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EVE OWEN
 
Vom Leben überwältigt
Eve Owen
Die Londoner Songwriterin Eve Owen überrascht auf ihrem Debütalbum "Don't Let The Ink Dry" mit einem ausgefeilten musikalischen Sounddesign - in dem Folk-Strukturen, elektronische Elemente und psychedelische Klangwolken zu einem vielschichtigen eigenständigen Stil verquickt werden und auf der inhaltlichen Seite überzeugt sie mit genau beobachteten Szenerien und Alltagsdetails, die sie indes mit poetischen Bildern, Aphorismen und Metaphern zu einem attraktiven, lyrischen Gesamtbild zusammenfügt. Überraschend ist das vor allen Dingen deswegen, weil sie gerade mal Anfang 20 ist, aber bereits seit zehn Jahren als Songwriterin tätig ist. Ihr von Aaron Dessner produziertes Debütalbum enstand dabei über einen Zeitraum von drei Jahren. Dessner war es auch, der Eve als Gastsängerin bei seiner Band The National etablierte - auf deren letzter LP "I Am Easy To Find" sie mit Matt Berninger das Duett "Where Is Her Head" beisteuerte.
Wie kam es dann zu dieser Kombination? "Ich hatte in London im Studio von Guy Chambers einige Songs eingespielt", berichtet Eve, "diese hörte Aaron Dessner und schlug vor, mal zusammen etwas zu machen. Ich bin dann im August 2016 mit meiner Familie für einen Tag und eine Nacht im Hudson Valley gegangen und wir haben an dem Tag schon vier Songs aufgenommen. Im folgenden Mai bin ich für eine Woche bei ihm gewesen und wir haben jeden Tag aufgenommen. Wir hatten gar nicht erwartet, dass daraus ein Projekt werden würde, sondern haben uns alle Freiheiten genommen, die wir uns nehmen wollten." Haben Eve und Aaron die Songs dort zusammen geschrieben? "Nein - ich habe die Songs geschrieben und Aaron produzierte die Musik und brachte andere Leute ins Spiel, wenn er sie brauchte." Dazu gehörte auch Thomas "Doveman" Bartlett und Tontechniker Jon Lowe, mit dem zusammen Aaron Dessner das faszinierende Sounddesign erarbeitete. Waren die Songs denn zu diesem Zeitpunkt alle schon fertig? "Ich habe alle meine Ideen in einer Aktentasche mitgenommen, damit ich etwas hatte, auf das ich mich beziehen konnte", beschreibt Eve den Prozess, "das Album ist also eine Collage all der zusammengefügten Gedanken, Gefühle und Bilder aus meiner Aktentasche. Da nichts vorherbestimmt war, konnten wir sehen, wie sich die Sache entwickelte." Nun sind in der Musik von Eve Owen erkennbar auch Folk-Strukturen zu finden - was aber nur ein Teil des Ganzen ist, da neben Folk-Strukturen auch elektronische Elemente, Soundeffekte und psychedelische Klangwolken implementiert werden. Wo sieht Eve selbst ihre musikalischen Wurzeln? "Meine Songs haben vielleicht das Knochengerüst eines Folk-Songs", räumt Eve ein, "aber alles darum herum (sozusagen die Muskeln und die Haut) ist modern. Das habe ich aber nicht geplant, sondern das ist einfach so passiert." Und wo sieht Eve Owen heute ihre musikalische Heimat? "Also für mich spiegelt die Gruppe von Leuten mit Aaron und Bryce Dessner, Jon Low, Justin Vernon, Lisa Hannigan oder Kate Stables - ein wenig die Idee und den Geist einer Gemeinschaft wider, die Joan Baez, Bob Dylan und ihre Freunde in den 60ern im Greenwich Village etablierten."
Eves Songs zeichnen sich - ungeachtet des gewählten musikalischen Settings - durch eine verträumte Form von Melancholie aus. Da sie ja so alt noch nicht ist, sei dann mal die Frage erlaubt, woher diese Tendenz wohl kommen mag. "Ich habe Traurigkeit immer schon als sehr schön empfunden", erklärt Eve, "als ich mich selbst dann irgendwann glücklich fühlte, fürchtete ich mich auch nicht mehr vor der Intensität meiner eigenen Traurigkeit." Wie wichtig ist Eve Owen dabei die Perspektive? Immer wieder betrachtet sie ihre Sujets aus originellen Blickwinkeln. "Ich habe festgestellt, dass durch den Wechsel der Perspektive oft erstaunliche, schöne Bilder entstehen", erklärt Eve, "Ich denke, dass es wichtig ist, die Perspektive zu verändern, so dass unsere Empathie nicht an das zentrale Thema gebunden ist. Man muss den Blickwinkel erweitern, damit man auch mit den weniger zentralen Charakteren fühlen kann... Ich schreibe meine Songs schließlich für jedermann, der sich auf irgend eine Art vom Leben überwältigt fühlt." Sucht Eve dabei eigentlich auch nach der Schönheit des eigentlich Banalen? "Wir haben doch alle großartige wie auch langweilige Momente", versucht sie, das in Worte zu fassen, "großartige Momente können zum Beispiel Fallschirmspringen oder Weltreisen sein - und wir lernen in unserer Gesellschaft, dass es diese großen Momente sind, die bestimmen, wohin uns unser Weg führt. Für mich sind es aber die kleinen Schritte, die wir jeden Tag gehen, die uns zu dem machen, was wir sein sollen. Wenn also gerade mal nichts besonders Wichtiges passiert, haben wir so auch die Gelegenheit, herauszufinden, wer wir eigentlich sind."

