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Party mit der Angst

Cäthe
Emma Elisabeth

Köln, Luxor
29.09.2022

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Cäthe
Ganz richtig machte Catharina "Cäthe" Sieland darauf aufmerksam, dass ihre Karriere vor ziemlich genau vor zehn Jahren mit der Veröffentlichung ihrer Debüt-EP "Senorita" (deren Titeltrack sie auch bei der aktuellen Show noch im Angebot hat) und mit einem Auftritt an gleicher Stelle so richtig in Fahrt gekommen sei und es sich deshalb bei ihrer pandemiebedingt verschobenen Show im Luxor sozusagen um eine Jubiläumsveranstaltung handele. Das Bemerkenswerte war dann die Tatsache, dass die Fans, die damals das Talent der Wahlhamburgerin entdeckt und gefeiert hatten, ihr heute immer noch folgen und sich demzufolge im Luxor versammelt hatten, um die Texte ihrer Heroin Wort für Wort mitzusingen. Nachdem Cäthe nach sieben Jahren Sendepause (in der aber auch ihre Biografie "Lügen ist Scheiße" entstand) Anfang des Jahres ihr viertes Album "Chill Out Punk" auf ihrem eigenen Label veröffentlicht hat, ist es ihr offensichtlich also bislang noch nicht gelungen, ein neues, jüngeres Zielpublikum zu erreichen.
Bevor Cäthe im reduzierten Trio Format ihre Show eröffnete, zeigte die schwedische Wahlberlinerin Emma Elisabeth, worauf es einer gediegenen Singer/Songwriterin ankommen sollte: Auf die Songs nämlich - und nicht etwa auf das Format bzw. das Setting, in dem sie vorgetragen werden. Nachdem Emma erst vor kurzen das beste Live-Album der letzten 20 Jahre - "Live At Clouds Hill" - mit ihrer Band einspielt hatte, trat sie im Luxor alleine mit ihrer elektrischen Gitarre und einem Mikro-Keyboard auf und zeigte auch hier, warum sie zu den besten Songwriterinnen der aktuellen Indie-Szene Berlins gehört. Beispielsweise auch, indem sie den Hintergrund ihrer Songs erklärte. So schrieb sie den Song "Vampires" etwa als Allegorie auf das Bedürfnis, auf ewig mit jemand Zusammensein zu wollen. Über solche technischen Probleme machen sich Idealisten und Tagträumer ja nie Gedanken - Emma Elisabeth aber schon. Das gilt dann auch für das Stück "Telescope": Wenn man nämlich ständig mit einem Teleskop in die Gegend starre - so Emma -, dann verliere man ja schließlich schnell den Überblick über das große Ganze. So amüsant und erhellend das nun auch für den Liederfreund gewesen sein mag: Das Publikum interessierte das alles nicht so wirklich, was sich durch einen in diesem Zusammenhang wirklich störenden Plapperfaktor bemerkbar machte. Nun ja, diesen Effekt kennt man ja von Support-Slots. Schade nur, dass Emma Elisabeth deswegen nicht so recht mit ihrem Anliegen durchdringen konnte. Schön war es trotzdem.
Als Cäthe zusammen mit ihren beiden Musikern die Bühne betrat, stellte sie erst mal den Mikroständer nach hinten, um sich ungehindert zu ihrer Musik bewegen zu können. Da zeigte sich schon, dass hier eine Performerin am Werk war, die etwas von ihrem Metier versteht (denn es ist schon bemerkenswert, wie viele ihrer Kolleg(inn)en in ähnlichen Situationen unbedacht hinter den Mikro-Ständern herumhampeln und ergo kaum zu sehen sind). Cäthe hat ja musikalisch schon Vieles ausprobiert - und mit ihren Alben "Verschollenes Tier" und "Vagabund" dabei vielleicht sogar zuviel des Guten gewollt. Für ihr neues Album "Chill Out Punk" hat sie sich offensichtlich aber wieder auf ihre Grundwerte besonnen, die Anfangs zur Folge hatten, dass ihre Musik in einem nicht gerade asketischen, aber doch überschaubaren produktionstechnischen Ambiente angesiedelt war. Mag sein, dass die Reduktion auf das Notwendige unter der Regie von Produzent Andi Finis auch budgetäre oder pandemiebedingte Hintergründe gehabt haben mochte - auf jeden Fall war es die richtige Entscheidung. Das galt auch für die Idee, mit lediglich zwei Musikern und ohne Drummer auf Tour zu gehen und die Musik dann eben über die Botschaft und die Performance und nicht über das Produktionsvolumen wirken zu lassen. Und performen kann Cäthe - und zwar auf eine erfrischend ungekünstelte, lebhafte und oft auch spontan angelegte Art und Weise. Wie bereits gesagt, fand sie dabei bei ihren alten Fans ein dankbares Publikum, das ihr an den Lippen hing und auf alles einging, was sie anzubieten hatte. Musikalisch gesehen entwickelte sich die Show schnell zu einer Best-Of-Veranstaltung, denn Cäthe achtete darauf, nicht nur die Tracks wie "Toast Hawaii", den Opener der aktuellen Scheibe der neuen LP ins Zentrum zu stellen, sondern auch die alten Gassenhauer zu präsentieren - nur eben im reduzierten, aktuellen Settings. Dass das schon mehrfach erwähnte, treue und fast ausschließlich weibliche Publikum dabei auch die neuen Empowerment-Kracher wie "Orgasmus" oder "Bös Bös" mitsingen konnte und dann natürlich auch die "Party mit der Angst" mitmachte, ehrt dieses natürlich. Dennoch schien es, dass die älteren Stücke etwas lauter intoniert wurden. Nachdem es im letzten Teil der Show noch einen direkten Publikumskontakt mit Cäthe gegeben hatte, gingen letztlich sicherlich alle zufrieden nach Haus. Und darauf kommt es ja bei einem gelungenen Konzertabend an.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
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