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Against All Odds

Lucy Kruger & The Lost Boys
Marie Rauschen

Düsseldorf, Zakk
17.10.2020

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Lucy Kruger & The Lost Boys
Irgendwie sind Frauen also auch die zäheren Konzertveranstalterinnen. Denn den Mädels des fem_pop-Kollektives gelang, was vielen Kollegen bislang eben nicht gelang: Eine zuvor etablierte Konzertreihe gegen alle Widerstände nicht nur über die Lockdown-Phase zu retten, sondern nun sogar "nach innen" zu verlegen. Im Sommer fanden die Konzerte weiblicher Singer/Songwriter nämlich noch im Biergarten des Düsseldorfer Zakk-Zentrums statt. Das erst vor kurzem angesetzte Konzert der südafrikanischen Wahlberlinerin Lucy Kruger wanderte dann aber - trotz steigender Inzidenzen und der neuesten Risikogebiet-Beschränkungen - in den ansonsten bislang brachliegenden, großen Zakk-Saal. Großzügig "beabstandet" bestuhlt, auf 80 Zuschauer beschränkt und mit ausgeklügeltem Hygienekonzept, zu dem neben der notwendigen Registrierung auch ein Einbahnstraßen-System und die Pflicht, die Gesichtsmasken auch während des Konzertes aufzubehalten gehörte, konnte offensichtlich den Widrigkeiten der Corona-Krise begegnet werden.
Den Support für Lucy Kruger machte die Lokalmatadorin Marie Rauschen. Marie ist in dem Sinne eine Liedermacherin, als dass sie ihre melancholischen Akustik-Balladen mit einer gehörigen Portion Kleistschen Schwermutes auf Deutsch dahindichtet. Und das ist nicht bloß so dahergesagt, denn von Reimschemata und Versmaßen versteht Marie - im Gegensatz zu manchen Knüppel-reimenden Kolleg(inn)en - nun wirklich etwas. Grundsätzlich ist dabei zu sagen, dass Marie ihre Aufgabe nicht eben darin sieht, den Saal zum Kochen zu bringen, sondern vielmehr dazu einlädt, sich auf den Flow ihren traurigen Selbstfindungs-Exkursionen wie z.B. den Song "Identitäten" einzulassen und diesem zu folgen. Dieser Ansatz passte dann auch gut zum Tenor des ganzen Abends, denn Lucy Krugers Musik ist ja auch nur bedingt als Partymucke zu gebrauchen. Außerdem hört man traurigen Mädchen ja sowieso irgendwie lieber zu als jammernden Buben.
Lucy Kruger ist eigentlich regelmäßig auf Düsseldorfer Bühnen anzutreffen, so dass es ja eigentlich nahe lag, sie für einen Konzertabend in der fem_pop-Reihe einzuladen. Trotzdem musste Frau ja auch erst mal darauf kommen, denn seit der Beendigung ihres Medicine Boy-Projektes war auch Lucy nicht mehr live aufgetreten und hat - bis auf zwei Überbleibsel aus den Sessions zu ihrer letzten LP "Sleeping Tapes For Some Girls" - noch kein neues Material veröffentlicht. Lucy war angekündigt worden unter dem Namen Lucy Kruger & The Lost Boys. Insider wissen aber, dass es sich dabei nicht um eine konkrete Band handelt, sondern dass Lucy diesen Namen nutzt, um sich von ihren anderen zahlreichen Projekten abzugrenzen. Und so wunderte es dann auch nicht, dass die Lost Boys in diesem Fall einzig aus der niederländischen Gitarristin Liú Mottes bestand, die Lucy kennenlernte, als sie in deren Projekt Alienbaby Collective mitspielte. Dass auch Lucy Kruger sehr unter dem Live-Entzug in Zeit von Corona gelitten haben musste, war ihr dann auch deutlich anzumerken. Nicht nur, dass sie die Songs aus dem Lost Boys-Repertoire mit einer fast schon aggressiven Intensität vortrug - nebenher gab sie sich geradezu redselig und flocht einige wirklich gute Gags in ihr Programm ein. "Wir spielen jetzt meinen nächsten Dance Hit", kündigte sie etwa den Song "Digging A Hole" von der "Sleeping Girls"-Scheibe an - der tatsächlich eher eine Art Wiegenlied für einen Geist ist. "Kannst du mal meine Gitarre im Monitor etwas leiser machen?", fragte sie den Soundtechniker und fügte dann hinzu: "Ich mache mir nämlich gerade selbst ein wenig Angst." Nach einem Wechsel vom Mikro an die Gitarre beschwerte sie sich: "Ich glaube, meine Gitarre will mich unbedingt ausziehen. Das ist aber wirklich nicht angemessen." Und als das Publikum eher sparsam reagierte, als sie fragte, ob es denn allen gut gehe, meinte sie: "Das ist jetzt aber nicht wirklich überzeugend."