Was ist denn die Funktion ihrer Texte für Eve selber? "Die Funktion meiner Texte ist einfach zu versuchen, einen konfusen Gedanken in einen klaren Satz zu verpacken", erläutert Eve, "etwas alleine - ohne ein Instrument - in meinem Hirn zu verarbeiten, war für mich immer schon eine große Herausforderung. Aber wenn ich etwas vor mir aufgereiht (oder aufgeschrieben) habe und es sich reimt und auch die Silben passen, dann macht das alles für mich mehr Sinn. Es fühlt sich dann nicht nur sinnvoll an, sondern sieht auch so aus - was es dann einfacher macht, das betreffende Sujet zu verarbeiten. Das ist ein langer Prozess für mich - auch wenn es manchen Menschen gelingen mag, sowas in ein paar Minuten hinzubekommen. Für mich macht das Schreiben von Musik und Texten die Kommunikation mit anderen einfacher."

Eve Owen
Wie ist denn der Titel des Albums "Don't Let The Ink Dry" und das zugehörige Cover - das die Strichzeichnung eines Kopfes zeigt - zu verstehen? "Oh, das Bild auf dem Cover habe ich gezeichnet, lange bevor ich mich für den Titel des Albums entschieden habe", berichtet Eve, "ich wollte dann, dass der Titel die richtige Balance zwischen einer spezifischen und einer allgemeinen Bedeutung haben sollte. Er kann vieles bedeuten. Es geht dabei auch um den Prozess und meint, dass man besser nicht zu lange brauchen sollte, um die Dinge zur Entfaltung zu bringen - und dies manchmal sogar auf eine unvollkommene Weise. Ich bin bin schon an Dingen wie Dauerhaftigkeit und Anleitungen interessiert - aber ich will gar nicht ausbuchstabieren, was der Titel genau meint, weil ich mir sicher bin, dass die Interpretation anderer vielleicht sogar sehr viel besser als meine eigene sein kann."

Für das erste Album hatte Eve ja drei Jahre Zeit und konnte ihr ganzes bisheriges Leben in ihre Songs packen. Wovon wird sie denn in Zukunft singen? "Ich habe ehrlich noch keine Idee, worüber ich als nächstes Schreiben werde", räumt sie ein, "und das ist mit das Beste an der ganzen Sache. Ein Song ist für mich so etwas wie eine Erkenntnis und ich kann gar nicht voraussehen, was daraus mal werden soll, bevor ich nicht damit begonnen habe. Es gibt da immer diese Jackpot-Momente, wenn ich Songs schreibe. Wenn nämlich die Melodie, die ich gefunden habe, mein Seele beglückt. Das passiert nicht immer. Wenn es diesen magischen Moment zum Beispiel nicht gibt, dann ist es schwierig an einer Idee festzuhalten." Wollen wir also mal hoffen, dass Eve in Zukunft viele beglückende Ideen kommen mögen.

Weitere Infos:
www.facebook.com/EveOwenMusic
eveowen.bandcamp.com
www.youtube.com/watch?v=m7df3SXK2xU
www.youtube.com/watch?v=hfjN-08-d8w
www.youtube.com/watch?v=biHAcrxFppM
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Eve Owen
Aktueller Tonträger:
Don't Let The Ink Dry
(37d03d/Cargo)

 
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