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Konzert-Bericht
 
After The Flood

Sophia Kennedy

Düsseldorf, Zakk
08.07.2021

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Sophia Kennedy
Sowas muss man auch erst mal hinbekommen: Am 08.07.2021 war eigentlich der Weltuntergang angesagt. Für den Abend waren in NRW Unwetter der übelsten Art prophezeit worden - und tatsächlich schien es ab dem späten Nachmittag so, als würde der Himmel jeden Moment herunterfallen und die Welt mit Blitz, Donner und Starkregen endgültig ins Verderben reißen. Und dann pünktlich zum Einlass im Corona-konformen Biergarten des Düsseldorfer Zakk lichtete sich die bis dahin kompaktgraue Wolkendecke - jedenfalls punktuell -, sodass die über das gesamte Gelände verstreuten Fans das Konzert von Sophia Kennedy und ihrem musikalischen Partner in Crime Mense Reents tatsächlich weitestgehend trocken erleben durften.
Dabei war das Wetter ja bei weitem die kleinste Hürde, die Sophia und Mense mit ihrer ersten Tour zum aktuellen Album "Monsters" zu nehmen hatten - wobei sich der Optimismus mit Bezug auf die Pandemie-Lage letztlich auszahlte. "Doch, doch, ich will schon richtige Live-Konzerte mit Publikum spielen", kündigte Sophia nämlich bereits bei den Gesprächen zum Album an, die bereits im April stattfanden, wo die Pandemie ja noch fröhlich auf Höchstniveau grassierte. Sei es drum: Der Wagemut Sophias hatte sich gelohnt, denn Live-Konzerte mit Publikum sind halt doch ein ganz anderes Biest als Streaming-Events. Ein wenig ungewohnt sei das Feeling dieser "abstrakten Situation" nach so langer Abstinenz dann aber doch schon, gestand Sophia einleitend zu dem ansonsten nahezu Ansagen-freien Event und Mense Reents ergänzte dann noch, dass man erst mal damit zurechtkommen müsse, dass auch in 50 Meter Entfernung noch Zuschauer an den Tischen auf dem Konzertgelände saßen.

Eine leichte Aufgabe hatten sich Sophia und Mense aber auch unabhängig von den organisatorischen Unwägbarkeiten auf der musikalischen Ebene nicht gerade ausgesucht, denn die "Monster"-Songs tragen ihren Namen nicht ohne Grund. Das Material der neuen LP entstand nämlich weitestgehend im impulsiven, improvisatorischen Miteinander Sophias und Menses - und muss (insbesondere im Live-Kontext) immer wieder gebändigt und gezügelt werden; wie kleine Monster eben. Jedenfalls war es von vorneherein klar, dass die im Studio kunstvoll aufgetürmten, vielschichtigen Arrangements der Scheibe auf der Bühne keinesfalls ohne Weiteres zu reproduzieren sein würden. Schon gar nicht von zwei einsamen Musikanten. Insofern entschieden sich Sophia und Mense dafür - wie sie das eigentlich immer schon taten -, die Original-Versionen der Studioproduktionen lediglich als Impfempfehlung für die Live-Performance zu verwenden - und stattdessen die Tracks auf der Bühne neu aufzubauen.

Der Fokus war dieses Mal aber ein anderer als zuletzt. Im Gegensatz zu den Konzerten zur Debüt-LP spielte Sophia nämlich kein echtes Klavier, sondern ein gemietetes Midi-Keyboard und Mense hatte zusätzlich zu den Steuerelementen der Samples und Effekte ein eigenes Keyboard und vor allen Dingen einen mörderischen Verstärker für seinen Bass mitgebracht, dem er dann mit seinen Effektpedalen ziemlich harsche Sounds entlockte, die wohl so manchem Gitarristen ein anerkennendes Kopfnicken entlockt hätte. Ausschlaggebend für den Ansatz war aber etwas anderes: Immer dann, wenn der inhaltliche Aspekt ihrer Songs eine bestimmte Bedeutung hatte, ließ Sophia ihre Keyboards ganz beiseite und betätigte sich als erstaunlich intensive Croonerin - während Mense den weitestgehend vorproduzierten musikalischen Background beisteuerte. Tatsächlich gerieten diese Passagen - wie z.B. der Song "Francis" - dann zu den emotional und intensitätsmäßig überzeugendsten Highlights der Show. Während Sophia dabei auch als Animateurin überzeugte, funktionierte die Sache mit dem Bewegungsmanagement vor der Bühne nicht ganz so gut. Zwar schlugen Sophia und Mense vor, dass man doch auf die Tische steigen und tanzen könnte - aber das traute sich dann doch niemand. Während also Tracks wie "I Can See You" munter dahingroovten, wollte dann doch so keine rechte Club-Stimmung entstehen. (Das lag freilich auch daran, dass das Konzert ja noch vor Einbruch der Dunkelheit beendet wurde).

Und dann war da noch die Sache mit der Technik. "Jetzt kommt unser Problemstück", kündigte Sophia etwa den Track "Dragged Myself Into The Sun" an. "Es gibt keine Problemstücke", scherzte Mense da zwar noch - und tatsächlich klappte dieser Track dann auch noch recht gut -, aber danach schlich sich der Fehlerteufel in die Wirrungen der Verkabelung ein, die mal dazu führte, dass Sophia ihr Keyboard nicht funktionierte und mal dazu, dass der Laptop streikte. "Es würde jetzt zu weit führen, das zu erklären", entschuldigte Sophia diese Aussetzer, "aber wir haben uns das Gerät heute erst gemietet." Nun ja: Gitarristen haben es da ja auch einfacher. Und dem Spaß an der Freude tat das eigentlich auch keinen Abbruch, denn dann wurde halt die Setlist umgestaltet.
Insgesamt überzeugten Sophia und Mense auch mit dieser Show wieder als innovativ agierende Performer die so manche Überraschung für das Publikum (und sich selbst) im Gepäck haben. Nach Stilen, Genres oder Schubladen braucht man bei einem Sophia Kennedy-Konzert freilich nicht zu suchen: Da leben Sophia und Mense in ihrer ganz eigenen Welt. Lediglich das Open-Air-Festival-Setting bei Tageslicht scheint für diese Art von Musik stimmungsmäßig nicht das ideale zu sein, denn es fehlte da irgendwie die Düsternis, die sich in manchem Kennedy-Song einschleicht, in optischer Hinsicht dann schon. Das ist dann aber schon Meckerei auf Luxus-Niveau.

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Surfempfehlung:
www.sophiakennedy.com
www.instagram.com/sophia.kennedy___
sophiakennedy.bandcamp.com
www.facebook.com/sophiakennedyofficial
www.youtube.com/watch?v=TwMO-xmmMSs
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
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