso souverän wie auf der performerisch/gesanglichen Ebene. Aufgrund der gewählten Stilistiken mit Bezug auf amerikanische Genres wie eben Soul, Blues oder Gospel klingen Anni und Jan weniger europäisch als Marlena und Shanice - schaffen aber eben durch den angewandten Mix eine ganz eigene Ästhetik. Dass Anni und Jan schon seit 2012 zusammen arbeiten, ließ sich nicht nur daran erkennen, dass sie über jede Menge ausgezeichneter Songs verfügen, obwohl sie im klassischen Sinne noch nichts Wesentliches veröffentlicht haben - und auch daran, dass es ihnen z.B. mühelos gelang, einen neuen Song ungeprobt hinzubekommen - ohne dass sich dieser wesentlich vom restlichen Oeuvre unterschieden hätte. Auch der im ersten Lockdown getrennt voneinander entstandene Song "Backwards" klang im Live-Kontext wie aus einem Guss (bzw. Flow) - jedoch deutlich verspielter und leichtfüßiger groovend als die Studio-Version.

Auch Anni und Jan waren natürlich froh, wieder live vor Publikum spielen zu können (auch wenn sie sich erst mal warmspielen mussten, wie Anni meinte), denn ihr letztes Konzert in dieser Art fand vor einem Jahr - ebenfalls in der Öffnungsphase - statt. Wollen wir mal hoffen, dass die Entwicklung in diesem Jahr dann nicht wieder in einer Lockdownphase endet, wenn die ersten ungetesteten Urlaubsrückkehrer die neuesten Mutationen eingeschleppt haben - denn Live-Musik wie diese lässt sich schlicht durch nichts ersetzen, außer vielleicht durch Live-Musik ganz ohne Corona.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
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