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AMANDA BERGMANN
 
Ein Wasserzeichen des Lebens
Amanda Bergmann
Die schwedische Songwriterin Amanda Bergmann ist zwar schon länger im Geschäft, hat es aber von jeher abgelehnt, sich mit ihrer Kunst dem üblichen Rhythmus des Musikbusiness zu unterwerfen. Zwar begann sie ihre Laufbahn bereits 2010 unter den Pseudonymen Hajen (für Hai) und Idiot Wind, gründete 2013 die Band Amason, mit der sie bis heute aktiv ist, arbeitete mit Kristian Matsson a.k.a. The Tallest Man On Earth zusammen (mit dem sie dann auch eine Zeitlang verheiratet war), veröffentlichte aber erst 2015 ihr Debütalbum "Docks" - und gönnte sich dann eine fast zehnjährige Auszeit, in der sie eine Farm kaufte, ihren jetzigen Partner, den Amason-Musiker und Produzenten Petter Winneberg heiratete und zwei Kinder bekam.
"Ja, seit dem Album 'Docks' ist eine Menge passiert - wie wohl im Leben der meisten Menschen zwischen 27 und 36", erklärt Amanda, "ich war damals ziemlich erschöpft von der ganzen Musiksache und stellte in Frage, ob das überhaupt eine gute Sache für mich sei. Ich habe dann diese Farm gekauft und habe mich in die Landwirtschaft vertieft. Während dieser Zeit habe ich mit Amason Musik gemacht und habe ein bisschen live gespielt. Erst vor vier Jahren habe ich mich wieder mit dem Gedanken beschäftigt, solo Musik zu machen. Musik ist auch etwas, von dem ich weiß, dass ich es kann - und die Musik selbst ist auch nie kompliziert genug, dass ich sie selbst in Frage stellen würde. Aber alle anderen Dinge darum herum sind schwierig. Also zum Beispiel, als Eltern Zeit zu finden, Musik zu machen. Und das Musikbusiness ist ja auch nicht gerade inspirierend." Vorab veröffentlichte Amanda die Tracks "Poor Symmetry" und "Cities" als Single. Auf diesen beiden - für sie älteren - Songs beschäftigt sie sich einerseits mit dem Tod ihres Vaters und andererseits der Geburt ihrer Kinder. Das bedeutet dann vermutlich ja, dass Amanda über ihre Songs Ereignisse aus ihrem Leben verarbeitet. "Absolut", bestätigt sie, "das ist auch so eine Sache, die viele Menschen so oder ähnlich auch erleben. Einige der Songs auf dem neuen Album handeln von diesen Themen. Weißt du, mein Vater rief mich an und meinte, er sei krank. Wir dachten, er hätte vielleicht eine Lungenentzündung und das käme schon wieder in Ordnung. Er erklärte uns dann aber, dass er vielleicht noch vier bis sechs Wochen zu leben habe - und das ist war eine sehr intensive Situation, die einfach sehr schwer zu begreifen ist und die man lange mit sich herumträgt. Ich erinnere mich noch daran, dass der Song, an dem ich gerade arbeitete, mir dann erlaubte, mich in einer Weise mit dieser Situation auseinanderzusetzen, die mir nicht zur Verfügung gestanden hätte, wenn ich meine Musik nicht gehabt hätte." Was hat denn der Titel des Albums "Your Hand Forever Checking On My Fever" in diesem Sinne zu bedeuten? "Der Song wendet sich direkt an meinem Vater", erklärt Amanda, "es geht um bedingungslose Liebe. Es ist eine Hommage an meinen Vater - aber es geht nicht alleine um den Tod, sondern um das Gefühl einer Zuneigung ohne Bedingungen."

Schreibt Amanda ihre Songs eigentlich stets aus der eigenen Sichtweise? "Der Titel des Albums ist eine Textzeile aus dem Song 'My Hands In The Water' und den habe ich aus meiner Perspektive geschrieben", führt sie aus, "denn den Song schrieb ich, als mein Vater mich anrief. Es gibt aber einen anderen Song namens 'Wild Geese, Wild Love', den ich aus der Sicht meines Vaters geschrieben habe. Ich habe versucht, mich in die Position von jemandem zu versetzen, der im Sterben liegt und wie still es um ihn wird und was die letzten Worte sein mögen, die wir miteinander teilen. So etwas kann man ja nicht planen oder erahnen. Es ging mir mir darum, meinem Vater so in einer Situation, der er nicht entfliehen konnte, Trost auszusprechen." In ihren Songs scheint Amanda des Öfteren Bezug auf die Natur zu nehmen. Ist das - vielleicht auch in spiritueller Hinsicht - eine Inspirationsquelle für Amanda? "Ich habe darüber noch nie so richtig nachgedacht, aber es klingt so, dass es recht wahrscheinlich ist, dass ich sowas mache. Ich denke, dass der spirituelle Aspekt des Lebens sich automatisch in alles einbringt, was du tust. Ich habe eine holistische Weltsicht. Es geht um eine ganzheitlichen Blick auf die Realität. Das Album an sich unterliegt keinem Konzept, sondern ist eher so etwas wie ein Wasserzeichen an der Stelle meines Lebens, an der ich mich gerade befand, als ich es machte." Gibt es denn wenigstens ein Konzept für den kreativen Prozess als solchem? "Nun ja, ich beginne immer mit dem Gesang", führt Amanda aus, "früher habe ich Musik immer alleine für mich selbst in meinem Zimmer gemacht - habe dann aber schnell gemerkt, dass das für mich nicht ideal war. Ich brauche immer jemand, der ein Instrument spielt, wenn ich singe. Manchmal fallen mir dann sofort Texte ein und manchmal eben später. Am intuitivsten kann ich aber arbeiten, wenn ich versuche Text und Melodie gleichzeitig einzufangen."
