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Marí - Making Peace With Uncertainty

Marí - Making Peace With Uncertainty
Celebration
Format: CD

Nachdenkliche Selbstfindungssongs zu schreiben gehört ja zum Kerngeschäft so ziemlich aller Songrwiter(inn)en. Das gilt natürlich auch für die dänische Künstlerin Linda "Marí" Josefsen, die dieses Konzept auf ihrem bemerkenswerten Debütalbum "Making Peace With Uncertainty" aber in poetischer und philosophischer Hinsicht auf ambitionierte Art ausweitet. Es geht dabei um das sogenannte "Gesetz von Jante" - ein im skandinavischen Raum bekannter Verhaltenskodex, der interessanterweise einem Roman des Schriftstellers Aksel Sandemoses zurückgeht und der zehn Gebote enthält, die darauf abzielen, Menschen mit diesem Regelwerk in der dänischen Kleinstadt Jante in den Erwartungshaltungen eines restriktiven sozialen Kontextes einzupassen. Die Aussage der Jante-Regeln besagen, dass man sich nicht für etwas besseres als die Mitmenschen halten soll. In diesem Sinne untersucht Marí Beziehungsgeflechte und beachtet dabei vor allen Dinge die moralischen Aspekte in der Dynamik eben dieser Beziehungen. Und das auf beredt poetische Art und Weise. Wann hat man bitteschön zuletzt Textzeilen wie diese gehört: "Drag me through the smog of moral vanity", "I excused your lack of empathy till there was nothing left of me", "You and I know at the end of day we could never win, but hope is a discipline" oder "what if heaven's just a hole in the sky?"

Das ist Food For Thought, der erst mal verdaut werden will. Dabei hilft uns Marí auf der musilkalischen Seite mit einem dem philosophischen mindestens gleichwertigen Ansatz. Grundsätzlich sind die Songs musikalisch dem Folk-Genre zuzuordnen - aber eigentlich nur deswegen, weil sich das Meiste in einem akustischen Rahmen abspielt. Die mit impressionistischen Holzbläsern, kammermusikalische Streichern, Piano-Sprengseln und dystopischen Drone-Arrangements ausgestatteten Arrangements und die rücksichtslos dramatische Strukturierung haben dann aber nicht mehr viel mit klassischer Folk-Musik zu tun, sondern sorgen für dramatisch/epische Spannungsbögen. Dazu singt Marí mit einer hingebungsvollen Intensität, als seufze sie sich die Seele aus dem Leib. Mit diesem Album katapultiert sich Marí aus dem Stand heraus in die vorderste Riege der jungen, avantgardistischen Songwriter-Rebellinen.


-Ullrich Maurer-



 
 
 

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