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Darkness On The Edge Of Town

Chris Eckman

Köln, Yard Club
17.10.2021

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Chris Eckman
Nachdem viele seiner Kollegen ihre in diesen Tagen angesetzten Konzerte kurzfristig doch wieder abgesetzt oder verschoben haben, hatte es Chris Eckman gewagt, seine Tour wie angekündigt auch durchzuziehen. Nun hätte man annehmen können, dass ihm dieses ja insofern ein Leichtes hatte sein müssen, da er ja nicht aus den USA, sondern "nur" aus Slovenien anreisen musste - aber da spielte dann die Deutsche Bahn nicht mit. Chris war es nämlich aufgrund eines offensichtlich bundesweiten "allgemeinen Computerfehlers" im Bestellsystem nicht gelungen, ein Ticket bei der Bahn zur Rückreise in seine Wahlheimat zu erwerben. Als der große Stoiker, der er nun einmal ist, widmete Chris folgerichtig den Song "The Curving Track" von seinem aktuellen, prämierten Album "Where The Spirit Rests" dann auch der Deutschen Bahn - denn schließlich geht es in dem Song darum, dass jemand auf einem gewundenen Pfad seinen Weg sucht - ohne dabei ein Ziel zu erreichen.
Worum ging es aber eigentlich? Nun, der Walkabouts-Mastermind hatte im ersten Pandemie-Jahr wieder ein Mal Zeit gehabt, an neuen Solo-Songs zu arbeiten, die er zunächst nur für sich selbst geschrieben hatte. Als er aber bei den wenigen Shows, die er in der Lockdown-Phase hatte spielen können, von Seiten des Publikums auf großes Interesse gerade in Bezug auf diese neuen Songs gestoßen war, kam er schließlich zu dem Schluss, dass es Sinn machen würde, diese auf einer neuen Solo-LP zusammenzufassen. Sicherlich war das eine richtige Entscheidung, denn das Album wurde allenthalben positiv aufgenommen - gleichwohl es zu einem der desolatesten und düstersten in der Laufbahn des Mannes, der den Begriff "Darkness" nun wirklich inflationär in seinen Lyrics verwendet, darstellt. Die bisherige Krönung in dieser Hinsicht war dann zweifelsohne der Preis der Deutschen Schallplattenkritik, der ihm nun auf dieser Tour in Berlin auch persönlich überreicht bekam. Dennoch hatten nur die Hardcore-Fans den Weg in den etwas abseits ("On the edge of town", um beim Thema zu bleiben) gelegenen Kölner Yard Club gefunden, um den Worten des Meisters im reduzierten Solo-Akustik-Setting zu lauschen. "Ihr seid die Pioniere", lobte Chris demzufolge den Mut der Fans, trotz Corona sich auch in Köln zu einem echten Live-Konzert zu wagen.

Wer nun vielleicht befürchtet haben mochte, dass Chris einfach sein neues Album präsentieren würde, der sah sich auf angenehme Weise enttäuscht, denn Chris bot ein - nicht gerade farbenfrohes, aber zumindest nur mittelgraues - Potpourri von subjektiv ausgewählten Highlights seiner Solo-Alben, das er abrundete mit Rückgriffen auf die Walkabouts-Zeiten wie "The Dustlands" oder "Stopping-Off Place" (gleich zu Beginn der Show), zwei Coverversionen - "Loving Her Was Easier" von Kris Kristofferson und "Don't Let Our Youth Go To Waste" von Jonathan Richman - und ein Track aus den "Spirit"-Sessions - vermutlich namens "Bone Dry Road", den er nicht auf die Scheibe genommen hatte, weil er ihm "zu fröhlich" geraten sei.

Aber um es gleich zu sagen: Fröhlich war so ziemlich gar nichts an dieser Show. Die Sache ist dabei allerdings die: Eigentlich wäre Chris Eckman jetzt im richtigen Alter, um seinen Männerschmerz im Blues auszuleben. Da er aber mit dem Blues nichts am Hut hat und außerdem niemals dazu tendiert, ins Lamentieren zu verfallen, sondern die Düsternis immer recht pragmatisch als Teil des Lebens betrachtet und mit einer gewissen Ergebenheit behandelt, nähert sich Chris Eckman songwriterisch in dieser Hinsicht immer mehr seinem verstorbenen Freund Townes Van Zandt an. Schließlich hatte Van Zandt selbst dann nicht gejammert, wenn er die erschütterndsten und herzergreifendsten Dramen im Songformat platzierte. Und noch eine Parallele zu Van Zandt gibt es da. Als dieser nämlich ein Mal gefragt wurde, wer denn eigentlich "Pancho & Lefty" seien, antwortete er schlicht: "Keine Ahnung." Und das ist auch so eine Sache, die in Chris' Songs zu beobachten ist: So richtig intim wird Chris mit seinen Charakteren eigentlich auch nicht. Stattdessen wird er immer mehr zum Beobachter und Kommentator, der bestenfalls empathisch an die Sache herangeht. Auf die Frage, ob er - wie sein Freund Steve Wynn es einmal formulierte - "seine Charaktere nicht wirklich gut kenne, sondern sie nur ab und an mal besuche", antwortete Chris dann auch, dass dem wohl so sei, da er dieses Mittel nutze, um eine gewisse Distanz zwischen sich selbst und seinen Charakteren zu erschaffen, da dies einfach spannender sei. Nicht umsonst schrieb er für sein Album "The Last Side Of The Mountain" schließlich einen Song namens "Stranger" (den er in Köln auch spielte - und dafür sogar seinen Platz hinter dem Mikro verließ, um vielleicht noch mehr Distanz zu schaffen). Auf dem "Spirit"-Album - so räumte er dann aber ein - sei das allerdings nicht so ausgeprägt der Fall. Sei es drum: Jedenfalls führt diese Einstellung dazu, dass Konzerte von Chris Eckman niemals der Depression, dem Selbstmitleid oder eben dem allgemeinen Lamento verfallen. Und sie werden auch selbst dann nicht langweilig, wenn er als Zugabe den überlangen Titeltrack seines neuen Albums spielt.
Das Konzert in Köln verlief aber nicht linear im emotionalen Dämmer-Modus. Im Mittelteil der Show etwa platzierte er melodische Songs wie "Nothing Left To Hate" von "Harney County" oder "Cabin Fever" von "Spirits", die er dann auch mit einem gewissen Nachdruck präsentierte. Dafür zog er dann die Cover-Versionen auf seine Seite. Kris Kristoffersons Track "Loving Her Was Easier" wurde einfach aus dem Country-Setting in den Eckman-Folk-Modus transplantiert und aus Jonathan Richmans "Don't Let Our Youth Go To Waste" - das im Original eigentlich nur eine knapp zweiminütige A-Cappella-Skizze auf dem "Modern Lovers"-Album ist (und von Galaxie 500 auf dem Album "Today" zu einer siebenminütigen Psychedelia-Rock-Version aufgeblasen wurde), wurde bei Chris ein sogar deutlich über siebenminütiges, klassisches Desolations-Epos.

Kurzum: Eigentlich bekamen die Fans dann genau das, was sie von einem Chris Eckman Solo-Konzert auch hätten erwarten dürfen - und es war auch gar nicht schlimm.

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Surfempfehlung:
www.chriseckman.net
www.facebook.com/chris.eckman.9
www.instagram.com/eckman.chris
chriseckman.bandcamp.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
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