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Interview-Archiv

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LINA MALY
 
Sortierte Gefühle
Lina Maly
Es blüht so Einiges auf dem dritten Album "Nie zur selben Zeit" der Wahlberliner Liedermacherin Lina Maly. Die im Titel "Die Liebe blüht" besungene Liebe natürlich (wenngleich nicht unbedingt im romantischen Sinne), aber auch die drei Tulpen im Namen von Linas eigenem Label, auf dem sie nun ihre Scheiben veröffentlicht und dann wohl auch die Blumen, die man mit einem dem der Deluxe-Version des Albums beigefügten Saatpapier mit Blumensamen züchten kann. Und auch im übertragenen Sinne gibt es vieles, was aus der Knospe sprießt, wenn man es aus der richtigen Perspektive betrachtet. Das liegt weniger daran, dass Lina hier in Sachen rosaroter Traumtänzerei oder gar Eskapismus macht, sondern eher daran, dass sie in der regenerativen Kraft der Natur ihre ursprünglichste Inspirationsquelle sieht.
Aber lassen wir sie doch mal selbst zu Wort kommen. Wie zum Beispiel kam die Sache mit dem eigenen Label zustande? Immerhin hatte Lina ja einen Major-Deal in der Tasche. Muss man sich da noch den administrativen Aufwand, der mit einem eigenen Label nun mal einhergeht, aufhalsen? "Na ja, nachdem ich die erste Platte veröffentlicht hatte, hatte ich auch noch die zweite bei Warner gemacht - dann haben wir uns aber getrennt und ich habe zwei EPs (die Akustik-EP 'Hush Hush' und die EP 'Winter' in Kollaboration mit Dead Rabbit) auf meinem eigenen Label 'Drei Tulpen' veröffentlicht und dann haben wir gemerkt, dass das ganz gut funktioniert und haben dann gedacht, dass wir ein Mal ein ganzes Album ausprobieren könnten." Bei einem eigenen Label geht es ja vor allen Dingen um die kreative Kontrolle. Dennoch ist Lina nie abgeneigt, mit anderen Musikern zusammenzuarbeiten. So werkelte sie auf ihrem neuen Album etwa mit Florian Sievers (Das Paradies), sang das Duett "Gefühl" mit Antje Schomaker auf "Hush Hush" und produzierte die EP "Winter" mit dem Rostocker HipHop-Spezialisten Martin "Dead Rabbit" Göckeritz. "Ja, wir haben schon ganz lange zusammengearbeitet", berichtet Lina, "wir haben schon 2017 die erste Session gemacht, haben aber nie den passenden Rahmen für unsere Songs gefunden und dann beschlossen, gemeinsam eine EP zu machen, um das in den Griff zu bekommen. Wir standen aber immer mal wieder in Kontakt."

Es gibt dann noch eine Kollaboration auf dem Album - und zwar der Song "Jeder weint", zu dem niemand geringeres als Disarstar einen Rap-Part beisteuerte. "Ja - ich habe den Song so weit eigentlich fertig gehabt, als mir dann auffiel, dass es darin um Schwäche zeigen und Schwäche zulassen geht und ich finde, dass das Thema noch spannender aus einer männlichen Perspektive ist. Ich wollte gerne einen 'männlichen Mann' haben, der auch etwas dazu sagt und zugibt, dass wir alle weinen. Disarstar ist ein guter Freund von mir und ich habe ihn gefragt, ob er sich das vorstellen könnte und hat dann zugestimmt und gleich etwas dazu rübergeschickt." Was gewissermaßen ein cooler Schachzug ist, denn Rapper sind ja nicht gerade dafür bekannt, sich über ihre Gefühle auszulassen. "Ganz genau", pflichtet Lina bei. Linas Label heißt ja "Drei Tulpen" - und auch auf dem Cover der neuen LP sind Blumen zu sehen. Was wollen uns denn die ganzen Blumen zu sagen haben? "Ich weiß auch nicht ganz genau, was das zu bedeuten hat", gesteht Lina, "das Album heißt ja 'Nie zur selben Zeit' - und das Motiv hat sich unsere Grafikerin dann dazu ausgedacht, denn wir haben ihr freie Hand genommen. Die Blumen stehen vielleicht für die Zeit. Es sind aber keine vertrockneten Tulpen, wenn du das meinst. Ich glaube, es sind einfach Blumen, die durch die Hände gleiten - eine Generationssache oder so etwas."