Amanda Bergmann
Tatsächlich ist das auch der Eindruck, den der Hörer dann gewinnt, denn viele der neuen Tracks sind nicht wie klassische Pop-Songs strukturiert, sondern klingen gerade so, als lasse Amanda den Hörer an der Entstehung des Songs teilhaben. "Genauso ist das auch gedacht", bestätigt Amanda, "das kann man auch in meinen Live-Videos sehen, denn da kann man mich dabei beobachten, wie ich selbst nach meinen Songs suche." Musikalisch agiert Amanda dabei mit Folk- und Indiepop-Elementen, aber auch Laurel Canyon Westcoast-Flair - vermeidet aber typische Skandenamericana-Elemente. Es klingt aber alles nicht so, als denke Amanda über Stile und Genres konkret nach, oder? "Ja, das hängt mit meiner Einstellung zur Musik im allgemeinen zusammen", führt Amanda aus, "ich habe nämlich niemals geplant, eine Musikerin zu werden. Ich habe auch lange gezweifelt, ob ich es tun sollte. Die Lösung war dann für mich die, dass ich es nur unter bestimmten Bedingungen machen wollte. Eine ist die, dass die Musik nicht mein ganzes Leben in Anspruch nehmen kann - denn das könnte ich nicht rechtfertigen. Es muss eine gewisse Simplizität und kindliche Neugier im Spiel sein. Es geht mir um subtile Nuancen. Wenn ich selber Musik höre, dann habe ich zum Beispiel die Tendenz, auf solche Nuancen zu achten - beispielsweise einen bestimmten Drumsound oder so etwas. Ich suche mir dann immer auch die Stücke zwischen den Hits heraus. Die finde ich interessanter. Mir geht es nicht darum Musik zu machen, die dir sozusagen ins Gesicht springt und auf eine bestimmte Weise formatiert ist. Ich finde es interessanter, wenn sich der Hörer und der Musiker auf halbem Wege treffen, wenn es darum geht, in die Musik einzutauchen." Woran orientiert sich Amanda Bergman musikalisch? Es ist schon alleine deswegen schwer, ihre Musik zu beschreiben, weil sich keine offensichtlichen Referenzpunkte darin finden. "Nun ja, man darf sich ja sowieso als Musiker nicht der Illusion hingeben, dass es möglich wäre, heutzutage noch etwas vollkommen einzigartiges zu erschaffen", überlegt Amanda, "das kann manchen Leuten vielleicht noch zufällig passieren, aber es kann nicht das sein, was dich leitet, denn das würde dich in eine schwierige Position bringen. Und dann macht man irgendwann Musik aus den falschen Gründen. Wir Musiker sind hier um zu reproduzieren, neu zu definieren und immer wieder dieselben Sachen auszusuchen, weil das unsere musikalische Sprache als Menschen definiert. Es macht die Sache dann aber einfacher, wenn man eine gewisse Neugierde bewahrt, die von den eigenen Limitationen und Glaubenssystem wegführt. Das, was du dann findest, mag dann vielleicht nicht für die ganze Menschheit, aber doch für dich selbst einzigartig sein - und das erzeugt dann eine gewisse, gesunde Energie, die dich auch selbst befeuert und antreibt."
Was ist bei all dem denn die größte Herausforderung für Amanda Bergman? "Das ist eine schwierige Frage", zögert Amanda, "spontan würde ich sagen, dass es mein ganzer Ansatz als Musikerin ist. Das Schreiben von Songs fällt mir nicht schwer. Die Herausforderung ist dann die, dass ich oft in Frage stelle, was ich überhaupt mache - und das muss ich noch herausfinden. Ich verbringe dann viel mehr Zeit damit, mich mit meinem Lampenfieber und meinen Zweifeln zu beschäftigen, als wertzuschätzen, was ich schon geschafft habe. Das sind dann Sachen, die mich eher beschäftigen als die Struktur und die praktischen Dinge des Musik-Machens." Welche praktischen Dinge sind das denn? "Nun zum Beispiel betrachte ich mich ja als Indie-Künstlerin", führt Amanda aus, "das ist wundervoll - aber auch eine Menge Arbeit, die dich manchmal vom Musik-Machen abhält. Und auch als Indie-Künstlerin möchte man ja seine Musik auch in neuen Gebieten verfügbar machen. Also dachten wir uns, dass es doch eine gute Idee wäre, mal mit einem Label zusammenzuarbeiten. Wir haben dann herumgehört - aber die Labels, die man möchte, bekommt man dann nicht und als wir die Verträge von Labels, die wir bekommen hätten können, angeschaut haben, haben wir uns gedacht, dass wir es doch lieber selber machen sollten und unser eigenes Label Cow Cow gegründet." Der Preis für eine solche Entscheidung ist dann der, dass man am Ende fast alles selber machen muss. Dennoch ist eine Tour, die Amanda Bergman auch in unsere Breiten führen wird, bereits für den Herbst geplant.
Weitere Infos:
linktr.ee/amandabergman
www.instagram.com/bergmanama
www.facebook.com/amandabergmanofficial
www.youtube.com/@amanda.bergman/videos
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Julia Mård-
Amanda Bergmann
Aktueller Tonträger:
Your Hand Forever Checking On My Fever
(Gamlestans Grammofonbolag/Bertus)
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