Musik gab es natürlich auch. Wer ein Lucy Kruger-Konzert besucht, der weiß ja im allgemeinen, worauf er sich einlässt: Lucy Kruger ist eine Frau der Nacht und macht das mit ihrer grundsätzlich düsteren Slowcore-Musik, den mystisch verstiegenen Traumtänzerinnen-Lyrics und einer eher introvertierten Bühnenshow auch gerne deutlich. Deswegen überraschte es dann fast schon, dass sie nicht darum bat, die Bühnenbeleuchtung und die kaleidoskopartige Back-Projektion auszuschalten (alles schon dagewesen). Stattdessen gab es sogar Momente, in denen sie nicht nur auf Liús weitestgehend flächigen, atmosphärischen Gitarrenornamenten dahintrieb, sondern öfter auch direkt mit ihr interagierte. Während in der letzten Lost Boys Inkarnation noch Andre Leo für einige psychedelische Gitarrengewitter gesorgt hatte, konzentrierte sich Liú eher darauf, einige wenige, aber effektive dynamische Akzente zu setzen. Es ist nicht ganz einfach zu ergründen, was Lucy eigentlich antreibt, sich in einem weitestgehend surrealen, nachtschattigen musikalischem Umfeld auszuleben. Sie selbst kann das auch nicht wirklich konkret in Worte fassen, wie sie einräumte, als sie den Song "Strange Words" ankündigte. Wichtig ist dabei allerdings, dass sie versichert, durchaus Spaß daran zu haben und dass sie sich offensichtlich auch glücklich dabei fühlt. Deswegen ist es vielleicht auch erklärlich, warum die eigentlich eher atmosphärisch als songwriterisch angelegten Epen Lucys in der Massierung eigentlich niemals langweilig werden. Wie Lucy ungefähr tickt, erklärte sie dann eher zufällig, als sie zum Abschluss den Song "Evening Train" ankündigte: Vor zweieinhalb Jahren sei sie nach Berlin gezogen und habe eine Zeitlang gebraucht, um sich darauf einzurichten. Dabei habe sie nach einem halben Jahr eine Phase gehabt, in der sie den seltsamen Drang verspürt habe, fremde Leute zu berühren. Das habe sie dann zwar doch nicht getan - es habe aber Eingang in ihre Songs gefunden; wie zum Beispiel den Song "Evening Train", den sie bei einer der wenigen Gelegenheiten schrieb, in denen sie öffentliche Verkehrsmittel nutze.

Angesichts dessen, dass das Zakk gut beleuchtet war und die Veranstaltung zudem auf einer vergleichsweise großen, offenen Bühne anstatt eines kleinen, dunklen Clubs stattfand, war das dann vielleicht keine besonders typische, aber irgendwie Charmante Lucy Kruger-Show.

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Surfempfehlung:
lucykruger.bandcamp.com
www.facebook.com/LucyKrugerOfficial
www.facebook.com/marie.rauschen
www.facebook.com/lmottes
www.facebook.com/fempopkonzerte
www.youtube.com/watch?v=cKM6yl7SMmU
www.youtube.com/watch?v=yVsePU2cCCs
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
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