Beeinflussen denn die Themen der Songs auch die Musik, die sich dann am Ende ergibt? Auf der neuen Scheibe ist gerade der Song "Schmerz vereint" - in dem es um sexuellen Missbrauch geht und der für Lina der schwierigste Song des Albums geworden ist - musikalisch auch der interessanteste. "Also, es ist immer so, dass wir zuerst den Song haben und dann ans Musikalische gehen", führt Lina aus, "wir schauen dann immer, was der Kern des Songs ist. Bei 'Wo sind die Jahre hin' hatten wir zum Beispiel ein komplett andere, lautere, buntere Produktion ausprobiert, dann aber festgestellt, dass das nicht der Kern des Songs ist. Der Kern des Songs ist viel ruhiger und intimer. Wenn es dann nicht passt, gehen wir wieder zurück zum Song und fangen von vorne an." Der besagte Song "Wo sind die Jahre hin" handelt von einem Gespräch, das Lina mit ihrer kurz darauf verstorbenen Tante führte. Geht es dabei um das Abschiednehmen? "Nein, es geht gar nicht so sehr um's Abschiednehmen, sondern um ein Momento Mori", erklärt Lina, "an dem Tag, wo wir uns das letzte Mal gesehen haben, hat sie gar nicht so sehr Abschied nehmen wollen, sondern mir gesagt: Ich habe sehr viel erlebt in meinem Leben und ich möchte nicht, dass du die gleichen Fehler machst wie ich. Höre auf dich und lass dich nicht von Männern unterdrücken - hat sie mir gesagt. Ihr war wichtig, dass ich nicht die gleichen Fehler mache wie sie, weil sie sehr viel gelitten hat in ihrem Leben. Der Abschied war dann schon dabei - aber nicht das, was ich in dem Song einfangen wollte." Die Frage nach der Abschiedssituation ging auch eher in die Richtung, dass Lina ihre Songs möglicherweise in therapeutischer Hinsicht verwendet, um bestimmte Ereignisse für sich verarbeiten zu können. "Ach so, ja", stimmt Lina zu, "eigentlich ist ja jeder Song, den ich schreibe, irgendwie therapeutisch. Ich versuche meine Gefühle, die ich habe, irgendwie zu sortieren. Und das ist total angenehm, dass ich diese Möglichkeit habe. Manchmal, wenn ich mich mit meiner Gitarre hinsetze und darauf rumspiele, kommt irgendetwas zum Vorschein, von dem ich selbst gar nicht wusste, dass mich das gerade so doll beschäftigt. Ich mag auch total gerne, dass das Unterbewusstsein sich alleine seinen Weg bahnt." Das heißt also, dass nicht die Musik, sondern das Unterbewusstsein bestimmt, wo es lang geht? "Eher das Unterbewusstsein als der Song an sich", pflichtet Lina bei, "das ist ja das Schwierigste beim Musizieren, dass der Song eben leider nicht bestimmt, wo es lang gehen soll, sondern dass man selbst entscheiden muss, in welche Richtung es gehen soll." Und was ist dabei wichtig? "Dass ich etwas fühle", meint Lina, "es gibt für mich nichts Schlimmeres, als einen Song zu hören und ich empfinde nichts. Es ist auch das größte Kompliment, was man mir machen kann, wenn jemand sagt: Mich hat deine Musik komplett berührt."
Lina Maly
Hat sich Lina eigentlich überlegt, wie sie ihre Identität als Musikerin und Songwriterin finden könnte? "Nein, denn ich kann's einfach nicht anders", gesteht sie, "ich mache alles, was ich mache, nicht absichtlich so. Für manche mag das auch gar nicht passen, weil sie anderes erwarten. Es ist nichts Kreiertes, was ich mache. Ich überlege nicht, sondern mache einfach und probiere aus. Und wenn es klappt, dann sind wir begeistert von der Situation - aber nicht, weil es kreiert ist." Auch das neue Album ist wieder ein nachdenkliches, melancholisches Werk geworden. Was macht Lina Maly eigentlich musikalisch, wenn sie mal nicht traurig ist? "Na ja - ich glaube, ich habe einfach so einen melancholischen Kern", meint sie, "selbst wenn ich glückliche Songs machen will, kommt immer etwas Melancholisches durch. Ich weiß auch nicht, warum das so ist - es passiert einfach." Viele Kolleg(inn)en Linas sagen ja, dass sie überhaupt nur Songs schreiben können, wenn es ihnen schlecht geht. "Ach so", lacht Lina, "also ich habe auch schon mal Songs geschrieben, als ich komplett verliebt war. Ich muss auch positive Emotionen verarbeiten." Was inspiriert Lina auf der musikalischen Seite? Es fällt auf, dass heutzutage mehr elektronische Sounds im Portfolio sind. Hat das vielleicht mit der Produktionsweise zu tun? "Wir haben schon ziemlich viele organische Sachen in der Produktion dabei", überlegt sie, "und ich höre beides gerne. Ich höre je nach Jahreszeit auch gerne verstärkt organische Sachen wie z.B. die alten Agnes Obel-Scheiben. Auf der anderen Seite finde ich auch die elektronischen Sachen der Villagers gut. Mich inspiriert aber auch das Instrument, an das ich mich setze. Im Studio gab es zum Beispiel dieses schöne Klavier - deswegen haben wir viel Klavier dabei. Dann habe ich mich an ein Fender Rhodes E-Piano gesetzt und einen Song darauf gemacht. Es kommt dann halt auch darauf an, was gerade da ist," Was ist Lina bei ihrer Musik das Wichtigste? "Das weiß ich gar nicht", meint sie, "das Wichtigste ist vielleicht, dass es mir gut tut, wenn ich Musik mache und das Schönste ist dann wenn es anderen dann auch gut tut. Das freut mich dann mega-toll - aber es ist nicht der Grund, warum ich es mache, denn das ich nicht mein Anspruch. Das wäre auch schlecht, wenn das der Anspruch wäre, weil man dann so abhängig von der Meinung anderer ist. Mir reicht es schon, wenn es gut für mich ist, weißt du?"
Im Frühjahr nächsten Jahres soll dann auch endlich die bereits im letzten Jahr angedachte Tour stattfinden.
Weitere Infos:
www.lina-maly.de
www.facebook.com/LinaMalyMusik
www.instagram.com/linamaly
www.youtube.com/watch?v=HSAjvgfyo54
www.youtube.com/watch?v=bNB4mqjx0p0
www.youtube.com/watch?v=OiEAF7MzRtI
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Lina Maly
Aktueller Tonträger:
Nie zu selben Zeit
(Drei Tulpen/Membran)
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